Die Geschichte dahinter: Tattoo-Artist Steve Little Fingers im Interview

Der Wiener Tattoo Künstler Steve Little Fingers bringt Tätowierungen auf die Etiketten der vierten Vöslauer Gastro-Sonderedition. Wir haben ihn getroffen und über sein Revoluzzertum, moderne Urlaubsmitbringsel und seine zum Teil bedeutungsschwangeren Tattoos gesprochen.

Hi Steve, was war Dein erstes Tattoo, was war die Geschichte dahinter?

Mein erstes Tattoo – ein Totenkopf mit gekreuzten Knochen – ließ ich mir mit 18 Jahren machen. Eine besondere Geschichte dazu gibt es nicht, damals war das Tattoo viel mehr ein Ausdruck von „Revoluzzertum“, endlich volljährig zu sein und keine Rechenschaft mehr den Eltern gegenüber ablegen zu müssen.

Welches ist Dein Lieblings-Tattoo und warum? 

Ich habe zwei Lieblingstattoos. Zum einen bedeutet mir mein „Omas Kasnudlteller“-Tattoo sehr viel. In meiner Kindheit haben meine Oma und ich sehr viel zusammen gekocht, vor allem dieses typische Kärntner Gericht. Ich wollte nach ihrem Tod kein klassisches Portrait von ihr als Andenken, die Erinnerung an unsere gemeinsamen Kochstunden ist da viel stärker. Und daran denke ich mich am liebsten zurück.
Mein zweites Lieblings-Tattoo ist eine von Samuele Briganti gestochene Butterfly Lady, ein Entwurf aus den 40-50er Jahren, ein klassisches Vorlagen-Design von damals. Dieses Tattoo habe ich mir aus klar ästhetischen Gründen machen lassen. Er ist einer meiner Lieblings-Tätowierer, ein toller Künstler mit Vorbildwirkung, zu dem man definitiv aufblicken kann.

VOE_Blog_Tattoocollage

Was bedeuten Deine Tattoos für Dich?

Positive sowie negative Ereignisse in meinem Leben beeinflussen mich in der Wahl meiner Motive. Dank Tattoos ist es möglich, Erinnerungen zu sammeln und sich an Vergangenes zu erinnern. Dahingehend bedeuten Tattoos natürlich sehr viel für mich. Aber nicht jedes Tattoo muss bedeutungsschwanger sein, es ist auch vollkommen legitim sich tätowieren zu lassen, weil einem schlicht und einfach das Motiv gefällt. Der Mix macht es aus, so halte ich es schon seit Jahren.

Wie reagieren Leute auf Deine Tattoos?

Die Menschen, egal ob jung oder alt, sind heutzutage Tätowierungen gegenüber sehr aufgeschlossen, lediglich am Land sind vereinzelt Vorurteile noch zu spüren. Damals war das Verständnis von einem Tattoo aber generell noch ein anderes, es galt als Zeichen der „Abgrenzung“, des „Ich bin anders“ und das wollte man klar nach außen tragen.

Ist das Tattoo an sich eine künstlerische Ausdrucksform für Dich, eine Möglichkeit mit anderen zu kommunizieren?

Natürlich. Tattoos sind eine Art der Kommunikation. Leute reden darüber, egal ob ein Tattoo gut oder schlecht gestochen wurde. Sie vermitteln eine Message und Emotionen. Wie diese bei den anderen ankommt, weiß ich nicht, das kann sehr unterschiedlich aufgenommen werden. Jegliche Art des rassischen oder politisch unkorrekten Gedankengutes sowie Motive, die sich nicht in meinem künstlerischen Spektrum bewegen, lehne ich grundsätzlich ab.

voe-tattoo-2

Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben?

Eine Mischung aus Traditional und Neo Traditional. (Anmerkung: „Oldschool“, auch „Traditionals“ genannt, sind in erster Linie die ehemaligen Seefahrer Tattoo Motive.)

Wie suchst Du die Motive für Deine Kunden aus?

Ein Großteil der Kunden weiß was er/sie haben möchte. Ich gebe dann noch meinen künstlerischen Input dazu bzw. stelle ich mir die Frage, ob die Bildwelt auch meinen Vorstellungen und die des Kunden entspricht. Es passiert sehr selten, dass jemand gänzlich ohne Ideen zu mir kommt. Für solche Fälle gibt es meine „Wanna do“-Mappe, mit Zeichnungen, die ich irgendwann gerne einmal übersetzen möchte. Diese Zeichnungen sind vorwiegend von alten Tattoo-Künstlern inspiriert. Eine Wiederaufbereitung alter Vorlagen in meinem Stil verpackt sozusagen.

Möchtest Du Dir weitere Tattoos stechen lassen?

Als Tätowierer ist die Frage nach weiteren Tattoos nicht schwer zu beantworten – es ist bereits ein japanisches Motiv in Planung.

Verbinden Tätowierungen?

Freundschafts-Tattoos beispielsweise gibt es mittlerweile sehr häufig. Viele lassen sich dasselbe Motiv nach einem gemeinsamen Urlaub stechen. Das gemeinsame Tattoo verbindet, man behält das Ereignis in Erinnerung und man denkt gerne daran zurück, wann, wo und mit wem es umgesetzt wurde – ein modernes Urlaubsmitbringsel.

Hast Du ein Motto, das Du uns mit auf den Weg geben möchtest?

Mein Motto ist ja eigentlich immer: Los ‚lafn‘ is lei Wossa!

Stichhaltiges: Steve Little Fingers ist ein in Wien beheimateter Künstler und Tätowierer
im Studio
THE PENETRATION INCORPORATION.

 

29. Juli 2016
#jungbleiben verbindet: Die schönsten Bilder von unserem Dreh im Thermalbad Vöslau
1. August 2016
#jungbleiben verbindet: Geschichte(n) im Thermalbad Vöslau

Kommentieren

Die E-Mail Adresse wird auf der Website nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet und müssen ausgefüllt werden.