Wiener Saengerin

Ethel Merhaut: „Süss & bitter“ in die neuen 20er

„Süss und bitter“, so lässt sich das letzte Jahr wohl am besten zusammenfassen und die Wiener Chansonnière Ethel Merhaut hat danach auch ihr neues Album benannt. „Aromen für den Wiederbeginn“, die sich so unglaublich charmant im Ohr anhören, dass man gar nicht mehr aufhören möchte sie zu genießen. „Ein bisschen Glamour, das Spiel mit Rollen und Verkleidungen, ein intensives Gefühlsleben auf dem schmalen Grat zwischen Lachen und Weinen – all das fehlt gerade so!“ Mit dieser Sehnsucht ist die Musikerin wohl nicht alleine.
Ethel Merhaut studierte an der Universität für Musik und darstellende Kunst klassischen Sologesang und präsentierte im März ihr neues Album im Porgy&Bess – per Livestream. Im Gespräch mit #jungbleiben erzählt sie über die Suche nach dem perfekten Sound.

Wie hat sich die Arbeit am Album gestaltet?

Ethel Merhaut: „Die Arbeit am Album war zwar sehr anstrengend und anspruchsvoll, hat aber extrem Spaß gemacht. Die Auswahl der Lieder, die musikalische Arbeit mit der Band, die Suche nach dem perfekten Sound waren sehr spannend und schön für mich. Mir war es wichtig eine homogene Welt zu kreieren, obwohl das Album so viele unterschiedliche Genres der Unterhaltungsszene der 20er und 30er vereint. Das Album wurde einige Tage vor dem ersten Lockdown beendet. Insofern waren die Aufnahmen einerseits sehr intensiv, anderseits sorgte man sich schon um die weiteren Entwicklungen auf Grund der Pandemie. Dass ich das Album erst ein Jahr später herausbringen werde, hätte ich damals nie für möglich gehalten.“

Was bedeutet für Sie Musik machen in Zeiten wie diesen?

Ethel Merhaut: „Derzeit ist ein Konzert ein wahres Privileg und ein Glücksfall für einen Künstler. Ich bin extrem ausgehungert nach der Bühne und hoffe bald wieder normal Konzerte geben zu können – mit den notwendigen Sicherheitsregelungen natürlich. Und dann warte ich voller Aufregung auf die Möglichkeit endlich wieder ins Theater, Oper und Konzerte gehen zu können, um meiner Seele wieder kreative Nahrung zu geben. Kunst und Kultur sind meiner Meinung nach kein Privileg, sondern Notwendigkeit einer funktionierenden Gesellschaft.“

„Süss&Bitter“: Wie kam es zu dem Namen?

Ethel Merhaut: „Das ist ein kleiner Textausschnitt aus dem Lied ‚My Little boy‘ von Paul Abraham. Ich finde, der Titel passt perfekt zu der Zeit – süß die künstlerischen Entwicklungen: Malerei, Mode, Architektur, Film, Theater, sowie das Erstarken der Frauenrechte. Bitter natürlich die politischen Entwicklungen: Weltwirtschaftskrise, große Armut, Nationalismus, Antisemitismus, Rassismus.“

Gibt es LieblingsinterpretInnen aus dieser Epoche?

Ethel Merhaut: „Ich liebe Greta Keller, Martha Eggerth und Richard Tauber- jeder ist auf seine Art ganz genial und perfekt in seinem Fach.“

 

 

Fotos: Mato Johannik

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