„Mit Ecken & Kanten“: Das ‚Green Lifestyle Outlet‘

Millionen Produkte werden jedes Jahr weggeworfen, obwohl sie eigentlich noch brauchbar wären. Entweder weil die Verpackung einen Fehler oder der Inhalt minimale Mängel hat. B-Ware ist an sich nicht neu, doch ein Outlet für B-Ware, die aus nachhaltiger Produktion stammt sehr wohl!

Denn auch hier entsteht Ausschuss, der erstmals einen Platz bekommt: Und zwar bei Mit Ecken & Kanten. Gründerin Jessica Könnecke zog für ihr Masterstudium nach Südschweden, wo sie die „skandinavische Lebensweise und insbesondere deren Bezug zum Thema Nachhaltigkeit“ faszinierte. Das Masterstudium für internationalen Marketing und Brand Management wurde dann auch gleich zum „Work Case“, denn in ihrer Masterarbeit beschäftigte sich Könnecke mit der „Circular Economy“. Zurück in Deutschland kam die Idee nur unperfekte bzw. B-Ware Produkte anzubieten.

Wir haben uns mit Jessica Könnecke über ihren Weg zur Unternehmerin unterhalten.

 

Wie kam die Idee ein „Green Outlet“ zu starten?

Jessica Könnecke: „Tag für Tag werden überall auf der Welt Milliarden von Produkten produziert. Viele davon schaffen es aber leider gar nicht erst in die Ladenregale, weil sie aufgrund von kleinen Schönheitsfehlern, einer beschädigten Verpackung oder einer fehlerhaften Produktionsreihe sofort aussortiert und entsorgt werden. Auch in Deutschland ist das Alltag bei den allermeisten Firmen. Für mich, Jessica, stand nach meinem Masterstudium in Schweden fest, dass ich genau dagegen ankämpfen möchte. ‚Mit Ecken und Kanten‘ ist eine Initiative, die sich gegen unsere Verschwendungsgesellschaft und für die Wertschätzung von nachhaltigen und fairen Produkten einsetzt.“

„Mit Ecken und Kanten“-Gründerin Jessica Könnecke

Gab es Anfangsschwierigkeiten?

Jessica Könnecke: „Klar gab es auch bei mir Anfangsschwierigkeiten. Ich hatte gerade am Anfang viele Zweifel, wie mein Konzept angenommen wird und ob sich überhaupt jemand dafür interessieren würde. Außerdem war mir Anfang natürlich auch nicht klar, wie ich überhaupt einen Online-Shop aufbaue. Das war dann letztendlich alles ‚learning by doing‘. Ich bin generell ein großer Fan davon.“

 

Die Produkte bei „Mit Ecken & Kanten“ sind B-Ware. Welchen Kriterien müssen sie entsprechen, um in den Shop zu kommen?

Jessica Könnecke: „Genau, wir verkaufen bei uns im Shop Produkte, die aufgrund von kleinen Schönheitsfehlern, einer beschädigten Verpackung oder eines Sortimentswechsels aussortiert werden. Wir kooperieren bewusst nur mit nachhaltigen Unternehmen, weil wir der Meinung sind, dass unser Konsum von billiger Massenware so nicht mehr vertretbar ist. Alle Produkte werden von uns sorgfältig ausgesucht und bevorzugt von deutschen und regionalen Unternehmen bezogen. Unsere Produkte müssen außerdem noch in einem Zustand sein, welcher sicherstellt, dass man das Produkt noch verwenden kann, es also nicht kaputt ist.“

 

Ich habe während meines Studiums oft wahrgenommen, dass für viele Studierende nachhaltige Produkte leider meistens außerhalb ihres finanziellen Spielrahmens liegen. Ich möchte mit meinem Unternehmen nachhaltige Produkte für jeden zugänglich machen.

 

Second-Hand und Nachhaltigkeit sind stark im Wachsen. Ist es noch ein „Nischenprogramm“ oder verbreitert sich bei euch die Kundschaft?

Jessica Könnecke: „Immer mehr Menschen entscheiden sich bewusst dazu, ihren Alltag nachhaltig zu gestalten und zu hinterfragen, wo die Produkte herkommen und wie diese produziert werden. Wir bieten mit unserem Konzept eine weitere Alternative zu Second Hand und Co. Wir bekommen oft die Rückmeldung, dass wir für viele unserer Kunden Anlaufstelle für Produkte sind, die man eben nicht Second Hand kaufen kann, wie zum Beispiel Unterwäsche, Naturkosmetik und Trinkflaschen. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten auch in Zukunft weiter steigen wird, weil immer mehr Menschen verstehen, dass wir unser Konsumverhalten ändern müssen.“

Welches ist gerade dein Lieblingsprodukt im Shop?

Jessica Könnecke: „Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten! Ich mag erlich textil sehr gerne, weil die Qualität der Produkte super ist und sie sich auch toll auf der Haut anfühlen.“

Wie sehen die Zukunftspläne für „Mit Ecken und Kanten“ aus?

Jessica Könnecke: „Wir werden Ende des Jahres mit unserem Büro und Lager umziehen, weil unseres mittlerweile zu klein geworden ist. Nächstes Jahr werden wir die Öffnungszeiten unseres Ladens in Nürnberg erweitern. Langfristig habe ich die Vision auch in anderen Städten Läden zu eröffnen.“

 

 

Fotos: Julia Stiller

 

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