Anna Laura Kummer geht es nachhaltig ’slow‘ an

Nachhaltigkeit lag Anna Laura Kummer immer schon am Herzen. Und als eine der Pionierinnen in der deutschsprachigen YouTube-Szene lag es für sie auf der Hand den Schritt zu wagen und ein eigenes Modelabel zu starten. Die Produktion von vorne bis hinten zu kennen und dafür auch mit dem eigenen Namen zu bürgen – das ist es, was ihre Fans so an ihr lieben. Mit minimalistischer Streetstyle, gedeckten Farben, die leicht kombinierbar sind und hoher Qualität, ist ‚The Slow Label‘ entstanden.

Hat Anna Laura die britische Stilikone Alexa Chung für die Vöslauer-Kampagne interviewt, haben wir die Influencerin und Mode-Designerin jetzt selber zum Gespräch gebeten.

Fair Fashion ist mittlerweile ein viel verwendeter Begriff, der allerdings keine Standards definiert. Welche Merkmale muss Fair Fashion für dich haben?

Anna Laura Kummer: „Fair Fashion unterteilt sich meines Erachtens in drei Bereiche: Nachhaltige Materialien (von Stoff über Zutaten, wie Knöpfe bis hin zu den Hangtags und der Verpackung), eine faire und nachhaltige Produktion und ein nachhaltiges Wirtschaften. Anstelle vieler sich immer wechselnder Kollektionen legen Fair Fashion Unternehmen Wert auf die Langlebigkeit ihrer Kleidung. Das gilt sowohl für die Qualität, als auch für das Design. Ganz nach dem Motto ‚leave no trace‘ ist es außerdem das Ziel, Kleidung zu designen, die am Ende ihres Lebens kaum Spuren hinterlässt. Das ist in meinen Augen die beste Beschreibung des Begriffs „Fair Fashion“.

Natürlich kann man nicht alles haben, kein Label ist 100% perfekt. Aber ich wollte an einem Modelabel arbeiten, das alle für mich wichtigen Kriterien erfüllt.

Worauf hast du geachtet als du The Slow Label gegründet hast?

Anna Laura Kummer: „Als ich zu einem bewussteren Lebensstil wechselte, fiel es mir wirklich schwer, Marken zu finden, die all meine Kriterien für „Fair Fashion“ erfüllen. Einige Marken arbeiten mit synthetischen Fasern, andere geben ihre Lieferkette nicht bekannt, wieder andere verwenden nachhaltige Materialien, produzieren aber unter schlechten Bedingungen. Natürlich kann man nicht alles haben, kein Label ist 100% perfekt. Aber ich wollte an einem Modelabel arbeiten, das alle für mich wichtigen Kriterien erfüllt. Wir produzieren möglichst lokal, verwenden nachhaltige Materialien, arbeiten mit zertifizierten und/oder kleinen Betrieben und versuchen, den Nachhaltigkeitsgedanken bis ins Marketing zu ziehen.“

Welche Hürden gab es am Anfang für dich?

Anna Laura Kummer: „Hürden gab und gibt es so einige! Ich war nur ein Jahr in der Modeschule und hatte somit kaum Kenntnisse in den Bereichen Design, Produktion und Sourcing. Mit Marketing und Ecommerce kannte ich mich schon eher aus und Nachhaltigkeit war mir seit Jahren ein Anliegen. Ich habe viel recherchiert und mich eingelesen. Wichtig ist, nicht zu hart zu sich selbst zu sein, um Hilfe zu bitten, wenn man nicht weiterkommt und zu akzeptieren, dass Lernprozesse manchmal etwas länger dauern. Eine große Hürde ist und bleibt, dass man als kleines Label nicht so leicht an innovative nachhaltige Materialien kommt, da man bei so geringen Abnahmemengen einfach nicht ernst genommen wird. Das wird sich hoffentlich in Zukunft ändern, da es oft die kleinen Labels sind, die nach mehr Nachhaltigkeit streben.“

Du bist bereits seit einigen Jahren nachhaltig unterwegs und gibst deinen Followern Tipps, wie sie z.B. durch eine plant based Diät Co2 einsparen können. Was gibt es sonst noch? Was kann man hier und heute noch im eigenen Haushalt umsetzen, um „grüner“ zu leben? Es gibt so vieles, was man tun kann, um „grüner“ zu leben – hier ein paar Tipps:

Anna Laura Kummer: „Beim Reisen achte ich darauf weniger zu fliegen und Auto zu fahren. Dafür mehr Radfahren oder die öffentlichen Verkehrsmittel nehmen. Beim Einkaufen muss ich sagen, dass eine vegane Ernährung natürlich toll ist, aber man sollte auch regional und saisonal einkaufen – idealerweise beim Bauernmarkt – oder einfach aufs Etikett schauen, woher es kommt. Auch zu hause kann man natürlich grüner leben. Wenn man zu einem nachhaltigen Stromanbieter beispielsweise wechselt oder bei geringerer Temperatur Wäsche und Geschirr zu waschen. Wenn du etwas neues brauchst, sollte man sich immer erst die Frage stellen ‚Brauche ich das wirklich?‘. Und bei einem ‚Ja‘ ist es besser, wenn man Second-Hand oder von einem nachhaltigen Unternehmen einkauft.“

Welche Fair Fashion Marken trägst du selber außer The Slow Label?

Anna Laura Kummer: „Neben The Slow Label trage ich sehr gerne COSSAC, Skall Studio, Rudolf Vienna, Veja, Armedangels und Mymarini. Shoppe aber generell sehr wenig. Seit ich in Berlin wohne, werde ich sehr häufig in Vintage-Läden fündig.“

 

Fotos: Jordann Wood

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