MILCH: Modedesign im Upcycling-Kreislauf

Wie sieht es aus, wenn man nicht plant eine Marke zu starten, sondern sie einfacht „passiert“? Das ist Cloed Baumgartner so gegangen. Die Mode-Visionärin hat sich in den letzten Jahren in Wien mit Aktionen wie dem MODEPALAST oder Top Swap einen Namen gemacht und ist bei all dem Trubel auch noch mit ihrem Upcycling-Label MILCH unterwegs. Ihre Kreationen aus Herrenhosen und -hemden, die zu Kleidern, Röcken und Accessoires recyclet werden, sind einzigartig.

Wie kam es zu MILCH?

MILCH war kein Wunschkind, sondern ist passiert! Ich habe bereits als Jugendliche aus vorhandenen Materialien Kleider kreiert und spätestens als meine Studienkollegen (!) in Graz auch alle so Gummizughosen und Hoodies aus gefärbter Bettwäsche haben wollten, hab ich beschlossen, dass ich ein Etikett brauche.

Und der Name?

Der Name MILCH war reine Tollerei und ist nach wie vor komplett absurd für eine Modelinie. Nach Umwegen über diverse Materialien wie Fahrradschläuchen, Reisverpackungen, Reststoffe etc. verarbeite ich inzwischen nur noch Herrenanzüge zu neuen Modellen. Da passt MILCH jetzt ganz gut als Synonym für ein Kreislauf- und Verwandlungsprodukt, wie es meine Modelinie ja ist.

Wo suchst du nach „neuem Stoff“ für die Produktion deiner Teile?

Ich beziehe Herrenanzugshosen und Herrenhemden aus einem Betrieb der Volkshilfe Wien. Das Material wird heiß gewaschen und kommt zur Weiterverwandlung in die Produktionsbetriebe. Ich habe zum Glück tolle Unterstützung in der Produktion von der Volkshilfe Merit (ein sozialökonomischer Betrieb in Wien) und von Johanna im Weinviertel. Ansonsten konzentriere ich mich auf das Entwerfen und Entwickeln von neuen Schnitten und zahlreiche andere Aktivitäten.

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Das Bewusstsein für Modekonsum gehen weit auseinander. Auf der einen Seite gibt es jene, die komplett auf Diskonter-Ware verzichten und nur nachhaltig kaufen möchten, andere – und das ist laut neuesten Umfragen die Mehrheit vor allem in der jungen Zielgruppe – beeinflusst das Wissen über Produktionsverhältnissen nicht und achten eher auf Marken-Image. Was braucht es, dass nachhaltige Mode attraktiver wird?

Gerade in Österreich gibt es zahlreiche Anbieter von lokal und nachhaltig produzierter Mode, die man in Boutiquen, auf Events und natürlich inzwischen auch vom Sofa aus im Internet kaufen kann. Stichwort: LIEBLINGSBRAND.at
Ich weiß aber aus Insiderkreisen, dass bei österreichischen Labels ein großer  Umschwung im Gange ist, weil die Nachfrage nach Bio-Materialien und lokalen Produktionsmöglichkeiten steigt. Yeah!

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Gibt es auch Alternativen zum herkömmlichen Shoppen?

Tauschen macht Spass und Sinn und befriedigt die Sehnsucht nach etwas „Neuem“ zum Anziehen über alle Maße. Hier habe ich das Event Top Swap in Wien initiiert, das mittlerweile auch von anderen veranstaltet wird.

Welche Geschäfte, sollte man als angehender Upcycling-Fan kennen?

In Graz ist es das Tagwerk, in Innsbruck der endlich* store und in Wien gibt es gleich mehrere! Zum einen Steinwidder, kontiki.or.at, km/a, mija t. rosa, FREITAG, kellerwerk (Möbel), gabarage, ruffboards (für Longboard-Fans!) und natürlich MILCH.tm

Fotos: Christina Leurer, Werner Himmelbauer, Robert Fritz

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