Biodesign Challenge: Von Austernspandex und Haus-Bienen

Jedes Jahr treffen sich im New Yorker „Museum of Modern“ Art junge Köpfe bei der Biodesign Challenge, um außergewöhnliche Biotechnologie-Projekte vorzustellen, die die Grenzen zwischen Kunst, Design und Naturwissenschaften nicht nur queren, sondern diese Bereiche auch tabulos miteinander verknüpfen. Und das meist auf höchst amüsante und kreative Weise. Dass dabei Innovationen im Mittelpunkt stehen, die nachhaltig unsere Welt verändern und aktuelle Probleme behandeln sollen, ist für die jungen Talente kreativer Ansporn. Zudem sitzen in der Jury prominente Namen, wie Modedesignerin Stella McCartney.

Und die Ideen der jungen Biotechnologen sind im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlos. Da wäre beispielsweise ein höchst elastisches Material, das aus Austernschalen gewonnen wird und das nicht abbaubare Spandex ersetzen könnte sowie ein Plastomach, der Einwegplastik mittels eines „reprogrammierten“ Pilzes zersetzt. Oder BEEcosystem, das jedem zum Imker macht.
Diese Beispiele sind aber nur ein kleiner Auszug aus den vielen eingereichten und prämierten Projekten, die es aus Uni-Laboren zur Biodesign Challenge geschafft haben.

Das #jungbleiben Magazin hat sich drei Projekte genauer angesehen.

 

1. PseudoFreeze

Gewusst, dass unsere Kühlschränke unsere größten Energiefresser im Haushalt sind? Klar. Sie müssen das gesamte Jahr aufgedreht bleiben. Damit haben sie auch keinen unwesentlichen Anteil an den Emissionen, die wir produzieren. Weltweit ist es sogar ein Anteil von 8 Prozent aller Co2-Emissionen. Allerdings werden die Kühlschränke nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für die Kühlung von Medikamenten und Impfungen benötigt, denn sie brauchen niedrige Temperaturen, um wirksam zu bleiben. Sind sie ungekühlt und erwärmen sich, kann das fatale Folgen haben. Das trifft besonders Bewohnern von Entwicklungsländern, die in Gebieten wohnen, die ohne Stromversorgung auskommen müssen. In Kolumbien sind es beispielsweise 32 Prozent der Gesamtbevölkerung. Leben sie in abgelegenen Teilen des Landes und ist die Anreise des Impfstoffes besonders lang, kann dieser durch Temperaturschwankungen in der Transportbox zu einem tödlichen Gesundheitsrisiko werden.

Foto: PseudoFreeze, Valery Rizzo

Hier hakt das Team der Universidad de los Andes ein. Sie entwickelten PseudoFreeze. Einen Mini-Kühlschrank, der ohne Strom auskommt! Er wird von der biogenen Reaktionen des INA Proteins aus dem Bakterium Pseudomonas syringae gespeist und kann so sicher auch in die entlegensten Dörfer gekühlte Medikamente bringen. Und vielleicht, werden wir eines Tages aus diesem Projekt einen Kühlschrank ohne Strom in der Küche haben.

 

2. BEEcosystem

Dass Projekte auch nach der Biodesign Challenge weitergeführt werden können – und das sehr erfolgreich – beweist BEEcosystem. Die Erfinder entwickelten einen, einer geometrische, sechseckigen Grundform einer Bienenwabe nachempfundenen Bienenstock. Dieser soll als „BEEcosystem“ jedem Haushalt seinen eigenen Design-Bienenstock ermöglichen. Über einen durchsichtigen Schlauch, der in ein Fenster eingebaut wird, krabbeln die Bienen von innen nach außen und werden so erstmals zu „Indoor-Haustieren“.

In den USA hat sich die Zahl der Imker seit 1947 zudem um zwei Drittel reduziert,wie BEEcosystem-Gründer Dustin Betz erklärt. Mit BEEcosystem soll der weltweit drastische Rückgang der Bienenvölker minimiert und zur Nahrungsmittelsicherheit beitragen. Dass das BEEcosystem gefragt ist, beweist auch der Online-Shop des Projekts, der regelmäßig ausverkauft ist.

 

3. Quantworm Mine

Regenwürmer als Mienenarbeiter? Mit dieser Idee, die auf den ersten Blick auch aus einem kuriosen Sci-Fi-Buch stammen könnte, haben Liv Bargman und Nina Cutler die Biodesign Challenge 2017 gewonnen. Sie entwickelten mit der „Quantworm Mine“ eine Geschäftsmöglichkeit, die gleichzeitig die mit Schwermetallen kontaminierte Erde, wie man sie beispielsweise in stillgelegten Kohlemienen in England findet, durch Regenwürmer „reinigt“. Diese können die Schwermetalle Cadmium und Selen aufnehmen und wieder abgeben. Die gewonnenen Rohstoffe könnten wiederum weiter verwendet und verkauft werden, denn sie werden dringend in Nanotechnologien gebraucht. Zusätzlich könnten Gemeinden durch die neuen Einnahmequellen wieder Arbeitsplätze ihren Bewohnern bieten.

Biodesign Challenge 2017 Gewinnerinnen Liv Bargman und Nina Cutler. Foto: Valery Rizzo

 

 

 

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