La Katz: Wenn Seide Geschichten erzählt

In wohl einem der für die Modebranche schwersten Jahre entschloss sich Laura Sänger ihr Modelabel La Katz zu starten. „Was einen nicht umbringt, macht nur härter“, könnte ihr Motto sein. Doch in vielen Dingen, scheint das Jahr 2020 das richtige für das „La Katz“-Konzept zu sein. Viele entdeckten in den Lockdowns eine neue Art von Modekonsum: Weniger ist mehr. Und zu diesem Umdenken hat Laura Sänger viel zu sagen, ist ihr Ansatz doch zeitlose Premium-Mode „cradle to cradle“ zu schaffen, die „Made in Germany“ ist. Sogar eine der letzten Färbereien in Wien hat sie gefunden, welche die vegane Seide für ihr Label veredeln.

Warum man ein Modelabel von Anfang an als Start-Up behandeln sollte und was es für Laura Sänger, die einst im Marketing-Fach Fuß fasste, bedeutete, in einer anderen Branche alles neu zu denken, hat das #jungbleiben Magazin im Interview mit ihr erfahren.

 

La Katz wurde mit einem hohen Anspruch an Nachhaltigkeit gegründet. Wie kam es dazu?

Laura Sänger: „Viel Gerede, wenig Innovation. Das war und ist der erste Ansporn. Nachhaltigkeit hat sich zu einem totalen Buzzword entwickelt und ist weder einheitlich definiert, noch reguliert. Das führt dazu, dass es von den meisten Firmen verwendet wird, um das Produkt für die Kund*Innen attraktiver zu sein, da es trendy und zeitgemäß wirkt. So haben wir besonders in der Mode ein totales Wirrwarr rund um den Begriff Nachhaltigkeit. Aber Nachhaltigkeit ist komplex und eines besonders: Ganzheitlich. Ich kann also nicht beispielsweise eine biologische Baumwolle benutzen, diese dann aber unter umweltschädlichen Bedingungen färben lassen.“

Und wo ist dann der Unterschied bei La Katz?

Laura Sänger: „Mit La Katz kreiere ich Kleidung, die nicht nur ein bisschen etwas verbessert, sondern die gesamte Wertschöpfungskette neu denkt. Der zweite Ansporn ist die Kluft zwischen nachhaltiger Mode und Ästhetik. Diejenigen, die Nachhaltigkeit ganzheitlich in ihrer Unternehmensphilosophie verankert haben, vernachlässigen oft das wofür Mode steht: Schönheit, Identität und Sehnsucht. Ich will zeigen, dass wunderschönes Design ohne Verzicht möglich ist.“

Eine brennende Frage müssen wir jetzt noch schnell klären: Wie ist der Name La Katz entstanden?

Laura Sänger: „Ein Zusammenspiel aus persönlichen Vorlieben und Pragmatismus. Ich wollte unbedingt, dass der Gepard Teil von unserem Logo und damit Teil der Identität von La Katz wird. Wer in meinem Atelier vorbei schaut, erkennt da natürlich sofort eine kleine Obsession mit Gepardenmustern. Ich liebe den alten Hollywood-Glam und fühle mich überhaupt nicht in der beigen minimalistischen Instagram Welt Zuhause, sondern dort wo es bunt, eklektisch und ein wenig opulent ist. Der Begriff Katz lehnt zwar an die Geparden an, ich habe den Namen aber immer als ästhetisch und zeitlos empfunden. Bei La Katz war tatsächlich noch die Domain frei. Das klingt furchtbar unromantisch und pragmatisch, aber eben auch ein Stückchen Realität.“

Cradle to Cradle reduziert alles ‚ungesunde‘ aber nicht einfach, sondern eliminiert es vollständig.

La Katz produziert cradle to cradle – was bedeutet das für die Produktionsschritte?

Laura Sänger: „Cradle to Cradle ist ein Designkonzept mit dem Anspruch so zu designen, dass nur gesunde Produkte bzw. Kreisläufe entstehen. Nur so kann übrigens auch recycelt werden. Das heißt, wir brauchen gesunde Ausgangsprodukte. Gesund ist erst einmal ein Wort, welches man überhaupt nicht mit Textilien assoziiert. Tatsächlich werden aber in der Textilproduktion viele Giftstoffe verwendet, angefangen bei Pestiziden, bis hin zu giftigen Chemikalien für die Veredelungsprozesse. Das sind alles Stoffe, die man nicht auf seiner Haut tragen sollte, da sie unseren Hormonhaushalt durcheinander bringen und Krebs fördern. Cradle to Cradle reduziert alles ungesunde aber nicht einfach, sondern eliminiert es vollständig. Also das schlechte nicht weniger schlecht machen, sondern ganzheitlich gut produzieren. In der Mode bedeutet das konkret der vollständige Verzicht auf Plastik und Schadstoffe. Und dies ist tatsächlich auch eine enorme Herausforderung für das eigene Design. Denn es haben sich Industriestandards etabliert. So arbeitet selbst die Luxusbranche fast nur mit Garn aus Plastik. Auch die Etiketten werden meistens aus Synthetik hergestellt. Für jede Materialkomponente muss man also einen passenden Ersatz finden, der natürlich auch dem qualitativen und ästhetischen Standard gerecht wird.“

Meine Designs und die starken Farben strahlen Dramatik aus und sind Kleidungsstücke, die Raum brauchen und ausgeführt werden wollen.

Welche Hürden gab es in der Anfangsphase?

Laura Sänger: „Corona! Das bekommt man oft von außen nicht richtig mit, aber der Virus hat die Modeindustrie ziemlich erschüttert. Es gibt Prognosen, die davon ausgehen, dass sich die Textilwirtschaft erst im Jahr 2025 bis 2026 vollständig von Corona erholt hat. Die Mode braucht Menschen die reisen, ausgehen und ihren Negroni in Italien trinken wollen. Fällt das weg, entsteht eine farblose Bequemlichkeit. Das hat wahrscheinlich besonders letztes Jahr jeder stark gespürt. Die einzigen Gewinner waren deshalb auch Jogging- und Yogahosen. Meine Designs und die starken Farben strahlen aber Dramatik aus und sind Kleidungsstücke, die Raum brauchen und ausgeführt werden wollen. Letztes Jahr im Sommer zu launchen und mit der Ungewissheit zu leben, wann das wieder möglich sein wird, war mit die größte Hürde.“

LA KATZ setzt auf Unifarben und keine Muster. Soll dadurch das Stück möglichst lange „modisch“ tragbar sein?

Laura Sänger: „Unbedingt. Klassisch und zeitlos, um die Möglichkeit zu haben, die Kleidungsstücke sehr individuell zu kombinieren. Meine Kleidung lädt dazu ein, seinen eigenen Typ zu betonen. Den Seidenmantel kann man zum Beispiel sehr elegant als Kleid mit High Heels zum Dinner tragen. Genauso sieht er aber auch fantastisch als Mantel zu Jeans, Shirt und Sneakers aus. Mit den Unifarben will ich La Katz bewusst abheben und den Fokus auch wieder stärker auf Farbe und Material setzen.“

Ich hab mir vorgestellt, irgendwann in die Galerie Lafayette in Paris zu gehen und dort den Seidenmantel zu sehen. Aufgereiht auf eine Garderobe in vielen atemberaubenden Farben.

La Katz produziert verschiedene Styles, die wie Basics funktionieren. Gibt es einen Favoriten von dir?

Laura Sänger: „Mit dem Seidenmantel begann La Katz. Ich wollte einen Kimono kreieren, der aber nicht wie Badezimmer-Seidenmantel wirkt, sondern körperbetonter ist, also eher wie ein klassischer Trench Coat. Ich hab mir vorgestellt, irgendwann in die Galerie Lafayette in Paris zu gehen und dort den Seidenmantel zu sehen. Aufgereiht auf eine Garderobe in vielen atemberaubenden Farben. Der Mantel hat für mich also einen großen emotionalen Wert.“

Wie darf man sich den Kreationsprozess bei La Katz vorstellen? 

Laura Sänger: „Design ist aber ein Prozess, an dem man sehr wächst. Wir arbeiten zur Zeit an der neuen Kollektion, die Anfang Juli launchen wird. Dabei sind Kleidungsstücke, die ich vor einen Jahr nicht hätte designen können. Sie sind – genauso wie der Mantel – sehr besonders, aber noch alltagstauglicher. Eine neue Bluse, Tops und Kleider. Wer weiß, was sich dann zu meinem Favoriten entwickelt.“

Seide ist natürlich ein besonders empfindlicher Stoff. Welche Reinigungstipps gibt es dafür?

Laura Sänger: „Wer ein paar Seidenstücke hat, für den lohnt sich ein Steamer sehr. Ein Bügeleisen kann auch schnell Falten in die Seide bügeln. Seide muss man nicht oft waschen, sondern eher wie einen Kaschmirpulli behandeln: Es reicht das Kleidungsstück auszuschütteln. Für die Waschmaschine ist dann ein spezielles Seidenwaschmittel wichtig, da sie einen anderen pH-Wert hat, als andere Textilien. Ansonsten sollte man sie lichtgeschützt lagern und auch kleine Makel akzeptieren. Das ist ein Zeichen, dass es sich um ein Naturprodukt handelt.“

Ich fühle mich von selbstbestimmten Frauen angesprochen, die mit viel Energie ihr Leben gestalten.

Die Start-Up Szene ist männlich dominiert. Gibt es Frauen, die du dir als Vorbild genommen hast?

Laura Sänger: „Zum einen würde ich mir wünschen, dass Modeunternehmen auch als Start-Up wahrgenommen werden. Die meisten Gründerinnen positionieren sich so aber leider nicht. Dabei haben wir die gleichen Herausforderungen und verbringen unsere meiste Zeit an Excel Tabellen und Kostenkalkulationen. Genau wie jeder andere Unternehmer auch. Die Start-Up Szene ist männlich dominiert und dazu können Männer sich da oft besser – im Sinne von größer – positionieren. Mode ist dazu noch mit viel Illusion versehen, kaum einer spricht darüber, wie kapitalintensiv es ist, ein Modeunternehmen zu gründen.“

Und wen gibt es im Modebereich als Vorbild?

Laura Sänger: „Ich fühle mich von selbstbestimmten Frauen angesprochen, die mit viel Energie ihr Leben gestalten. Die Modedesignerin Diane von Furstenberg ist mein Vorbild: ‚Als Mädchen wusste ich nicht, was ich später einmal machen wollte. Aber ich wusste, was für eine Frau ich sein wollte – eigenständig, unabhängig und frei. Und diese Freiheit ließ sich nur erlangen, wenn ich die volle Verantwortung für mich und mein Handeln übernahm, die Wahrheit nicht beschönigte und selbst meine beste Freundin wurde.'“

 

Fotos: La Katz

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