Forward Magazin - Yasin Müjdeci

featured by forward >> Abseits des Mainstreams mit Voo Store-Gründer Yasin Müjdeci

Während sich die Modebranche und Berlin immer schneller verändern, bleibt der Voo Store in Kreuzberg eine Konstante. Seit mittlerweile einer Dekade steht Voo für nicht nur Mode abseits der Fast Fashion, sondern für einen besonderen Lifestyle, der nicht nur von Berliner*innen gelebt wird. Gründer Yasin Müjdeci erzählt im Interview, was den Voo-Lifestyle ausmacht und spricht über Nachhaltigkeitskonzepte innerhalb der Branche.

 

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1/ Der Voo Store ist einer von Berlins wichtigsten Fashion Stores und das mittlerweile seit über 10 Jahren. Was zeichnet das Konzept dahinter aus?

Das ist einfach: Voo ist für alle da.

Die Idee war und ist es noch immer, dass sich jeder Mensch, egal wer er ist oder was er macht, im Voo Store wiederfinden kann. Ich wollte hochwertige Mode für alle zugänglich machen und dafür einen Ort schaffen, an dem sich keiner ausgeschlossen fühlen muss. Ich finde es furchtbar, dass Mode oft dieser Luxuscharakter zugeschrieben wird, durch den sie unerreichbar für die Menschen wird. Mit Voo wollen wir diese Barriere durchbrechen und zeigen, dass jede*r mit Mode Spaß haben kann. Wir versuchen, alle zu inkludieren und das macht Voo so erfolgreich.

 

2/ Voo Store ist damit nicht bloß ein Store, sondern transportiert einen eigenen Lifestyle. Was ist dieser Voo-Lifestyle?

Fashion ist eigentlich nur ein kleiner Teil. Ich sehe Voo als Netzwerk, das Menschen mit ähnlichen Denkweisen, Geschmäckern und Erwartungshaltungen zusammenbringt. Der Voo-Lifestyle ist all das, was wir machen: Alle Menschen, die involviert sind, die Selektion an Mode, Büchern und Magazinen im Store, unsere Kooperationen und Events.

 

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3/ 10 Jahre ist eine lange Zeit, vor allem in der sich immens schnell entwickelnden Modeszene. Was hat sich seitdem verändert?

Klar, Mode, Berlin und wir selbst ändern uns ständig – und das sehr schnell.

Aber die Werte, auf denen aufbauend ich damals den Voo Store gegründet habe, sind nach wie vor dieselben. Das Konzept hat sich in der gesamten Dekade gar nicht geändert und es gab auch nie den Moment, als ich mir dachte, dass ich etwas verändern muss – auch, wenn Dinge oft nicht wie gewünscht funktionieren. Voo bin ich. Würde ich an diesen Werten etwas verändern, müsste ich mich selbst verbiegen und das würde mich nicht glücklich machen.

 

4/ Was hilft dir, inmitten des Trubels am Boden zu bleiben?

Das ist eine gute Frage, weil ich darauf keine klare Antwort habe. Wenn ich sehe, dass Voo die Menschen glücklich macht, macht mir das auch extrem viel Freude und gibt mir mental Kraft. Und ich mache viel Sport – das hilft mir sehr dabei, abzuschalten. Die Kombination aus beidem hilft mir, nachhaltig zu leben.

 

5/ Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich?

Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde und wir sind ständig damit konfrontiert. Man kann so viel und so lange darüber reden wie man will, aber meiner Meinung nach kann Nachhaltigkeit auf gesellschaftlicher Ebene nur funktionieren, wenn bei jedem einzelnen ein Umdenken stattfindet. Nachhaltigkeit kann man niemandem aufzwingen, man kann niemandem das Autofahren verbieten oder jemanden dazu überreden, Müll zu trennen.

 

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Nachhaltigkeit ist ein persönlicher Lifestyle.

 

6/ Welche Nachhaltigkeitskonzepte setzt du mit dem Voo Store um?

Wir haben kürzlich das Projekt Voo Archive ins Leben gerufen. Wir wollen damit den Lebenszyklus der Mode verlangsamen und wollen gebrauchten Stücken eine zweite oder dritte Chance geben. Es gibt eine Auswahl an VooStore-Artikeln der vergangenen Saison im Laden und online und wir werden eine Vintage-Kollektion mit gebrauchten Stücken unserer Kund*innen anbieten. Ich bin der Überzeugung, dass Wert und Relevanz der Mode, die wir im Store anbieten, nicht mit dem Vergehen der Jahreszeiten abnehmen. Außerdem arbeiten wir im Shop gerade an einem Zero-Plastic-Konzept, das bald kommen wird. Die Umsetzung davon ist enorm langwierig, vor allem, weil Corona das Funktionieren der Lieferketten kompliziert gemacht hat.

 

7/ Recycling und Nachhaltigkeit nehmen in der Modeindustrie einen immer größeren Stellenwert ein und wollen damit der Fast Fashion entgegenwirken. Findet in der gesamten Industrie tatsächlich ein Umdenken statt oder ist dieser Umbruch nur oberflächlich?

Es wird so viel über Nachhaltigkeit in der Modebranche gesprochen und auch schon seit so langer Zeit. Trotzdem sind die Fortschritte nicht gerade gigantisch. Ich denke, bevor man solche Konzepte im Bereich Fashion anwenden kann, muss man die Bildung der Menschen in Sachen Nachhaltigkeit forcieren und dann ändert sich auch das Konsumverhalten automatisch.

 

8/ Kürzlich habt ihr auch gemeinsam mit der UdK Berlin ein Projekt gestartet. Was muss ein junger Designer mitbringen, um im Voo Store vertreten zu sein?

Mit dem Projekt wollen wir aufstrebenden Designer*innen eine Plattform bieten, ihre Kreationen zur Schau zu stellen. Die Modebranche ist kein Zuckerschlecken, vor allem, wenn man gerade erst durchstarten will. Mit dem Gedanken, jungen Kreativen ein Sprungbrett zu bieten, sind wir an die UdK Berlin herangetreten. Im Vorfeld hat es auf der Universität einen Wettbewerb gegeben, von dem die Sieger*innen dann im Voo Store ausgestellt und zum Verkauf angeboten wurden. Das Projekt wurde extrem gut aufgenommen: Innerhalb der ersten Tage war die Hälfte der Stücke bereits ausverkauft. Zu sehen, dass das bei der Voo-Kundschaft so gut aufgenommen wird, macht mich wirklich glücklich. Und das ist natürlich für die Student*nnen auch ein sehr schönes Gefühl.

 

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9/ Wie hältst du dich nachhaltig jung?

Ich glaube, minimal ist nicht nur eine Musikrichtung, sondern ein Lifestyle.

Ich lebe sehr ruhig, übertreibe mein Leben nicht und versuche, überlegt zu leben. Und ich liebe mein Fahrrad.

Fotocredits: Marina Denisova & Rita Lin

 

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