Stoffe, die unsere Zukunft grüner machen

Was wir auf unserem Körper tragen, hat bereits seinen Abdruck in der Welt hinterlassen, bevor wir es überhaupt das erste Mal anziehen. Vom Anbau der Baumwolle, Stoffherstellung über Transportwege in den Store. Dabei hat jedes T-Shirt aus Massenproduktion bereits zahlreiche Kilometer hinter sich gelassen. Alleine dies beeinflusst unseren Planeten. Doch wie sieht es mit der Produktion des Textils an sich aus?

Eine neue Generation an Innovatoren und Modemachern hat sich aber auf die Suche nach neuen Materialien gemacht, die übliche Stoffe in Performance und Nachhaltigkeitsfaktoren weit in den Schatten stellen können. Bei diesen Innovationen werden meist Abfälle herangezogen, um mit High Tech Lösungen neu aufbereitet und zu fantastischen Materialien umgewandelt zu werden. Damit können wir in Zukunft den gigantischen Co2-Fußabdruck unseres täglichen Modekonsums minimieren können.

Tencel

Beginnen wir mit einem faszinierenden Stoff, der sehr viel mit Österreich zu tun hat und die gesamte Welt erobert hat. Tencel, das auch unter dem Namen Lyocell bekannt ist, wird aus der Eukalyptuspflanze (sie braucht keinen Dünger und Bewässerung) gemacht. Das Holz wird in Schnipseln verarbeitet und mit Wasser aufgeweicht. Anschließend kann man sie zu Fäden spinnen. Im Vergleich mit herkömmlicher Baumwolle schneidet Tencel besser ab. Während man aus Baumwolle mit gleichem Fasereinsatz ein Shirt herstellen kann, sind es bei Tencel schon zehn Stück! Die Lenzing AG mit Stammsitz in Oberösterreich stellt Tencel für den Weltmarkt her und beliefert damit unter anderem große Modeketten. Der Produktionsprozess erhielt übrigens den „European Award for the Environment“ der EU.

 

 

Ananasleder

Die Ananas ist für ihre starke, harte Schale bekannt, die aus rauen Fasern besteht und die wir erst „weghobeln“ müssen, um an das das süße Gelb zu kommen. Die Schale bleibt dafür in der herkömmlichen Verarbeitung über, da sehr oft nur das Fruchtfleisch verwendet wird. „Was mit den Tonnen von Ananasschalen machen?“, dachte sich Forscherin Dr. Carmen Hijosa. Sie entwickelte nach zahlreichen Anläufen das Material Piñatex, das von ihrem Unternehmen (Ananas Anam) erzeugt wird. Im Gegensatz zu herkömmlichen Leder ist Piñatex vegan und lässt sich nachhaltig nach seinem Gebrauch auch wieder abbauen. Das Ananasleder ist besonders widerstandsfähig, reißfest und lässt sich auch umweltgerecht gerben.

 

Kaffeefaser

Nach dem Besuch in einem Café hatte Jason Chen die Idee den Rohstoff Kaffeesud zu nutzen. Damit macht er den Morning Espresso zum Fashion Star! Die Kaffeefaser, die aus gebrühtem Kaffeesud und recycelten PET-Flaschen hergestellt wird, stammt wird von Chens taiwanesischer Marke Singtex produziert, deren Technologie den außergewöhnlichen Stoff webt. Heute beliefert Chen Outdoor-Modemarken, wie Patagonia, North Face, Timberland, REI oder Adidas. Die reißfeste Faser hat aber neben ihren nachhaltigen Eigenschaften auch noch den angenehmen Nebeneffekt, dass sie unangenehme Körpergerüche eindämmen kann!
Ein weitere Abfall, der bei der Gewinnung der Faser entsteht – Kaffeeöl – wird von Singtex an die Kosmetikindustrie weiterverkauft. Somit wird der Kaffeesud ressourcenschonend aufbereitet und genutzt.

 

 

Nesselfaser

Wenn man an eine Brennessel denkt, kann man sich wohl kaum vorstellen, dass diese Grundlage für eine kuschelige Faser sein kann. Doch das ist seit über tausend Jahren der Fall. Einer alten Technik besinnt man sich derzeit wieder und produziert aus dem „Unkraut“ hochwertige Textilien. Bis ins 16. Jahrhundert waren Nesselfasern Grundlage für viele Stoffe. Dann verdrängte Baumwolle diese im 16. Jahrhundert vom Markt. Massentauglich wird sie heute noch nicht eingesetzt und ist noch Stoff für Mode-Connoisseur. Grund: Die Brennesselfaser kommt zum großen Teil aus Nepal, wo sie über drei Meter hoch wächst und noch von Hand geerntet und geschält wird.

Pilzleder

Ein Honigpilz namens Armillaria ostoyae im Malheur National Forst der USA mit 900 Hektor Mycelfläche ist der größte Organismus der Welt. Das alleine bezeugt schon die Vielseitigkeit und Anpassungsfähigkeit von Pilzen, die perfekt für die Anforderungen in diesem Jahrtausend geeignet sind. Sei es mit Urban Farming (siehe unserem Beitrag zu Hut & Stiel) oder im industriellen Bereich. Auf dem Vormarsch sind beispielsweise Pilzkulturen als ökologisches Dämmmaterial für Gebäude (die nach ihrem Wachstum abgetötet werden). Die schnell wachsenden Schwammerln können aber noch viel mehr, wie beispielsweise zu einem reißfesten Leder „mutieren“. Dieses wird individuell gefärbt und ist damit vom herkömmlichen Tierleder kaum zu unterscheiden. Das Unternehmen MycoWorks hat sich auf ersteres spezialisiert. Vollkommen abbaubar und mit wesentlich weniger ökologischem Aufwand als die traditionelle Lederherstellung (Tierzucht, gefährliche Chemikalien bei der Gerbung) ist das Pilzleder im Moment noch ein Nischenprodukt, könnte aber schon bald in der Modeindustrie ganz groß Fuß fassen.

 

19. Juni 2019
Nature & Yoga: 7 Spots in und rund um Wien
2. Juli 2019
Ode an die Mode – die erfrischende Vöslauer Sommeredition von Arthur Arbesser

Kommentieren

Die E-Mail Adresse wird auf der Website nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet und müssen ausgefüllt werden.