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13 Jun

LOTgoods: Slow Fashion findet Tasche

Angetrieben von dem Wunsch einen nachhaltigen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten und selbstständig arbeiten zu können sowie bekräftigt von dem positiven Feedback ihrer Freunde und Familie, gründete Kerstin Koppi ihr eigenes Upcycling Label LOTgoods. Aus recycelten Materialien stellt sie Handtaschen her und hält sich dabei an ihr Motto „No hurry, no trash, no harm“.

Beflügelt wurde Kerstin Koppi dabei von ihrer Leidenschaft für Handwerk und ihrer Freude daran, gebrauchte Dinge weiterzuverwenden und ihnen eine neue Form zu verleihen – gestrickt, genäht und gebastelt hat die ausgebildete Tontechnikerin schon immer gerne. In einem Interview haben wir unter anderem erfahren wo die Unternehmerin selbst gerne einkauft und wie sie das Schneidern gelernt hat:

LOTgoods Gründerin Kerstin Koppi

Wieso ist dir der Kampf gegen Fast Fashion ein besonderes Anliegen?

Kerstin Koppi: Es ist eigentlich nicht nur ein Kampf gegen Fast Fashion, der mir ein besonderes Anliegen ist, sondern gegen Verschwendung im Allgemeinen und die Verschiebung von Wertigkeiten. Unser Konsumverhalten bei Lebensmitteln ist ja genauso bedenklich. Es geht mir vielmehr darum Bewusstsein für die Endlichkeit unserer Ressourcen zu schaffen und wieder mehr Wertschätzung für diese zu erzeugen.

Wo kaufst du gerne ein?

Kerstin Koppi: Grundsätzlich versuche ich so wenig wie möglich zu kaufen, und wenn dann auch wirklich eher Basics, die lange und vielseitig einsetzbar sind. Schuhe kaufe ich so gut es geht bei nachhaltigen Labels, was bei Sommerschuhen super funktioniert, aber bei Winterschuhen noch etwas schwierig sein kann – zumindest für mich. Kleidung kaufe ich seit ca. 2 Jahren hauptsächlich Second Hand. Die Glücksgefühle, die man verspürt wenn man ein tolles Kleidungsstück findet, sind bei Second Hand für mich viel intensiver, da es vergleichsweise selten passiert…

Nicht nur gebrauchte Materialien erleben bei dir eine Transformation, auch du hast einen beruflichen Wandel hinter dir – wie sah dieser aus?

Kerstin Koppi: Ja, ich bin ausgebildete Tontechnikerin und habe Musikwissenschaft studiert. Die Musik ist nach wie vor ein unglaublich wichtiger Teil in meinem Leben, kommt aber im Moment leider etwas zu kurz. Mein Wunsch wäre es diese beiden Dinge wieder besser in Einklang zu bringen, sobald ich mich mit meinem Upcycling-Label etwas mehr gefestigt habe. Ich befinde mich ja eigentlich noch immer in einer Art Entwicklungs- oder Entstehungsphase.

Wie hast du das Schneidern gelernt?

Kerstin Koppi: YouTube sei Dank sehr viel durch Video Tutorials, aber auch durch Bücher und sonstige Anleitungen. Etwas Ahnung hatte ich ja schon davor auch schon, weil wir in der Schule ein bisschen genäht haben und ich hin und wieder mal eine Hose kürzen und aufnähen musste.
Das Beste ist aber – wie so oft bei Handwerk – learning by doing! Einfach machen, testen, Fehler korrigieren, optimieren. Es ist ein ständiger Lernprozess.

 

 

Wie wünscht du dir, dass sich dein Label weiterentwickelt?

Kerstin Koppi: Ich hätte hier noch so viele Ideen und möchte mich daher definitiv nicht nur auf die Produktion von Taschen beschränken. Mein Traum wäre es, eine kleine Wiederverwertungs-Werkstatt aufzubauen. Es gäbe noch einige Möglichkeiten, wie das Sortiment erweitert werden könnte, naheliegend wären zum Beispiel Kleidung und Heimtextilien. Außerdem möchte ich gerne die Materialbeschaffungs- und Verarbeitungsprozesse optimieren und das Unternehmen mehr in Richtung Kreislaufwirtschaft lenken. Natürlich fällt auch bei mir „Abfall“ an, da ich leider nicht alles von einem Kleidungsstück verwerten kann, wie Knöpfe z.B.. Was kann man mit den vielen Knöpfen machen? Solche Überlegungen sind wunderbare Herausforderungen für die Zukunft.

Wie sieht der Prozess bis zu einer fertigen Tasche aus?

Kerstin Koppi: Das kommt immer darauf an welche Art von Tasche ich produziere und welche Materialien ich dafür verwende. Bei Tischdecken, Vorhängen oder größeren Stoffresten kann ich die Stoffe meist ganz normal zuschneiden und dann eben zu einer Tasche verarbeiten. Wenn ich Kleidung oder alte Taschen verwerte, muss ich das Stück zuerst vorsichtig auftrennen, da ich ja so viele Teile wie möglich wiederverwenden möchte. Abgesehen von den Stoffen sind es hauptsächlich Reißverschlüsse und alte Taschenteile, wie Karabiner bzw. sonstiges Zubehör für die Anbringung von Taschenriemen, die ich brauchen kann. Danach wird zugeschnitten und genäht, wie sonst auch und mit den entsprechenden Taschenverschlüssen und Trageriemen versehen.

 

 

Fotos: LOTgoods

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