Diese Frauen denken Österreichs Hotels neu

Eva-Maria Pürmayer, die Authentische

Das Hotel Bergergut im Mühlviertel ist die Adresse für Paarurlaub im deutschsprachigen Raum. An der Spitze des Unternehmens steht Eva-Maria Pürmayer. Die Oberösterreicherin stand nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters 2016 vor der schwierigen Entscheidung: Übernehmen oder nicht? Sie traute sich. Gemeinsam mit ihrem Partner und Haubenkoch Thomas Hofer.
Den Begriff Adults-Only haben Eva-Marias Eltern in Österreich salonfähig gemacht. Mit dem Bergergut installierten sie eines der ersten Erwachsenenhotels im Land. Es lief auch deshalb schnell so gut, weil sie ihrem Konzept „viel Mut und viel Ausprobieren“ treu blieben. Diese Eigenschaften hat Tochter Eva-Maria geerbt. Für die heute 33-jährige funktioniert „nur für Paare“ völlig ohne Kitsch. Ihr geht es um Privatsphäre und Genuss und um die Weiterentwicklung dieser Kategorie.

 

Wie schaut das Erwachsenenhotel der Zukunft aus?

Individuell, persönlich, inspirierend, bewusst, nachhaltig. Und: unaufgeregt. Umso lauter es im Außen ist, umso entschleunigter darf es im Urlaub sein. Ich erlebe immer mehr, und das freut mich, dass sich Gäste nach tiefer, nachhaltig wirkender Entspannung und nach „echten“, nachhaltig stärkenden Angeboten sehnen. Nicht nach gekünstelter Animation.

 

Vor ein paar Jahren kannte noch niemand das Wort Adults-Only-Hotel. Heute sind sie der große Trend. Wie definierst du den Begriff Erwachsenenhotel?

Im Bergergut setzen wir den Begriff sogar noch „enger“: Es geht bei uns um „Paare only“. Ein nicht immer unumstrittenes, aber umso wundervolleres Konzept. Vorweg: Es hat ganz und gar nichts damit zu tun, dass wir Kinder nicht mögen. Im Gegenteil, wir selbst sind eine kinderreiche Familie. Aber

wir sind davon überzeugt, dass glückliche Kinder glückliche Eltern brauchen, und dazu braucht es eben auch bewusste Paar-Zeit.

Kein Lärm, kein Trubel, keine Hektik. Nur Zeit und Raum für sich und für sich als Paar, umgeben von höchstem Service und herzbetonten, passionierten Gastgeber*innen.

 

Selfness und Individualität prägen unsere Urlaubsplanung immer mehr. Wie positioniert sich das Bergergut da in Zukunft?

Uns schwebt so eine Art „Anti-Hotel“ vor. Wir möchten keine klassische, wenn auch noch so schöne Bettenburg sein, sondern ein ganz individueller Lieblingsplatz. Die kleine Einheit hilft uns dabei. Nachhaltiger Genussfaktor ist wichtig und individuell gestaltete Räume. So ist unser Restaurant zum Beispiel als gemütliches und exklusives Wohnzimmer mit vielen Nischen gestaltet. Oder unsere abwechslungsreichen und individuellen Suiten für Natur-, Romantik- bis zu Design-Fans. Ich glaube, es ist wichtig, ganz persönlich zu sein, authentisch.

Die Gäste spüren, ob wir als Gastgeber*innen Theater spielen oder unsere Berufung leben.

Diese „echte“ Energie erscheint mir wichtiger denn je.

 

 

Wie bleiben Erwachsene in deinem Hotel jung?

…oder besser: Wie werden Erwachsene in unserem Hideaway wieder jung? Wir versuchen durch kleine, sehr hochwertige Ideen während des Urlaubstages die ganz individuelle Romantik des Paares zu inspirieren. Das kann ein Liebesgedicht in der Morgenpost, eine Wildrose aus dem Garten, die zweisame Zeit im Privat-Spa, das Coaching unserer Profis für Massage zuhause oder die spontane Schneeballschlacht am Winterwanderweg sein.

 

Das Bergergut hast du von heute auf morgen von übernommen. Wie hast du aus dem Hotel dein eigenes gemacht?

Durch die völlig ungeplante Situation, den plötzlichen Verlust unseres Vaters, insgesamt vier betroffene Unternehmen und teilweise auch wirtschaftliche Schwierigkeiten, hat genau das – der eigene Weg – etwas gedauert. Abgesehen davon, war unser Sohn Leopold damals noch ganz klein. Aber jetzt, nach gut drei Jahren, habe ich das Gefühl: Okay, jetzt sind wir auf unserem Weg. Ich musste mich als Führungskraft finden (obwohl das ja ein lebenslanger Prozess ist) und auch den Weg für unser Unternehmen. Was soll das Bergergut für mich und für meinen Partner sein, der ja unsere Haubenküche und das Hotel mit mir leitet? Was wollen wir „verkaufen“? Welchen Sinn will ich stiften? Diese Fragen beschäftigen mich und treiben mich auch immer sehr an.

 

Und wie beantwortest du diese Fragen konkret?

Ich habe immer mehr realisiert, dass der wahre Luxus im Bergergut oft schon die bewusste Zeit zu zweit ist.

Schon allein die entschleunigte Anreise durchs idyllische Mühlviertel lässt Paare schnell runterkommen. Unser kleines, feines und herzliches Ambiente mit viel Raum für Privatsphäre macht es einem einfach, schnell anzukommen und abzuschalten. Zumindest höre ich das ganz oft. Dazu kommt der so hohe Genussfaktor und die Liebe zum Detail. Ein Beispiel: Wir servieren das Frühstück an den Tisch. Warum? Endlich haben auch Eltern einmal Zeit, genussvoll und ruhig am Tisch zu sitzen und Genuss zu zelebrieren, statt ständig zum Buffet zu laufen.

 

Verrate uns, mit welchen Ideen du die Branche 2030 verändert haben wirst!

„Menschen führen, Leben wecken, Lebenszeit veredeln.“

Ich bin davon überzeugt, dass wir noch viel stärker den Mensch in den Mittelpunkt stellen müssen.

Es mag zwar komisch klingen, sollte es doch mittlerweile selbstverständlich sein, aber mir fehlt auf weiten Strecken noch die herzbetonte Ernsthaftigkeit bei diesen Themen. Wichtig erscheint mir auch, dass wir uns als Unternehmer*innen, Entscheidungsträger*innen, und Arbeitgeber*innen persönlich noch viel stärker mit uns selbst auseinandersetzen sollten. Mit allen Stärken, Schwächen und Herzenswünschen, mit unserer Berufung. Denn nur dann können wir nachhaltig wirken.

Apropos: Wie lebt das Bergergut Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit leben wir in verschiedenen Facetten. Nachhaltigkeit und echte Herzlichkeit im Umgang mit Menschen – mit Mitarbeiter*innen, mit Lieferant*innen und Partner*innen, mit unseren Gästen – diese Facette ist mir fast am wichtigsten. Wir vergessen zu oft, wie nachhaltig wir hier als Unternehmer*innen wirken können. Dann spiegelt sich das natürlich auch stark in unserem Einkauf und unserer Kulinariklinie wider, unser Motto dabei: „Mühlviertler Mund.Art“. Ressourcen schonen wir außerdem mit unserem Hackschnitzelheizwerk (aus den eigenen Wäldern) und unserer heuer errichteten 75-Kilowatt-Photovoltaik-Anlage.

 

Woraus schöpfst du Kraft für neue Ideen?

Aus der der Natur, aus der Stille, aus der aktiven Bewegung im Wald, bei Sonne oder aber auch bei Wind und Wetter. Ich liebe das, es kräftigt und nährt mich ungemein.

 

Die derzeitige Situation ist nicht einfach – vor allem für eure Branche: Wie bleibst du mutig?

Passion kennt keinen Lockdown. Ich lebe meine Berufung und jetzt ist eine gute Zeit, über Sinnhaftigkeit und Sinn-Stiftung nachzudenken und -spüren. Den ganz eigenen Weg zu schärfen.

Ich würde behaupten, die Tore zur nachhaltigen Veränderung waren schon lange nicht mehr so offen wie jetzt.

 

Wie definierst du Erholung?

Wald, Wiese, Frischluft, Bewegung, Entschleunigung, Bewusstsein, Genuss für alle Sinne.

 

Aus dem Bauch

Spontan oder gut durchdacht? Spontan

Langschläfer oder Early Bird? Je nach Jahreszeit

Atempause oder wie im Fluss? Wie im Fluss

 

Fotos (c) Hotel Bergergut, gregorhofbauer.photography

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