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3 Okt

Julia Prötsch im Interview über Routine und Rhythmus

Julia Prötsch ist als leidenschaftliche Musikerin in vielfältige Projekte involviert. Sei es als Schlagwerkerin in diversen Orchestern oder als Schlagzeugerin, Sängerin und Keyboarderin des deutschsprachigen Pop Duos Philipp & Julia. 2016 hat sie unter dem Künstlernamen „Jewels“ ihre ersten Solo-Songs veröffentlicht und mit „The Roadtrip“ auch gleich den Soundtrack für den österreichweiten Werbespot von Humanic geliefert. Im Interview hat uns Julia nicht nur von ihrer Leidenschaft zur Musik, sondern auch zum Laufen erzählt und darüber, wie sie bei einem auspowernden Morning Run neue Kraft und Inspiration tankt.

 

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Ich komme aus einer sehr musikalischen Familie und bei uns daheim stand Musik immer schon im Mittelpunkt. Daher habe ich auch relativ früh angefangen, Klavier zu spielen. In der Schule – ich glaub ich war 14 oder 15 – wollten wir dann eine Band gründen und haben keinen Schlagzeuger gefunden. Deshalb habe ich damals von Klavier und Keyboard auf Schlagzeug umgesattelt. Das war die beste Entscheidung. Beim Schlagzeug spielen kann man so richtig Gas geben und das hat mir von Anfang an wahnsinnig viel Spaß gemacht.

Was gefällt Dir an Deinem Job als Musikpädagogin besonders?

Ich habe Musik studiert und hatte dadurch die Möglichkeit, während des Studiums sehr viel Musik zu machen und tolle Leute zu treffen. Ich war auf der ganzen Welt unterwegs – sei es als Orchestermusikerin auf Tourneen durch ganz China, meinem Praktikum in New York im Austrian Cultural Forum oder als Bandmusikerin auf einem Schiff in Südamerika und dem Amazonas. Irgendwann kam dann der Punkt, an dem ich auch mal wieder ein bisschen daheim sein wollte, einen fixen Standort und eine gewisse Regelmäßigkeit gebraucht habe. Somit habe ich nach dem Studium angefangen zu unterrichten. Das war am Anfang eine ziemliche Umstellung – vor allem das frühe Aufstehen. Aber es hat mir wahnsinnig gutgetan, ein bisschen zur Ruhe zu kommen und meine Ziele neu abzustecken. Ich habe vor kurzem sogar mehr Stunden in der Schule übernommen. Es ist einfach toll, dass ich meine Leidenschaft weitergeben kann. Ich sag sicher nicht, dass es immer easy ist, aber es ist doch jedes Mal eine Überraschung, wieviel man von den Kindern und Jugendlichen zurückbekommt. Der Musikunterricht bietet viel Raum für gemeinsames Singen und Musik machen, dafür lassen sich viele Schüler begeistern.

Welchen Stellenwert haben Konzerte für Dich?

Man probt ja oft monatelang für einen Auftritt und der Moment, in dem ich endlich aus dem Proberaum rausgehe und meine Musik für andere Menschen spiele, der ist enorm wichtig. Wenn ich dann merke, dass meine Musik auch noch gut ankommt und die Leute mitsingen, dann ist das natürlich unbezahlbar. Jedes Konzert ist speziell, egal ob es vor einem großen Publikum oder in einer intimen kleinen Atmosphäre stattfindet. Am Ende ist es immer ein unbeschreibliches Gefühl, wenn ich auf der Bühne stehe.

Seit wann läufst Du regelmäßig?

Eigentlich seit ich in der Schule unterrichte. Davor habe ich fünf bis acht Stunden am Tag geübt. Als die Übe-Phasen weggefallen sind, hat mir die körperliche Betätigung plötzlich gefehlt. Ich habe gemerkt, dass ich irgendwas brauch, um mich auspowern zu können und so habe ich angefangen zu laufen. Mein Freund ist begeisterter Läufer und hat mich am Anfang sehr gepusht. Mittlerweile gehört es für mich einfach dazu. Wenn ich in der Früh laufen gehe, starte ich auch gleich ganz anders in den Tag – viel frischer.

Wie schaut denn Dein Trainingsplan aus?

Ich habe keinen strikten Trainingsplan. Ich gehe normalerweise alle zwei bis drei Tage laufen und mache ein- bis zweimal in der Woche Krafttraining. Einfach, weil’s mir guttut. Ich laufe in der Regel so zwischen fünf und zehn Kilometer. Ich nehme mir meistens fünf Kilometer vor und dann wird’s eh von selbst mehr. Der Anfang ist immer eher schwer, aber nach den ersten drei bis vier Kilometern geht’s dann dahin. Ich messe auch immer die Distanz, die Pace und die Laufzeit mit, um zu sehen, welche Ziele ich schon erreicht habe. Mir taugt das irgendwie, mich selbst ein bisschen herauszufordern.

Wie motivierst Du Dich bei schlechtem Wetter oder wenn Du mal einen schlechten Tag hast?

Nicht darüber nachdenken, Schuhe anziehen und loslaufen. Die Motivation wird nicht größer, wenn man zu lange darüber nachdenkt. Es hilft auch einen Trainingspartner zu haben, dann kann man sich gegenseitig pushen und man will den anderen ja auch nicht hängen lassen.

Weißt Du was ein Flow ist und warst Du schon mal in einem Flow?

Beim Laufen oder auch beim Musik machen, habe ich oft solche Momente, in denen ich alles rundherum vergesse, in eine eigene Welt eintauche und sich mein Kopf leer anfühlt. Ich glaube, das ist ein Flow.

Wenn ich alleine Schlagzeug spiele, habe ich einen Rhythmus im Kopf oder spiele zu den Impulsen des Metronoms. Und beim Laufen ist es ähnlich. Da laufe ich auch zu einem gewissen Beat. Irgendwann geht dieser Beat in den ganzen Körper über und die Bewegungsabläufe und die Atmung und alles funktioniert von selbst. Beim Schlagzeug spielen muss ich mich bis zu einem gewissen Grad darauf einlassen können. Sobald ich anfange darüber nachzudenken, was mein linker Fuß macht und was ich jetzt mit der rechten Hand tun sollte, steig ich aus.

Hast Du das Gefühl, Du kannst Dir selbst die Rahmenbedingungen schaffen, um in einen Flow zu kommen?

Jeder Musiker und jeder Sportler hat seine eigene Routine vor einem Auftritt. Das hilft, um sich voll und ganz auf die Sache einzulassen. Ich brauche einen Moment, um zur Ruhe zu kommen, bevor ich loslegen kann. Auch das Einsingen gehört zu dieser Routine. Zusätzlich mache ich vor Konzerten auch autogenes Training. Wir haben das auf der Uni gelernt und ich mache das schon seit Jahren. Ich bin doch immer ein bisschen angespannt und das autogene Training hilft mir, mich in dem Moment auf das Set zu konzentrieren. Mit solchen Routinen führt man dem Unterbewusstsein die nötige Entspanntheit zu. Wenn ich mich fallen lassen kann, dann kommt der Flow von selbst.

Das Video mit Julia findet ihr hier.

Fotos: Karolin Pernegger

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