Wie Pop in die deutsche Literatur kam

An einem Sylter Strand bestellt ein Mann eine zweite Portion Scampi bestellt, obwohl ihm bereits von der ersten schlecht geworden ist. So beginnt „Faserland“ des Autors Christian Kracht. Mit dem selbstbezeichnenden Kapitel „Eins“ wurde es Auftakt für einen neuen Abschnitt der deutschen Literatur, die am Abend der Jahrtausendwende einen neuen Tenor anschlug. Kracht, der den Dandy-Archetypen als konsumfixierten Antihelden in die 90er katapultiert, traf den Nerv der Zeit. Doch der Erfolg war lange in der Vorbereitung. Beeinflusst von der amerikanischen Beat Generation, mischten Autoren, wie Rolf Dieter Brinkmann oder Blixa Bargeld bereits in den 60ern auf, wurden aber nicht mit den gleichen Fanfaren bedacht, wie ihre Nachfolger zwanzig Jahre später.

Smells like Teen Spirit

Über die literarischen Qualitäten einer neuen Erzählergeneration waren sich die Kritiker anfangs nicht einig. Zu platt, zu oberflächlich. Weltliteratur? Dem Publikum, das die Autoren auf Lesungen wie Rockstars feiert, war es egal.
Als eine der wenigen weiblichen Autoren des Genres, feierte Alexa Henning von Lange mit „Relax“ 1997 ihren ersten Debüt-Erfolg. Sven Regener legte mit „Herr Lehmann“ wenig später einen Kultroman vor, der sich in einen Kinoerfolg verwandeln sollte.

Das Manifest

1999: Ein Wochenende im Hotel Adlon, brachte schließlich das Manifest „Tristesse Royale“, das von Benjamin von Stuckrad-Barre, Christian Kracht, Eckhart Nickel, Joachim Bessing und Alexander von Schönburg als „Popkulturelle Quintett“ verfasst wurde und bis heute zu den bekanntesten Werken der deutschen Popliteratur zählt.

Fast wie die Regeln eines Film Noirs sind die Protagonisten der deutschen Popliteratur in ihrem eigenen, hedonistischen Strudel gefangen, der sie nicht loslässt und Sinn- oder Beziehungssuche besonders schwer macht. Diese Suche setzt sich in der Handlung oft mit odyseeischen Taxifahrten („Taxi“ von Karen Duve) oder rastlosen Streifzügen durch das Nachtleben fort, welche die Getriebenheit der Figuren symbolisieren.

 

 

Eine neue Generation, ein neues Kapitel

Dass die Deutsche Popliteratur ihre kontroversiellen Qualitäten behalten hat, zeigte Helene Hegemann 2010 mit ihrem Roman „Axolotl Roadkill“, der erste von der Presse gefeiert, wenig später jedoch aufgrund der „Copy-Paste-Strategie“ der Autorin in die Kritik geriet. Hegemann hatte sich Inspiration vom deutschen Blogger Airen geholt. Spätestens da hatte inkludierte die Deutsche Popliteratur eine postmoderne Diskussion. Der Erfolg Hegemanns setzte wenig später allerdings fort. 2017 schafftes es das Buch als „Axolotl Overkill“ auf die Leinwand.

 


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