„Lagom“: Was uns ein schwedisches Wort lehrt

Wer skandinavisches Design mag, kennt hygge. Das Wort, das Gemütlichkeit und Wohlbehagen in den eigenen vier Wänden beschreibt, das sich über kuschelige Wohn-Accessoires oder eine Tasse Tee an einem Winterabend definiert. Ein Gefühl, das sich eben nur mit hygge beschreiben lässt. Doch es gibt noch ein anderes Wort, das die Welt gerade im Sturm erobert: Lagom.

Lagom bedeutet Balance in allen Lebenslagen. Es ist eine Lebensart, die nicht zu viel und nicht zu wenig in allem beschreibt. Und dieses Credo hat es auch geschafft, dass Schweden seit 2017 in den Top-Rängen des „World Happiness Report“ (ja, den gibt es wirklich) hebt.

Was bedeutet „lagom“?

Als ‚lah-gom‘ ausgesprochen, gibt es keine konkrete Übersetzung in eine andere Sprache. Lange nahm man an, dass das Wort aus dem Wortschatz der Wikinger entstammt. Damals bedeutete ‚laget om‘ das Teilen eines Getränks, das in einer Runde herumgereicht und von dem jeder genug erhielt. Die wahre Herkunft, ist aber wahrscheinlich das alt-schwedische Wort ‚lag‘, das Gesetz bedeutet.

 

Von der Selbstbeschränkung zur Selbstbefreiung

Im Gegensatz zu vielen minimalistischen Strömungen der Gegenwart, die ein Leben nur mit dem notwendigsten in den eigenen vier Wänden als Ziel erachten, hat ‚lagom‘ einen befreienden Charakter. Es zelebriert die Idee, dass ein Zuviel von allem zu viel Ablenkungen bietet und damit den Blick aufs Wesentliche einschränkt. Darüber hinaus setzt ‚lagom‘ auf ein Miteinander und – wie die Wikinger es schon praktizierten – ein Glaube an das Gemeinwohl.

Und genau damit unterscheidet sich ‚lagom‘ vom üblichen Minimalismus, der einen Fokus meist nur auf den eigenen Besitz legt.

Die Ressourcen des Planeten zu schonen und zu teilen, ist ebenso ein Teil der Philosophie, wie sich um jene zu kümmern und bewusst wertzuschätzen, die man liebt.

Die Weisheit des Nordens als Revolution

Aber was bedeutet ‚lagom‘ genau und wie kann man es in seinem eigenen Leben umsetzen?

  1. Entschleunigung: Die FOMO-Fear (Fear of Missing Out) ist vielen nur allzu bekannt. Sich nicht durch die Gegend hetzen zu lassen, sondern bewusst Auszeiten zu nehmen und seinen Körper zu schonen, dabei auf seine mentales Well-Being zu achten, ist einer der Grundsätze von ‚lagom‘.
  2. Ausmisten: Im Gegensatz zu den radikalen Ideen des Minimalismus (nur 100 Dinge des täglichen Bedarfs zu besitzen, etc.), liegt der Fokus bei ‚lagom‘ auf der Frage „Habe ich nicht schon genug?“. Wenn Besitz zur Belastung wird, sollte man sich davon – ressourcenschonend – trennen.
  3. Pausen machen: In der Hektik des Alltags, die beständig an unserer Substanz zehrt, liegt oft der Schlüssel. Sich bewusste Pausen einzuteilen und diese auch einzuhalten, seinen Körper und seinen Geist damit zu respektieren, ist ein großer Teil der Philosophie. Die berühmten schwedischen Pausen – meist mit einer Zimtrolle und Kaffee gekrönt – heißen fika.
  4. Sei Teil einer Gruppe: Sich zu etwas zugehörig zu fühlen und anderen Menschen zu helfen, ist nicht nur im sozialen Rahmen wichtig, sondern geht darüber hinaus auch auf die Zugehörigkeit zu unserer Umwelt über. Die Natur zu schätzen, sie bewusst wahrzunehmen und seine Auszeiten in ihr zu verbringen, ist Teil von ‚lagom‘.
28. Juni 2020
Vöslauer X Alexa X Poleit
2. Juli 2020
#jungbleiben Talks – Eva Schlegel im jungbleiben Portrait

Kommentieren

Die E-Mail Adresse wird auf der Website nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet und müssen ausgefüllt werden.