#jungbleiben verbindet: Beisl-Legende Christian Wanek im Interview

Christian Wanek ist eine Wiener Institution. In seinem Lokal „Rudis Beisl“ läuft der Schmäh und zum Wiener Schnitzel, Schweinsbraten oder Tafelspitz gibt es vor allem eine herzliche Bedienung vom Chef persönlich. Im Interview erzählt er, warum ihn so viele Promis besuchen und was er machen würde, wenn er unerwartet im Lotto gewinnt.

Christian kocht nach eigenen Angaben so, als würde er privat jemanden bei sich zu Hause zum Abendessen einladen. Mit dieser Herzlichkeit und einem Händchen für gute, österreichische Hausmannskost konnte er schon mehrere Auszeichnungen – unter anderem den Titel „Bestes Beisl Österreichs“ – in renommierten Resturantguides abräumen.


Wie würdest Du jemanden Rudis Beisl beschreiben, der noch nie da gewesen ist?

Ein gmiadliches Beisl, wo Du gut essen kannst, wenn Du bodenständige, österreichische Küche magst –so wie Du sie von daheim kennst. Ich koche auch mit diesem Denken: Ich will so kochen, als würde ich Dich und deine Freundin zu mir nach Hause einladen. Wenn Du sagst, Du isst gerne Schweinsbraten, dann mach ich dir einen guten Schweinsbraten.

Warum heißt Dein Lokal eigentlich „Rudis Beisl“?

Das Beisl hieß davor schon so. Ich habe es am 1. März 2000 vom Rudi, also dem Rudolf Stark, gekauft. Davor war ich Koch und habe schon andere Lokale gehabt. Ich wohne ja in Gloggnitz und hatte früher ein Lokal in Peyerbach. Dort hatte ich fünf Jahre ein Geschäft, dazwischen habe ich dann wieder gekocht.

Das heißt, Du bist schon Dein ganzes Leben schon Gastronom?

Ich habe mit 15 Jahren Koch gelernt. Als ich ausgelernt war, bin ich ins Ausland gegangen. Meine erste Station war Holland, dann bin ich nach einem Jahr nach Spanien gegangen. In Spanien war ich dann fast fünf Jahre lang. Dort habe ich immer in kleinen Restaurants wie hier gekocht. Das hatte einen bestimmten Grund: Ich wollte von Anfang an Geld verdienen und habe dabei in Kauf genommen, die Drecksarbeit zu machen.

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Würde es Dich reizen, in einer großen Küche zu arbeiten, oder ist das überhaupt nichts für Dich?

Ja, natürlich. Ein Spruch von mir, den meine Stammgäste auch kennen: ‚Wenn ich im Lotto gewinne, dann würde ich Folgendes machen: Weil ich so viele Gänse koche, im Herbst fast drei Monate lang, lasse ich die Wiedner Hauptstraße sperren, verkleide mich als Hirte und treibe meine Gänse da herunter. Und das Zweite ist, dass ich zu allen Köchen, die mich interessieren, hingehe und mir das anschaue. Dann koch ich überall ein Jahr lang gratis. Das würde ich gerne machen. Also ich würde noch gerne einiges dazulernen.

Kochst Du überhaupt privat daheim?

Kaum. Nur an Feiertagen oder zu Weihnachten. Im Endeffekt bin ich ja hier in meinem Beisl daheim.

Wo isst Du, wenn nicht hier isst? Hast Du Lieblingslokale in Wien?

Ich gehe gern zum Eckel in der Sieveringer Straße oder zum Pfarrwirt, der auch im 19. Bezirk liegt. Beide sind eher traditionell Österreichisch. Aber ich esse auch sehr gern mediterran und Fisch, Meeresfrüchte oder Muscheln.

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Wie beschreibst Du deine Küche?

Tafelspitz, Beinfleisch, Schnitzel, Backhendl, Schweinsbraten, Enten, Kalbsstelzen. Aber ich mache genau so Tintenfisch oder Zander. Du musst in einem Beisl versuchen relativ viel abzudecken, damit sich jeder wiederfindet. Nicht zu kompliziert, aber doch abwechslungsreich.

Du setzt auf regionale Produkte und listest auf Deiner Webseite alle Lieferanten auf.

Das ist mir wichtig, ja. Einerseits wegen dem AMA-Gütesiegel, andererseits ist mir die Qualität der Produkte an sich wichtig. Ich war da ein Vorreiter, vor dem ganzen Bio-Boom. Außerdem sehen meine Gäste wenn ich eine Lieferung bekomme, wer da vorbeikommt und mir zum Beispiel die Eier bringt. Aber natürlich musst Du dir hochwertige Produkte auch leisten können. Das ist ja nicht ganz billig.

Was passiert, wenn Du zum Beispiel mal krank bist?

Dann ist zu. Früher konnte mir der Rudi noch helfen, aber mittlerweile ist einfach zu, wenn ich nicht da bin. Mehr Unterstützung habe ich eigentlich immer nur zur Gansl-Zeit.

Welche Beziehung hast Du zu Deinen Gästen? Sind Deine Gäste so etwas wie Deine Familie?

Viele, ja. Es sind jeden Tag ein paar Leute da, mit denen ich privat sehr gut befreundet bin. Mit denen gehe ich zu Fußballspielen oder woanders hin essen. Das Beisl ist ja so etwas wie meine Wohnung. Wenn Freunde vorbeikommen, besuchen die mich quasi daheim. Das ist meiner Meinung nach auch ein wenig mein Erfolgsrezept: Ich gehe sehr gerne auf die Menschen zu, trinke mit ihnen ein Achterl oder ein Schnapserl. Das gehört für mich dazu.

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Dein Beisl gilt als Promi-Treff. Wie hat sich das entwickelt?

Wir sind ja alle gleich. Und wenn Dein Freund dir erzählt „da und dort habe ich das letzte mal schlecht gegessen“, dann gehst Du sicher nicht dort hin. So funktioniert’s. Wenn der eine von einem Beisl schwärmt und das seinen Freunden erzählt, dann kommen immer mehr. In meinem alten Lokal war zum Beispiel Toni Polster schon Stammgast, der kommt jetzt halt hierher.
Aber natürlich pflege ich das auch. Die Menschen haben das gern, wenn sie sehen, dass auch bekannte Menschen hier essen. Anderen ist das wieder piepegal. Aber ich würde nicht sagen, dass das Rudis Beisl ein Promi-Lokal ist. Für mich sind alle Gäste gleich.

Fühlst Du Dich selbst schon als Promi?

Nein, eigentlich nicht. Ich verstehe, dass das zum Teil so rüberkommt. Aber ich sehe mich nicht so und auch nicht meine Gäste. Die müssen ja auch irgendwo hingehen und wollen gut essen.

Was wolltest Du schon immer in der Küche ausprobieren?

Ich wollte immer schon gern die Dinge kochen, die zum Beispiel Fabian kocht. Und wenn ich Zeit hätte, würde ich mich sofort zu ihm stellen und mit ihm sechs Monate lang kochen. Würde ich jetzt im Lotto gewinnen, würde ich jetzt schließen und einen Zettel vors Lokal hängen, dass ich jetzt sechs Monate dort koche und danach wieder aufsperre. Dann würde ich das sogar ein bisschen einfließen lassen, was ich dort gelernt habe. Beim Kochen lernst Du immer, das ist ein ununterbrochener Prozess.

Fotos: Karolin Pernegger

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