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13 Sep

Einkauf mit Maß und Ziel: Lunzers Maß-Greißlerei

In der Greißlerei im 2. Wiener Gemeindebezirk läuft alles ein wenig anders als gewohnt. Hier gibt es keine Verpackungen und vorgefertigten Abfüllgrößen, keine Joghurts in Plastikbechern oder Plastiknetze mit Zwiebeln. Stattdessen sieht man Mehl, Nudeln und Gewürze in hohen Gläsern, Milch in Glasflaschen, Gemüse und Obst in Holzkisten, sowie Non-Food-Artikel wie Waschmittel in Kanistern.

In dem verpackungsfreien Geschäft der Burgenländerin Andrea Lunzer bringen Kunden entweder ihre eigenen Behälter mit oder kaufen sich einen vor Ort, um ihn anschließend mit den Bio Lebensmitteln befüllen zu können. Bezahlt wird anschließend nach Gewicht.

Andrea Lunzer leistet einen wertvollen Beitrag um unnötigen Verpackungsmüll zu reduzieren und schärft nebenbei das Bewusstsein für Regionalität. Wir haben in einem Interview mit ihr unter anderem erfahren, wie sie persönlich zu dem Konsum von Fleisch steht, welche Kritikpunkte sie an modernen Supermärkten sieht und was bei ihr privat am liebsten auf dem Teller landet.

Wie sah dein Werdegang zur Jungunternehmerin aus?

Andrea Lunzer: Ich habe 2004 am Campus Wieselburg der FH Wr. Neustadt begonnen Marketing mit Fokus auf nachwachsende Rohstoffe und erneuerbare Energie zu studieren. Danach war ich bei Werner Lamperts „Zurück zum Ursprung“ im Marketing tätig und unter anderem für die Verpackungen zuständig. Durch diese Arbeit entstand der Wunsch es anders zu machen und so hat sich langsam die Idee zur Maß-Greißlerei entwickelt.

Welche Kritikpunkte siehst du an modernen Supermärkten?

Andrea Lunzer: Es ist ärgerlich, dass der Konsument heute nicht mehr das kaufen kann, was er braucht. Die Supermärkte arbeiten mit Lockmitteln, Kauf-2-zahl-1-Angeboten, etc. Es ist wahnsinnig aufdringlich und zu Hause fragt man sich, warum man das alles gekauft hat.

Wie schätzt du die Entwicklungen im Konsumverhalten ein?

Andrea Lunzer: Mehr als 50% der KonsumentInnen finden, dass nachhaltige Lebensmittelproduktion als auch ökologische Verpackungen wichtig sind. Nachhaltigkeit wird nicht mehr nur als Trend wahrgenommen. Es gibt viele KäuferInnen, die sich gut auskennen und an Ihre Märkte und Produzenten Bedingungen stellen.

Foto: Julia Fuchs

Wie stehst du persönlich zu dem Genuss von Fleisch?

Andrea Lunzer: Früher wurde ja jeden Freitag auf Fleisch verzichtet. Ich versuche das umzudrehen und nur freitags Fleisch zu essen. Also eine weitere Interpretation von Katharina Seisers „Tierfreitag“.

Welche der Produkte in Lunzers Maß-Greißlerei stammen von deiner Familie?

Andrea Lunzer: Meine Mutter hat einen wunderschönen Obstgarten und ein Talent fürs Einkochen und dafür, tolle Geschmäcker haltbar zu machen. Außerdem produzieren meine Eltern eine besondere Zwiebelart, die Schalotten. Alles Bio, versteht sich.

Gibt es (inter)national Geschäfte die für dich eine Vorbildfunktion darstellen?

Andrea Lunzer: In der Konzeptphase der Maß-Greißlerei war meine Großmutter eine wichtige Quelle. Es hat mich interessiert, wie man vor der „Plastikrevolution“ Lebensmittel verpackt hat. Aber natürlich ist auch Cathrine Conway sehr wegweisend. Sie hat schon 2006 in London mit dem ersten verpackungsfreien Laden Europas gestartet.

Was kommt bei dir nach einem anstrengenden Tag am aller liebsten auf den Teller?

Andrea Lunzer: Am liebsten eine heiße Suppe. Mein Favorit ist die serbische Bohnensuppe – aber ohne Fleisch.

In 5 Jahren möchte ich…

Andrea Lunzer: …die Welt ein Stückchen besser gemacht haben und viele Menschen davon überzeugt haben, dass Zero Waste im Alltag gar nicht so schwer umzusetzen ist.

 

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