Insiderei - Aiola Hotel

Mit Energie und Synergien ans Ziel

Ihre Kraft, sagen Judith und Gerald Schwarz, läge im Tun. Seit 1998 haben sie mit ihrer Aiola Gruppe eine Lifestyle-Welt in Graz erschaffen, zu der kulinarische und Nightlife-Hotspots ebenso gehören, wie ein Schloss zum Ja-Sagen, ein eigenes Magazin und ein Hotel, in dem man kaufen kann, worin man dort wohnt. Das Power-Paar zeichnet sich nicht nur durch überraschende Konzepte, sondern auch durch bemerkenswert individuelles, buntes und kosmopolitisches Design in all seinen Locations aus. Das denkt sich vor allem Judith aus.

Als Tochter eines Künstlers hat sie das Talent dafür quasi in die Wiege gelegt bekommen. Jung halten sie ihr sprudelnder Ideenreichtum und ihre mitreißende Energie, denen sich kaum einer entziehen kann, der ihr begegnet. Das Konzept der Mitarbeiter:innenbeteiligung und -förderung, das derzeit als neues Wundermittel für Mitarbeiter:innenbindung gehandelt wird, wird bei Aiola bereits seit Jahren erfolgreich gelebt. Dazu gehört auch der sorgsame Umgang mit der Umgebung und das aktive Fördern von Mitarbeiter:innen, wie Judith im Interview verrät. Derzeit wird in ihrem Hotel Aiola Living groß umgebaut. Das Hotelkonzept, in dem Judith Interior-Shopping mit Gastfreundschaft kombiniert, wird auf insgesamt 4000 Quadratmeter erweitert zu einem Hotel mit integriertem Concept Store für Design – zum Schauen, Gustieren, Ausprobieren, Shoppen und vor allem Wohlfühlen.

 

Aus ursprünglich einem Würstelstand, den dein Mann 1998 gestartet hat, und dem ersten gemeinsamen Projekt, dem Aiola Upstairs, 2003, habt Ihr eine ganze Lifestyle-Welt in Graz erschaffen. War das Glück, Zufall oder Kalkül?

Wir haben uns nie etwas vorgenommen. Außer unser Hotel, das haben wir uns gewünscht. Aber wir sind natürlich dankbar für Gelegenheiten. Denn wir entwickeln einfach gerne Projekte. Doch auch ein Konzept im Kopf zu haben reicht nicht. Wir brauchen die richtigen Menschen dafür.

 

Insiderei - Aiola Hotel

2019 habt ihr in Graz das Aiola Living eröffnet – mit eurem ganz eigenen Design-Konzept.

 

Stadthotels haben uns immer fasziniert, vor allem jene, die auch für die Einwohner der Stadt offen sind.

 

In Amerika, zum Beispiel, ist es für die Einheimischen ganz normal, Hotellobbys zu “bewohnen”.

 

Hat sich die Idee Hotel und Design-Shopping bewährt?

Es wird von unseren Gästen und ebenso von den Grazer:innen sehr gut angenommen. Aber bisher sind wir aus Platzgründen noch nicht dort angekommen, wo wir hinwollten. Das ändert sich jetzt. Anfang Juli wird an das Hotel ein 1600 Quadratmeter-Store mit Interior-Design angeschlossen. Da wird dann das Café und die Hotellobby direkt in den Store übergehen und umgekehrt. Unsere Gäste werden im Store frühstücken und sich dort unter die Menschen der Stadt mischen.

 

Wir sind überzeugt, dass Hotel und Handel sich super miteinander verbinden lassen.

 

Gerade weil und obwohl online shoppen immer stärker wird. Online gustieren ist schön und wichtig, das mache ich selbst. Aber ausprobieren und erleben kann man dabei halt nichts.

 

Wie funktioniert das bei euch?

 

Ich glaube, dass der Handel revolutionär, überraschend sein muss. Er muss ein Erlebnis sein.

 

Wir bauen unseren Concept-Store wie ein interaktives, überraschendes Museum auf, in das man hineingezogen wird. Darin wird es Events wie Ausstellungen, Produktpräsentationen, Lesungen geben, Kooperationen mit Künstlern, die für uns vor Ort etwas machen. Und man kann im ersten Stock vom Store durch eine große Glaswand direkt ins Hotel schauen und umgekehrt.

 

Insiderei - Aiola Hotel

Im Hotel kann man ja auch jetzt schon alles ausprobieren und erleben, was man kaufen kann. Vieles entwerft ihr sogar selbst.

Ja. Wir haben einen Tischler, der nach unseren Skizzen, zum Beispiel die Bar hier im Aiola Living, anfertigt.

 

Ihr plant und designt Eure Lokale und Hotel- und Geschäftskonzepte selbst. Übernehmt aber auch Aufträge von anderen Unternehmen, Dekoration für Geschäfte und Events.

Das sind Synergien, die wir nutzen: Wir fahren regelmäßig zur Maison Objet in Paris (die Messe für Interior- und Designtrends, Anm.) und bringen viel von dort mit für die Deko ober auch für unseren Shop. Wir vermieten unser Dekomaterial, es zirkuliert, auch wir dekorieren beispielsweise den Innenhof im Landhauskeller zwei Mal pro Jahr um. Und brauchen immer Ausstattung für unsere Hochzeitslocation, für Veranstaltungen und Events. Es ist sinnvoll, wenn man so viel Material hat, es in Umlauf zu bringen.

 

Wie geht Ihr an eure Konzepte heran?

Ich finde es ganz wichtig, auf die Umgebung zu achten. Zum Beispiel beim Operncafe, das es seit 1861 gibt, und das wir 2020 übernommen haben. Da steckten so viele Erinnerungen von so vielen Menschen aus mehreren Jahrzehnten drinnen. So etwas darf man den Menschen nicht wegnehmen, nur weil man da jetzt etwas Neues anfängt. Ich wollte auf keinen Fall diese Erinnerungen zerstören. Das hat mir schon auch schlaflose Nächte beschert.

 

Es ist wichtig, auf die Gegebenheiten, die Umgebung einzugehen, sie zu spüren.

 

Ich habe das Alte ein wenig aufgebrochen und mit Pariser Chic versehen, aber die Idee dieses Cafés ist geblieben.

 

Worauf legst du am meisten Wert?

Auf Materialien, Farben, ich mag es üppig, nicht beige, grau, braun, man muss sich wohlfühlen und sich überraschen lassen können. Gemütlichkeit, die Akustik, die Stimmung, das sind besonders wichtige Dinge für mich.

 

Nicht nur in den Lokalen, auch im Hotel und im Store geht es darum, die Menschen und ihre Persönlichkeit zu erkennen, sie ein bisschen zu betüdeln. Das mag doch jeder, oder?

 

Euer Unternehmen umfasst ja inzwischen elf völlig unterschiedliche Betriebe, wie schafft Ihr das, überall präsent zu sein?

Ich war lang und viel operativ vor Ort, habe auch selbst in den Lokalen vor Ort gearbeitet, aber mittlerweile arbeiten Gerald und ich nur mehr im Hintergrund. Weil wir die Verantwortung an unsere Mitarbeiter abgeben.

 

Die Kinder sind also groß geworden?

Ja, lustig, dass du das sagst, genau das sagen mein Mann und ich nämlich auch immer. Wir haben mit der Übernahme des Café Promenade im Jahr 2015 zum ersten Mal eine ganz eigene Art des Franchise gestartet: Damit entstand die Möglichkeit für langjährige Mitarbeiter, Partner unseres Unternehmens zu werden, indem sie sich selbständig machen, aber auf unser Knowhow zurückgreifen können. Es gibt Mitarbeiter, die die Sicherheit einer Anstellung brauchen, andere wiederum träumen davon, etwas Eigenes zu eröffnen, sind echte Talente als Gastgeber, haben aber mit Marketing und dem Kaufmännischen nichts am Hut. Wir bieten ihnen genau darin unsere Unterstützung an.

Unser Franchisekonzept legt sehr großen Wert darauf, dass man sich kreativ einbringt und dass die individuellen Konzepte den Persönlichkeiten entsprechen, die sie dann umsetzen und führen. Deswegen können wir nie ganz ausschließen, dass früher oder später nicht doch vielleicht wieder etwas zu unserem Unternehmen dazukommt. Auch wenn wir das persönlich jetzt nicht anstreben.

 

Insiderei - Aiola Hotel

 

Ihr seid also eine Art Starthilfe, Konzept- und Businesspartner für eure langjährigen Mitarbeiter, die sich verändern wollen?

Ja, es gibt ja in dem Fall nur zwei Möglichkeiten: entweder man verliert sie früher oder später oder man fördert und unterstützt sie. Wir haben uns für letzteres entschieden, eine Win-win -Situation für alle.

 

Und auf die Schnelle:

Hund oder Katze?

Hund. Wir haben immer Hunde.

 

Laut oder leise?

 

Laut. Ich rede laut, ich mache alles laut, ich mache alles schnell. Ich glaube, ich bin extrem laut.

 

Mehr ist mehr oder weniger ist mehr?

Mehr ist mehr. Das war jetzt nicht sehr schwierig.

 

Fotocredits:

© Paul Bauer

© Jauk Katharina

© Kristina Sammer

© Joel Kernasenko

 

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