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5 Sep

Kurt Steinwald im Interview: Mit dem richtigen Beat zum Flow

Kurt Steinwald ist DJ und Mitbegründer des Kollektivs 3 feet Hi, das in London, Berlin und New York Events und Ausstellungen veranstaltet, sowie eine Radioshow auf Radar Radio in London hat. In Wien ist er außerdem bekannt für die Veranstaltungsreihe Service im Celeste. Wir haben Kurt zum Interview getroffen und ihn gefragt, wie man eigentlich DJ wird und welche Rolle der Flow bei einem Set spielt.

Was machst du beruflich?

Ich arbeite als Kreativer in einer Werbeagentur und bin Mitbegründer des Labels 3 feet Hi und der Veranstaltungsreihe Service.

Wie bist du DJ geworden?

Ich habe schon sehr früh angefangen die Plattensammlung meiner Eltern zu durchstöbern und die verschiedensten Genres zu mixen. Mit 16 Jahren bekam ich dann die ersten Gigs in lokalen Clubs und bei Veranstaltungen. Das waren anfangs meistens Warm-up-Sets – d.h. man darf sich für Barkeeper und Security 2,5 Stunden lang an den Decks beweisen. Nach und nach wurden dann zum Glück die Clubs und auch die Set-Zeiten immer besser.

Mit 19 habe ich dann auch erstmals angefangen selbst Partys zu veranstalten. Ich habe versucht, meinen Sound und DJs, die mir selbst besonders gut gefallen, nach Niederösterreich und Wien zu bringen. Das hat manchmal funktioniert, manchmal ist es aber auch wahnsinnig schiefgegangen.

Mit 25 bin ich dann aus beruflichen Gründen nach Berlin gezogen. Berlin hat sowohl mein DJLeben, als auch die Art und Weise, wie ich Partys veranstalte, sehr stark beeinflusst. Die Fortgehmöglichkeiten sind vielfältiger und es sind nicht nur zwei Konkurrenzveranstaltungen an einem Wochenende, sondern eher 35. Noch dazu bieten die Clubs wie Berghain, Watergate und About blank ein internationales Line-up mit Star-DJs, da muss man sich schon was überlegen, wenn man mitspielen möchte.

Was gefällt dir besonders daran DJ zu sein?

Das Schönste ist, die Leute jedes Mal auf eine Reise mitnehmen zu dürfen, ihre Freude und ihre Emotionen zu erleben und ihre Energie zu spüren. Nach einem guten Set ist man auch ziemlich ausgelaugt. Ein gutes Zeichen, es zeigt, dass man seine Energie an das Publikum weitergegeben hat – irgendwie.

Und was stresst dich besonders?

Ein riesiger Stressfaktor ist, wenn Technik und Equipment streiken, was leider immer noch oft passiert. In Wien ist es auch immer öfter der Fall, dass die Anlagen wegen Amtsverordnungen einfach viel zu leise sind.

Gibt es den Flow, wie man ihn aus dem Sportbereich kennt, auch in der Musik und beim Auflegen?

Ich habe den Flow-Effekt in meinem Studium untersucht, vor allem in Bezug auf digitale Medien. Beim Auflegen kommt man, sofern die Technik und andere Umstände einen nicht stören, super gut und schnell in einen Flow. Ich glaube aber auch, dass es sehr darauf ankommt welche Musik man spielt und was für einen Bezug man dazu hat. Wenn ich Techno oder House spiele, komme ich sehr schnell in so einen Zustand. Bei Hip-Hop würde es wahrscheinlich schwieriger werden. Ich lege keinen Hip-Hop auf und habe deshalb vielleicht auch einfach ein anderes Verhältnis dazu.

Geht das auch in einem Club, umgeben von einer Menge, Leute die dich immer wieder ansprechen, die tanzen und laut sind?

Das stört eigentlich gar nicht. Ein guter DJ akklimatisiert sich schon vor dem Set mit seiner Umgebung. Während des Sets verschmilzt man dann zu einem kollektiven Zustand.

Glaubst du, es müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein, damit man in einen Flow kommen kann?

Ich leg auf, weil ich Musik und Tanzen liebe und ich denke, dass man bei allem was man wirklich gerne macht auch potenziell einen Flow erleben kann. Es macht auch Sinn, dass man in einer Tätigkeit aufgeht, weil diese perfekt zu den Skills und dem Mindset der Person passt. Aber auch die persönliche Befindlichkeit spielt eine große Rolle. Wenn ich nicht abschalten kann während des Sets, weil mich irgendetwas anderes beschäftigt, werde ich nicht in einen Flow-Zustand kommen.

Alle Fotos: Karolin Pernegger

 

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