Christoph Rumpf: Mode ohne Wenn und Aber

2019 ist das Jahr von Christoph Rumpf. Der 25-jährige Modedesigner nahm im Frühjahr am renommierten französischen Hyères International Festival Fashion and Photography und gewann auf Anhieb. „Ist ein neuer Helmut Lang geboren?“, stellt man sich in Österreich stets reflexartig die Frage, wenn ein Modetalent am Horizont auftaucht. Ein Vergleich zum österreichischen Mode-Genie der 90er Jahre ist vielleicht auf den ersten Blick gar nicht so weit hergeholt, wenn man weiß, dass Lang für seine erste Kollektion Tischtücher „upcycelte“ oder Stiefel für eine Show einfach mit silberner Farbe besprühte. Schiebt man diese Anekdoten beiseite, hat Christoph Rumpf einen ähnlichen Zugang zu seinem Material-Sourcing.

Christoph Rumpf

Foto: Pierrick Rocher

Außerhalb davon unterscheiden sich allerdings die Modeperspektiven deutlich. Die Ästhetik des Steirers hat wenig mit dem Minimalismus eines Helmut Lang gemeinsam. Bei ihm begibt man sich in ein opulentes Märchenland, das er für seine Gewinner-Kollektion imaginierte und mit enormer Detailliebe umsetzte. In seiner Geschichte zur Kollektion sehen wir die Kleidungsstücke eines Prinzen, der ohne menschlichen Kontakt im Dschungel aufwächst und dem es später schwer fällt sich in die Gesellschaft einzufügen. Diesen Zwiespalt als persönlichen Ausdruck in der Mode, sieht man an den Versatzstücken aus herrschaftlichen Gewändern, die in rüstungsähnlichen Mänteln ihren Niederschlag finden. Mit seiner Mode, die keine Grenzen kennt, schlägt Rumpf ein neues Kapitel in der österreichischen Männermode auf. Die Vogue Paris („Who is Christoph Rumpf?„) holte bereits zum Ritterschlag aus und prophezeit („Remember his name.“) ihm eine steile Karriere.

Das #jungbleiben Magazin hat mit Christoph Rumpf und seiner Liebe zu Mode und Nachhaltigkeit gesprochen, die er zur Grundlage seiner Arbeit macht.

 

Du hast das Festival in Hyères den Grand Prix du jury Première Vision gewonnen. Wie war das für dich und vor allem – was hat sich danach für dich geändert?

Christoph Rumpf: „Zuerst mal war es natürlich eine große Überraschung, genauso wie nominiert zu werden. Die Kollektion war für mein drittes Jahr an der Universität für Angewandte Kunst und ich habe nicht damit gerechnet, dass so viele Menschen sie je sehen werden. Ich habe danach angefangen an der Show für Berlin zu arbeiten und arbeite nebenbei mit Petit Bateau und den Metiers d’Art Ateliers [von Chanel, Anm.] in Paris zusammen an einigen Produkten. Die größte Veränderung waren die vielen Mails, die plötzlich täglich zu beantworten waren. Ich habe angefangen mich mehr damit auseinanderzusetzen, wo ich mich in den nächsten Jahren als Designer sehen möchte.“

Fotos: Christoph Rumpf

Deine Kollektion ist nachhaltig produziert – wie hast du dich dem Thema Nachhaltigkeit genähert?

Christoph Rumpf: „Angefangen hat es mit meiner Liebe für Flohmärkte und Second-Hand-Kleidung. Ich mag die Idee zu upcyclen und die Kollektion so nachhaltig wie möglich zu gestalten. Auch wenn ich nicht 100 Prozent nachhaltig momentan arbeiten kann, da es hier viele Hürden gibt und man sich designtechnisch nicht komplett einschränken möchte, entstehen durch Kompromisse und einem neuen Ansatz aber meist die spannendsten Kleidungsstücke.“

Wie siehst du die Umsetzung von Recycling und Upcycling in der Modebranche?

Christoph Rumpf: „Es funktioniert zum Teil, wie man an DesignerInnen wie Marine Serre oder Christopher Raeburn sehen kann. Bei der diesjährigen Premiere Vision [die größte Stoffmesse in Paris, Anm.] hat man auch gesehen, wie schnell Stoffproduzenten auf die Anfrage nach mehr nachhaltigen Produkten reagiert haben. Von Stoffen aus recycelten Plastikflaschen und Leder aus wiederverwerteten Resten gab es eine sehr große Auswahl. Große Firmen versuchen auch nachhaltiger zu arbeiten, aber natürlich ist dies nicht so einfach wenn man eine große Stückzahl produziert. Darum ist einer meiner Ansätze für die Zukunft nicht unnötig viele Produkte zu produzieren.“

Christoph Rumpf Modedesigner

Foto: Pierrick Rocher

Vogue hat deine Gewinner-Kollektion als „opulent“ beschrieben, die an „Game of Thrones“ erinnert. Bleibst du diesem Stil treu oder geht es demnächst in eine ganz andere Richtung?

Christoph Rumpf: „Ich mag es Kleidung zu machen, die opulent und teuer aussieht und arbeite gerne mit Themen, die sowohl eine märchenhafte Geschichte erzählen, aber auch einen soziopolitischen Subtext haben, da mir das momentan in der Modewelt einfach fehlt. Ich sehe tolle Produkte, aber ohne eine tolle Geschichte und Message dahinter. Besonders ist die Herausforderung aus alten Dingen etwas luxuriöses zu machen, was nicht an die typische Eco-Mode erinnert, spannend.“

Du hast neben einem Preisgeld auch die Möglichkeit bekommen mit dem Métiers d’Art Atelier von Chanel ein eigenes Projekt umzusetzen. Kannst du uns dazu schon mehr verraten?

Christoph Rumpf: „Die Produkte werden zum ersten Mal im April 2020 in Hyères gezeigt. Ich will nicht zuviel vorwegnehmen, da sie ein Teil meiner neuen Kollektion sein werden, aber mit den Metiers d’Art Ateliers zu arbeiten, ist natürlich eine Ehre.“

Woran arbeitest du aktuell?

Christoph Rumpf: „An meiner neuen Kollektion, die ich nächsten Frühling präsentieren werde.“

 

 

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