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15 Nov

#jungbleiben verbindet: Rudolf Niedersüß vom Mode-Atelier Knize im Interview

1858 gründete Josef Knize das geschichtsträchtige Haus Knize, welches bald darauf zum K&K Hoflieferant wurde. Nachdem er seinen Abschluss an der Handelsschule, als auch der Modeschule Michelbeuern erworben hatte, begann der gebürtige Oberösterreicher Rudolf Niedersüß im Jahr 1956 seine Praxis bei Knize&Comp, an der er sich 1976 beteiligte. Zwei Jahre später fusionierte der Geschäftsführer Knize mit dem von ihm erworbenen ehemaligen K&K Hoflieferanten C.M. Frank, weitere Geschäftslokale und ein Ausbau der Linien von Knize folgten. Meister Rudolf Niedersüß verkörpert seit jeher die Marke Knize, im Interview erzählt er seine Geschichte.

Wie hat Ihre Geschichte mit Knize begonnen?

Meine Eltern hatten einen Gemischtwarenladen, ich habe dort damals schon einiges an Erfahrung sammeln können. Ich habe sowohl den Handel als auch die Schneiderei gelernt. Die Herkunft des Stoffes und seine Weiterverarbeitung waren schon seit je her ein großes Interessengebiet von mir. Als ich nach drei Jahren Schneiderei-Ausbildung Praxis sammeln wollte, bin ich zu Knize gekommen, um nach einem Jahr die Meisterprüfung der Herrenschneiderei abzulegen. Nach einem weiteren Jahr bei Knize absolvierte ich die Meisterprüfung der Damenschneiderei. Nachdem ich insgesamt drei Jahre ausschließlich nähte, wurde ich zum Zuschneider für Damen- und Herrenkostüme, eine für mich genauso faszinierende, wie prägende Zeit.

Was folgte nach den ersten Schritten und Ihren Ausbildungen?

Ich war von 1956 bis 1963 bei Knize, danach habe ich die Firma C.M. Frank gekauft, welche wie Knize ebenfalls ein K&K Hoflieferant war und als einer der besten Schneider der Welt galt. Wir besitzen in unserem Haus diverse Hofschneiderdekrete von nahezu allen europäischen Königshäusern. Das alleine macht uns als Herrenschneider europaweit schon ziemlich einzigartig.

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Können Sie sich an Ihren ersten Kunden erinnern?

Den größten Eindruck hat auf mich Herzog von Württemberg gemacht. Da hatte ich gerade erst die Firma C.M. Frank übernommen und er war der erste angesagte Kunde. Als er kam und bereits hörte, dass ich neu bin, sagte er einfach zu mir: „Bleiben Sie Ihrer Tradition treu, ich bleibe meiner treu. Machen Sie mir drei Anzüge.“ Da lief es mir eiskalt über den Rücken, ich kannte mit meinen 27 Jahren noch nicht so viele große Persönlichkeiten, aber an diesen Moment kann ich mich bis heute ganz genau erinnern. Der Herzog war über Jahre hinweg einer meiner treuesten Kunden und Tradition ist damals, wie heute einer der wichtigsten Parameter unseres Hauses.

Wie wichtig ist die Stadt, in der Sie leben, für Ihre Arbeit?

Knize ist eine sehr international ausgerichtete Marke. Wien ist hierbei nach wie vor Hauptsitz, wurde die Firma auch hier von dem in Wien lebenden tschechischen Schneider Josef Knize gegründet. Knize hatte unter der Familie Wolff das erste Geschäft im Ausland – in Berlin. Später kam ein Meisterwerk von Adolf Loos auf der Champs-Elysées in Paris hinzu, weitere Filialen gab es in Karlsbad, Bad Gastein, Prag und New York. Loos hat nahezu alle der Knize Filialen gestaltet und war selbst Kunde der Firma und treuer Freund.

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Neben Adolf Loos finden sich doch sicher zahlreiche berühmte Namen unter Ihren Kunden?

Marlene Dietrich zählte sicherlich zu unseren berühmtesten Kunden, Knize stattete sie auch in ihren Filmen aus. Durch sie kam auch Billy Wilder auf uns, egal wo er sich gerade aufhielt oder seine Filme drehte, ließ er sich seine Garderobe gerne von uns anfertigen. Die Hemden ließ er sich aber am liebsten in Paris schneidern. Als Wilder nach New York gekommen ist, war Knize schon dort. Auch in seinen Memoiren hielt er fest, dass Knize das Herrlichste für ihn war. Neben der Garderobe war er auch Liebhaber des Parfums aus der Linie Knize Ten, welches weltweit eines der ältesten Herrenparfums ist. Viele unserer Kunden haben ähnliche Liebesgeschichten mit Knize. Präzision, Nachhaltigkeit und Qualität machen unsere Kleidungsstücke zu langen Wegbegleitern, ein 15 Jahre alter Anzug ist für uns fast neu.

 

Fotos: Karolin Pernegger

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