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12 Sep

Leila Wien: Bibliothek der Dinge

Die Möglichkeit in einer Bibliothek Bücher auszuleihen und später wieder zu retournieren, ist in unserer Gesellschaft ein viel genütztes Angebot. Doch warum nicht auch Gegenstände, die nur gelegentlich benötigt werden, ausleihen? Diesen Gedanken griff das sechsköpfige Team hinter Leila Wien auf und stellte einen Laden auf die Beine, in dem Gebrauchsgegenstände geliehen werden können – das spart nicht nur Geld, sondern schont auch die Umwelt und führt zu einem bewussteren Konsumverhalten.

Ein neues Bett, aber keine Bohrmaschine zur Hand? Ein gemütliche Filmeabend, aber kein Beamer im Haus? Genau solche Probleme löst Leila mit seiner Auswahl an verschiedensten Leihgegenständen. Ab Herbst soll es nun einen neuen Standort in Wien geben, der genügend Platz für all die Dinge bereitstellt. In einem Interview mit Michael Schwinghammer – Gründungsmitglied neben Stephanie Braun, Ina Hahn, Martin Müller, Denise Bader und Simon Büchler sowie Zuständiger für Presse und Kommunikation – konnten wir mehr über das innovative Start Up und den Gedanken dahinter erfahren.

Wie funktioniert eine „Bibliothek der Dinge“?

Michael Schwinghammer: Im neuen Leila wird das Ausleihen ganz einfach funktionieren. Wer etwas leihen möchte, wird zuerst Mitglied, entweder online oder direkt bei uns im Laden. Dann können Gegenstände im Online-Katalog reserviert oder einfach vor Ort aus dem Regal geholt werden. Schließlich wird bei der Rückgabe eine Gebühr pro Gegenstand und ausgeliehenem Tag bezahlt. Um das Ganze noch einfacher zu gestalten, wird es die Möglichkeit geben den eigenen Mitglieds-Account mit einem Guthaben aufzuladen. Die Gegenstände können beliebig lange ausgeborgt werden.

Wie habt ihr die Gegenstände zusammengestellt?

Michael Schwinghammer: Der Großteil der Gegenstände wurde uns von Personen geschenkt, so konnten wir in den letzten vier Jahren einen Leihpool von über 600 Gegenständen aufbauen. Dabei haben wir natürlich darauf geachtet, ausschließlich nützliche und funktionstüchtige Gegenstände anzunehmen, die auch wirklich ausgeliehen werden.

 

Was ist das „Ausgefallenste“ in der Bibliothek?

Michael Schwinghammer: Unser ausgefallenster Gegenstand ist wohl die Umkehrbrille, mit der alles Gesehene um 180 Grad gekippt wird. Auch unser Fuhrpark ist mit Tandem, Einrad und Postfahrrad mit ungewöhnlichen Fahrzeugen bestückt.

Wieso braucht Wien ein Geschäft wie Leila?

Michael Schwinghammer: Der Leila ermöglicht es Menschen Gebrauchsgegenstände zu leihen anstatt sie teuer zu kaufen. Damit sparen sich die Leiher*innen nicht nur Geld und wertvollen Stauraum zuhause, sondern schonen zugleich die Ressourcen unseres Planeten. Außerdem schaffen wir mit dem Leila ein Bewusstsein für gemeinschaftlichen, nachhaltigen Konsum – Leihen soll das neue Kaufen werden. Um diese Botschaft zu vermitteln, wird es auch in Zukunft niederschwellige Events wie Kleidertauschparties oder Reparatur-Cafes geben.

Wie kam es zu der Idee?

Michael Schwinghammer: Die Idee entstand als einige StudentInnen im Rahmen einer Veranstaltung den Gründer des Leila Berlins kennenlernten, schnell war klar, dass auch in Wien so ein Leila entstehen sollte. Das Gründungsteam hat dann 2014 den ersten Wiener Leihladen in der Herbststraße 15 aufgebaut und eröffnet.

Habt ihr ähnliche Konzepte schon an anderen Orten entdecken können?

Michael Schwinghammer: Im englischsprachigen Raum gibt es schon lange sogenannte Tool Libraries, diese sind jedoch in der Regel kommerziell und speziell auf Werkzeuge ausgerichtet. Der Leila Berlin, welcher uns als Vorbild diente, war hingegen der erste seiner Art. Wir freuen uns sehr, dass jährlich überall auf der Welt neue Leihläden ihre Türen öffnen. Auch die Vernetzung klappt hervorragend, erst vor wenigen Wochen haben uns NeugründeInnen aus Kanada in Wien besucht. Mit unserem Starter Kit haben wir vor zwei Jahren eine Art Bedienungsanleitung veröffentlicht, die es Menschen erleichtern soll ähnliche Angebote aufzubauen.

Das Team von Leila Wien

Was sind die beliebtesten Leihgegenstände in eurem Laden?

Michael Schwinghammer: Die beliebtesten Gegenstände sind wohl unsere Bohrmaschinen. Die sind immer gefragt. Genauso wie unser HD-Beamer, der in Zeiten von Netflix & Co. für gemütliche Filmabende sorgt. Und dann gibt es viele Sachen, die saisonal stark nachgefragt werden, wie jetzt im Sommer unsere Zelte, Rucksäcke und Camping-Zubehör.

Wozu habt ihr Crowdfunding genutzt?

Michael Schwinghammer: Das Crowdfunding haben wir gestartet, um in Wien eine neue Bibliothek der Dinge an einem besseren Standort aufbauen zu können. Unser Ziel ist es das Angebot weiter zu professionalisieren: Mit erweiterten Öffnungszeiten und einem voll funktionsfähigen Online-Katalog, wollen wir noch mehr Menschen als bisher erreichen. Mit dem gesammelten Geld werden wir daher insbesondere unser Inventar um praktische und hochwertige Gegenstände aufstocken. Daneben helfen uns die Mittel aus dem Crowdfunding als Starthilfe über die ersten, beschwerlichen Monate hinweg. Aktuell beschäftigen wir uns besonders intensiv mit der Raumsuche, um einen gut angebundenen Standort für den Leila zu finden. Wir freuen uns daher gerade über alle Hinweise hierzu und wer sich aktiv am neuen Leila beteiligen möchte, kann gerne Teil unseres Teams werden!

 

Fotos: Leila Wien, Teamfotos von Hannes Ranger

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