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6 Sep

„Unverschwendet“: Das Start-Up, das gegen Wegwerfen kämpft

Die Wiener Geschwister Cornelia und Andreasz Diesenreiter haben ein Start-Up gegründet und der Lebensmittelverschwendung den Kampf angesagt. Sie verarbeiten überschüssiges Obst und Gemüse nach traditionellen Verfahren und Kochen in Handarbeit Marmeladen ein, produzieren kreative Chutneys und leckere Sirupe. Unter „überschüssig“ sind Lebensmittel von Landwirten aber auch Privatpersonen zu verstehen, die auf Grund mangelnder Ressourcen nicht genützt werden können.

Tragen die Apfelbäume im eigenen Garten reichlich Früchte, besteht jedoch nicht die Möglichkeit diese selbst abzuernten, schaltet sich gerne das Team von Unverschwendet ein. Die Früchte werden anschließend verarbeitet und bei ihrem Marktstand am Schwendermarkt und online zum Verkauf angeboten. Wir wollten ein wenig mehr über das innovative Jungunternehmen erfahren und durften Cornelia & Andreas zu einem Interview bitten:

Was nimmt die meiste Zeit an einem typischen Arbeitstag ein?

Cornelia Diesenreiter: Momentan steht die Hauptproduktionszeit im Vordergrund, es wird mit unserem Team also sehr viel eingekocht und verarbeitet. Neben dem fallen natürlich auch Büroarbeiten an.

Andreasz Diesenreiter: Ich kümmere mich daneben um die Grafik, die Kommunikation und das Marketing. Strategische Entscheidungen werden immer gemeinsam getroffen.

Ist eure Bekanntheit schon groß genug, dass LandwirtInnen mit überschüssigen Lebensmitteln auf euch zu kommen?

Andreasz Diesenreiter: Die Medienpräsenz hilft uns sehr weiter. Es kontaktieren uns LandwirtInnen, unter anderem aufgrund von Artikeln oder Beiträgen im Radio, die unsere Idee toll finden und uns unterstützen wollen.

Cornelia Diesenreiter: Sogar bei kleinen landwirtschaftlichen Betrieben fallen in der Hauptsaison bis zu 500 kg Überschüsse pro Tag an, was schon eine enorme Menge ist und bei uns für die Produktion einer Woche reicht.

Melden sich bei euch auch Privatpersonen?

Andreasz Diesenreiter: Es kommt regelmäßig vor, dass wir Anrufe bekommen, jedoch ist das komplizierter als man denken würde. Wir wollen mit Unverschwendet ein großes Unternehmen aufbauen das große Mengen an wertvollen Ressourcen “retten” kann, aber dafür muss man dann leider auch immer wieder mal “Nein” sagen, wenn der Garten zu weit weg ist, der Baum zu klein, oder die Küche schon voll mit den Überschüssen der letzten Ernte.

Cornelia Diesenreiter: Vor kurzem waren wir in einem entzückenden Schrebergarten in Wien, mit einem riesigen Baum voller Kriecherl. Die Besitzerin freute sich, dass ihr Garten nun relativ frei von Nacktschnecken sein wird und wir über die “besten Kriecherl von Wien” – für beide Seiten ein Win-Win Situation.

Wie entstehen die Rezepte für eure Chutneys, Sirupe & Co?

Cornelia Diesenreiter: Ich bin gelernte Köchin und Kochen ist meine absolute Leidenschaft, sowohl privat als auch beruflich. Die Rezepte sind eine bunte Mischung aus Omas Rezepten, Kontakten und Kooperationen zu Top-Lokalen und Haubenköchen. Viel recherchieren, experimentieren, testen, verkosten und forschen ist ebenso Teil unserer Arbeit.

Was ist euer leckerstes „Unverschwendet-Produkt“?

Cornelia Diesenreiter: Unser Überraschungs-Hit letztes Jahr war ein “Hokkaido Kürbis Spritzwein Fruchtaufstrich“ der eigentlich aus einer Not heraus entstanden ist. Im Herbst gingen uns die Marmeladen aus, gerade als uns haufenweise Hokkaido Kürbis Überschüsse angeboten wurden. Herausgekommen ist die perfekte Kombination von fruchtig, süß und einer leicht nussigen Kürbisnote, abgerundet von einem Schuss Spritzwein.

Verarbeitet ihr alle Lebensmittel am Schwendermarkt?

Cornelia Diesenreiter: Bei unserem Marktstand befindet sich unsere einzige Küche, aber neben dem ist der Marktstand auch Geschäftslokal, Lagerraum und Büro. Und das auf ungefähr 45 Quadratmeter, da kann es schon mal sehr eng werden. Stets ist was los und in der Küche geht es heiß her, aber es funktioniert und wir sind froh, dass wir den Standort gefunden haben. Wir essen auch fast täglich zusammen!

 

 

Fotos: Unverschwendet

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