Jungbleiben Interview mit Mirjam Smend

Elle, Glamour, Vogue – Mirjam Smend hat für sie alle geschrieben. Nach 16 Jahren Redaktion schwand die Lust neuen Trends und Hypes in der Mode und Beautyszene hinterher zu hetzen. Sie beschloss sich beruflich neu zu orientieren. Ihr Weg: direction green! Nach einer Recherchearbeit kam die Münchnerin mit dem Thema nachhaltige Mode in Berührung und beschloss 2016 ihr eigenes Blogzine my-GREENstyle.com zu starten. Mit Unterstützung von ihrem Mann Florens und ihren gemeinsamen Töchtern Leni und Pauli schreibt Mirjam Smend dort über Lifestylethemen im Grünfilter. Über fair produzierte Mode, über Bio-Beauty-Labels, über giftfreie Sonnencremes und ihre Erlebnisse in umweltfreundlichen Boutiquehotels. Und weil Mirjam Smend im schonenden Umgang mit der Umwelt ihre große Liebe fand, gründete sie 2018 in München GREENSTYLE munich fair and conference, ein neues Messe- und Konferenzformat für nachhaltige und faire Mode.

Du bist durch Zufall über das Thema Fair Fashion und Nachhaltigkeit in der Mode gestolpert. Wie kam es dann zur Idee eines eigenen Blogs? 

Ich wollte unbedingt meine Begeisterung für diese tollen Eco Brands und ihre ebenso visionären wie kreativen Macher teilen und darüber schreiben. Bei dem Magazin, bei dem ich damals gearbeitet habe, wäre das nicht gegangen. Da war ein Blog das einfachste Tool zu publizieren und Menschen mit dem Thema zu erreichen.

Siehst du dich als Greenfluencerin? Wenn ja, was bedeutet das für dich?

Greenfluencerin hat mich die Gala mal genannt. Wann man das ist und ob ich eine bin, weiß ich gar nicht genau.

Ich gebe nicht so sehr viel auf Titel, die kommen und gehen. Aber wenn ich mir selber einen geben müsste, wäre das am ehesten Sustainable Enthusiast.

Wie willst du mit der Messe GREENSTYLE das Umweltbewusstsein der Menschen verändern? 

Das Umweltbewusstsein der Menschen ändert sich schon. Wir unterstützen nur ein bisschen. Wir wollen begeistern und nebenbei aufklären. Unser „Meet The Makers“-Konzept sorgt für Antworten auf Fragen wie „who made my clothes?“. Und hier geht es um Storytelling. „Hey, cooles Shirt“. „Hab ich mir gestern bei Z*** geholt. Oder: „“Hey, cooles Shirt“. „Danke. Und weißt Du was? Es ist aus recycelten Jeans hergestellt.“ Das macht den Unterschied zur konventionellen Mode am besten deutlich. Und auf unserer Konferenz geht es um

Wissen – die Voraussetzung für ein bewusstes Leben.

Welche Powerfrauen haben dich in den letzten Jahren inspiriert? 

Ja, ich weiß, auf der armen Greta wird viel herumgehackt und ihr weht ein rauer Wind entgegen. Aber wieviel Mut, Überzeugung und Verzweiflung gehört dazu, dass sich eine 17-jährige so engagiert! Sie hat sehr viel in Bewegung gesetzt. Endlich sagen Menschen wieder ihre Meinung. Gehen für Themen auf die Straße. Ich sage: Danke, Greta. Du bist eine echte Heldin. Sollen ihre Kritiker es doch besser machen.

 

 

Von welchen Menschen und Unternehmern lernst du gerade besonders viel? Und was konkret?

Das Tolle an dem Thema ist, dass man jeden Tag dazulernen kann. Die Nachhaltigkeit ändert sich auch ständig. Dachte man vor wenigen Jahren noch, dass wir mit Bio-Baumwolle die Welt retten können, sieht das heute schon wieder anders aus. Ich lerne jeden Tag. Im Austausch mit unseren Brands, die auf ihrem Gebiet Experten sind. Durch unsere Speaker. Durch Menschen die mir auf Messen, Konferenzen, im Alltag begegnen. Großartige Menschen, die ich nie getroffen hätte, wenn ich immer noch im Verlag sitzen würde. Da habe ich Rupert Everett, Kate Winslett und Co. interviewt. Heute darf ich mich auf inhaltlicher Ebene mit Menschen wie Magdalena Schaffrin (u.a. NEONYT/Messe Frankfurt), Deutschlands Nachhaltigkeitsakteurin No.1, austauschen.

Umweltbewusstsein geht immer auch mit bewusstem Kaufen einher. Wie hat sich dein Konsumverhalten in den letzten Jahren verändert?

Als ehemalige Moderedakteurin habe ich mehr Klamotten im Schrank, als ich jemals auftragen kann. Heute kaufe ich kaum etwas. Manchmal Second Hand, wenn ich ganz besondere Stücke sehe, so wie meine blaue Bomberjacke, die mir ständig alle abkaufen wollen. Tatsächlich werde ich aber inzwischen oft auch von Brands ausgestattet.

Ich lebe nach dem Grundsatz „buy less but better“. Das ist auch der Rat, den ich gerne geben möchte.

Wo erlebst du konkrete Veränderungen in den Köpfen der Menschen, wenn es ums Thema Nachhaltigkeit unter den Menschen?

Nach meinen Vorträgen kommen immer Menschen auf mich zu und sagen mir, wie inspirierend sie das Thema finden. Dass sie über dieses und jenes noch nie nachgedacht haben oder bestimmte Dinge nicht wussten. So zum Beispiel, dass die Jeans das schmutzigste Kleidungsstück überhaupt ist. Es gibt ein klares Interesse auch von Medienseite. Die Anfragen für Texte zum Thema Nachhaltigkeit steigen. Ich schreibe ja unter anderem für vogue.de über nachhaltige Mode. Dass Nachhaltigkeit dort ein Thema ist sagt ja schon sehr viel. Und natürlich auf der GREENSTYLE. Hier bekommen wir maximal direktes Feedback.

Ist Eco cool?

Echt jetzt?

Welche drei Tipps gibst du Freunden, die beschließen nachhaltiger zu leben?

„Stop buying stuff you don’t need“. „Buy less but better“. „Protect what you love“. Sorry, klingt auf Englisch einfach besser.

Auf was sollte man deiner Meinung nach beim Kauf von Mode und Kosmetik unbedingt achten? 

Leider auf viel zu viel, wodurch der Spaßfaktor etwas geschmälert wird. Deshalb geht am besten gleich in ausgewiesene Eco Stores. Da ist man auf der sicheren Seite. Oder man kauft Second Hand. In konventionellen Läden kommt man mit den W-Fragen gut zurecht:

Wer hat’s gemacht, was für ein Material wurde verwendet bzw. welche Inhaltsstoffe, warum brauche ich das wirklich?

Wie sieht es mit den Produktionsbedingungen aus? Gibt es irgendwelche Siegel? Fair Wear Foundation? Unbedingt auch die Verkäufer fragen. Wenn die keine Antworten haben ist das auch eine Antwort.

Was würdest du sofort ändern, wenn du einen Tag lang Superkräfte hättest?

Leider tobt das Chaos ja inzwischen überall, aber wenn Wertschätzung dauerhaft wieder eine Rolle spielen würde, würde sich vielleicht einiges zum besseren ändern.

Wohin soll deine Reise gehen? Was sind deine Visionen für die Zukunft?

Revolution, baby, revolution!

 

 

Wann fühlst du dich jung?

Wenn ich in Bars nicht gesiezt werde.

Was hält dich in Bewegung?

Meine Ziele, meine Energie, meine Visionen.

Was kannst du von deinen Töchtern lernen?

Ich sag nur „Chill mal, Mami“…

In welchen Momenten lebst du besonders unbeschwert?

Badewanne, Bett, Urlaub.

München

Was ist dir gerade ganz neu in München aufgefallen und hat dich sofort begeistert?

Wir sind hier ja ein bisschen aus der Zeit gefallen und halten an komischen Dingen fest, die das Leben nicht immer einfacher machen. Deswegen verändert sich so schnell nichts. Und deswegen gibt es auch nicht so sehr viel Neues. Aber das ist vielleicht unser Erfolgsgeheimnis.

Welche neuen Trends erlebst du in München zurzeit im Bereich nachhaltige Mode?

Trends leben wir mit der nachhaltigen Mode ja nicht so sehr. Aber ich stelle begeistert fest, dass immer wieder neue Eco Brands auftauchen, nachhaltige, superschöne Stores aufmachen, viel mehr Tausch-Partys stattfinden.

Wer sind momentan die grünen Pioniere und besten Eco-Labels in München? Und warum sollte die ganze Welt sie kennen?

Die Frage kann ich als Messeveranstalterin ganz schlecht beantworten. Ich habe ganz viele Lieblingsbrands hier in der Stadt. Von A wie AA Gold (Zero Waste Fashion) und Akjumii (das aktuelle Projekt ist noch top secret) bis V wie Vatter (ja, so sexy kann Bio-Baumwolle sein). Alle Brands, die bei uns ausstellen findet ihr hier. Ihr werdet sie lieben!

Gibt es Zero-Waste-Läden, die du in München regelmäßig besuchst?

Unverpackt- bzw. plastikfreie Läden in München sind Der plastikfreie Laden in Haidhausen (macht die Mutter meiner Blogger-Freundin Charlotte Schüler – unbedingt checken. Und der OHNE Laden in Haidhausen und Maxvorstadt. Hier bin ich aus geographischen Gründen öfter. Freue mich immer, wenn ich Mitinhaberin Chrissi Traub treffe, die auch Teil unserer Münchner Community ist.

In welchen Münchner Stores mit nachhaltiger Mode kaufst du gerne ein? Und Warum?

Da ich ja nicht mehr wirklich einkaufe, kann ich die Frage nicht richtig beantworten. Da wir aber auch Green Fashion Tours für München machen, kann man bei dieser Map alle nachhaltigen Modeläden mit verschiedenen Schwerpunkten finden – Fair Fashion, vegan, lokal etc. Da ist für jeden etwas dabei. Nicht auf der Map, aber ein traumhafter Concept Store, der auch faire Fashion führt, ist Sois Blessed in der Prannerstraße. Plus: Hier gibt’s fantastischen Kaffee und die schönsten Blumen.

 

 

Wo schnappst du dir ein schnelles, gesundes Mittagessen?

Ich habe immer meine Eco Brotbox dabei oder hole mir irgendwo eine vegane Bowl. Ich esse gerne vegetarisch, aber nicht nur. Ich mag Tofu aber – sorry altes Laster – ich liebe Würstel (fragt nicht, wieviele Bosna, Käsekrainer & Co. ich in meiner Studienzeit in Salzburg verdrückt habe). To go langen mir ein Paar Wiener Würstel (Frankfurter) und eine Breze. Herrlich ist auch ein Reissalat bei my Indigo. Eine Portion Edamame irgendwo. In München kann man an jeder Ecke lecker essen…

Ein fordernder Arbeitstag liegt hinter dir und du hast ein plötzliches Verlangen nach Frischluft und Natur: Wohin zieht es dich?

Wenn’s schnell gehen muss auf meine Terrasse. Ein Bier am Chinesischen Turm ist auch immer eine gute Wahl oder ein Picknick irgendwo im Englischen Garten. Wenn ein bisschen mehr Zeit ist: Der Sonnenuntergang am Ostufer des Starnberger Sees ist unvergleichlich, entweder mit Kulinarik beim Buchscharner Seewirt oder einfach so mit lecker Brotzeit.

 

Aus dem Bauch

Online oder Laden?

Laden.

Bus oder Fahrrad?

Ich liebe meine Gazelle, auch wenn sie nur drei Gänge hat und bald 20 wird.

Selbstgemacht oder fair gekauft?

Wenn ich Zeit habe selbstgemacht. Sonst fair gekauft.

Lässig oder herausgeputzt?

Lässig rausgeputzt.

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