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10 Jul

baden | „on bathing culture“
im Thermalbad Vöslau – eine sommerfrische Installation der Künstlerin Anna Paul

Das Thermalbad Vöslau ist seit jeher Inbegriff für Sommerfrische und Badekultur. Als ein Ort des Miteinanders ist das Thermalbad nun vom 21. Juni bis 15. Juli Bühne für die temporäre Dampfbad-Installation der Künstlerin Anna Paul, im Rahmen der Vienna Design Week.

Meine Herangehensweise hat mich zur Kunst gebracht – also Dinge zu sehen und zu versuchen, die dahinterliegende Bedeutung zu ergründen und daraus dann eine Sprache zu entwickeln.

Für Anna Paul sind alltägliche Rituale Inspiration. Dinge, die unbewusst passieren, Dinge, die uns umgeben, die wir anhäufen, mit denen wir umgehen und in Berührung treten. In ihrer Arbeit hinterfragt sie diese Rituale und Dinge. Woher kommen sie, wie benützt man sie, wie formen sie einen? Alltägliches wie gehen, kochen, waschen, schlafen – und auch das Baden.

Ich denke, dass alltägliche Dinge politische Aspekte haben. Mit baden | on bathing culture proklamiere ich: Entspannung ist politisch!

Die Künstlerin hat sich anhaltend mit der Badekultur und dem Kulturgut des Badens, den gesellschaftlichen Aspekten, seiner Geschichte und Entwicklung auseinandergesetzt. In ihrer Beschäftigung mit der Badekultur konnte Anna Paul feststellen, dass – bis zur der Etablierung des privaten Badezimmers – Baden ein gemeinschaftsbildendes Ritual war. Diesen gemeinschaftsbildenden Moment wieder spür- und erlebbar zu machen, ist einer der zentralen Gesichtspunkte für das Projekt im Thermalbad Vöslau.

Baden ist alltäglich, wir schenken ihm keine Aufmerksamkeit mehr, man macht es einfach ohne darüber nachzudenken. Ich wollte das aufbrechen und befreien.

Anna Pauls Duschobjekte

Es sind vor allem ihre Duschobjekte, anhand derer die Herangehensweise von Anna Paul erkennbar wird, die ihre Praxis bildet. Das Duschen ist eine der intensivsten täglichen Körper-Praktiken. Neben dem Schlafen ist es die Tätigkeit, bei der wir den niedrigsten Pulsschlag haben. Das Duschen praktiziert die Künstlerin als Meditation.

Dusche heißt nichts anderes als Leitung auf Latein. Ductio. Das sind Leitungsobjekte, die einen irgendwo mit ihrer Lustigkeit konfrontieren, darüber nachzudenken: Was mach ich da eigentlich täglich?

„on bathing culture“ im Thermalbad Vöslau

In ihrer Dampfbad-Installation hat Anna Paul diese verschiedenen Theorien, Gedanken, Ideen und Kulturanthropologischen Ansätze zusammengeführt, verdichtet und herausgearbeitet. In Anknüpfung an den sezessionistischen Gedanken des Gesamtkunstwerkes, gestaltet Anna Paul nicht nur Objekte, sondern immer auch ihr Umfeld. Dabei ist die Grenze zwischen Architektur und Kunst nicht klar zu ziehen. Für die Künstlerin stellte sich die Frage nicht. Ob Kunst oder Architektur, ihr ist es wichtig, Orte zu erzeugen, die wirken.

In der Praxis versuche ich, Dinge zu erschaffen, die sich der visuellen Dominanz zu entziehen … man muss reingehen. Man kann es nur verstehen, wenn man es erlebt. Man spürt es mit seinem ganzen Körper, der Blick ist durch den Dampf auch irgendwo verschleiert. Ich glaube, mit dem Projekt gelingt es mir tiefe Eindrücke zu lassen.

Als mobile Installation lässt das Projekt an verschiedenen Orten – wie jetzt im Thermalbad Vöslau – temporär neue Gemeinschaften entstehen. Gemeinschaften, die sich in der Dampfkabine an einem Ort treffen, um sich gehen zu lassen, sich Zeit zu nehmen, kurz Inne zu halten – und sich aus rausnimmt aus den ständigen Trubel.

Die Installation ist eine Einladung, das gemeinsame Ritual des Badens neu zu erleben und zu spüren. Noch bis 15.7. kann man im Thermalbad Vöslau Teil dieses einzigartigen Moments werden.

 

Film und Fotos by Felix Krisai

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