Doing Circular: Recycling meets Social Entrepreneurship

Mit Face Shields, die aus recyceltem Plastik gegossen und mit PET-Flaschen (als Visier) in kürzester Zeit einsatzbereit waren, hat sich das Start-up Plasticpreneur aus Wiener Neustadt in diesen Wochen einen Namen gemacht. Noch dazu, weil die Pläne für das Face Shield als Open Source zugänglich gemacht wurden. Die Anfragen aus aller Welt ließen nicht lange auf sich warten, hat Plasticpreneur bzw. Doing Circular es doch geschafft für ein komplexes Problem eine leicht anwendbare, nachhaltige Maschine zu entwickeln, die ermöglicht aus  altem Plastik neue Produkte entstehen zu lassen.

 

Dabei hat die Reise mit der Gründung des eigenen Unternehmen Doing Circular erst dieses Jahr gestartet. Das Ziel: Plastik nach seiner Verwendung wieder für neue Dinge verwenden zu können und den Zugang zu dieser „Umgestaltung“ möglichst einfach und leicht bedienbar zu machen. Was in Uganda mit Rechenschiebern oder Linealen aus recyceltem Plastik gestartet wurde, ist mittlerweile in über 30 Ländern vertreten.

Vor allem die Komponenten Kunststoffrecycling mit Social Entrepreneurship Skills zu verknüpfen, ist uns wichtig.“

 

#jungbleiben Magazin hat mit Co-Founder Sören Lex über die Herausforderungen an ein Start-up in einer sich rasant verändernden Welt gesprochen.

 

Wie ist Doing Circular entstanden?

Sören Lex: „Raphaela [Egger], Florian [Mikl] und Boris [Rauter], meine Co-Founder waren Anfangs ‚Zulieferer‘ für mein Projekt und Einzelunternehmer. Nach kürzester Zeit hat sich jedoch herausgestellt, dass Werte, Inhalte und Motivationen – und die Zusammenarbeit weit über eine ‚Lieferanten-Kundenbeziehung‘ gehen. Und so sind wir rasch zu einem Team zusammengewachsen. Im Jänner 2020 wurde dann eine gemeinsame Gmbh gegründet. Die Grundidee ist allerdings 2016 während einem Urlaub mit meiner Frau Marcella in Uganda entstanden. Nach der Reise haben sich kleine Mikrokreditprojekte, finanziert von engen Freunden und Familie ergeben. Diese haben dann mehr und mehr zum Thema Kunststoffrecycling geführt, bis wir nach ein paar Reisen später die ersten Prototypen Maschinen in Uganda entwickelt haben. Aus dem Potenzial, das wir dort gesehen haben, hat sich dann die wirkliche Produktentwicklung der plasticpreneur Maschinen ergeben. Vor allem die Komponente Kunststoffrecycling mit Social Entrepreneurship Skills zu verknüpfen, ist uns wichtig.“

Von Uganda aus startete das österreichische Start-up und entwickelte seine Maschine, um aus Plastikresten neue Produkte herzustellen.

Welche Hürden galt es anfangs zu meistern?

Sören Lex: „Ganz am Anfang – das richtige Team mit den notwendigen Kompetenzen und Visionen zu finden. Sobald das dar war, mussten wir die Produktentwicklung so gestalten, dass die Maschinen wirklich funktionieren und all unseren perfektionistischen Anforderungen entsprechen. Dank diverser Förderungen konnte dies zum Großteil erreicht werden.“

Produkte, wie Lineale oder Rechenschieber können aus zerkleinertem Plastikmüll hergestellt werden.

Doing Circular hat innerhalb kürzester Zeit die Möglichkeit entwickelt Face Shields zu produzieren. Wie wichtig ist es sich in der heutigen Zeit an neue Begebenheiten als Unternehmen anzupassen?

Sören Lex: „Ja, wir haben das innerhalb kürzester Zeit entwickelt – und seitdem geht’s bei uns rund. Hätten wir uns den Gegebenheiten nicht angepasst, würde es uns in diesem Ausmaß sicher nicht geben. Somit ist das extrem wichtig sich anzupassen – was natürlich als agiles Start-up einfacher möglich und umzusetzen ist. Aber es hat auch gezeigt, wie wichtig ein gutes Team, professionelle Lieferanten und Netzwerke sind. Ohne diesen hätten wir alles nie so schnell anpassen können. Es hat sich also voll ausgezahlt die letzten Monate mehr auf Kunden-Lieferantenbeziehungen und Qualität zu setzen und nicht einfach immer nur das ‚billigste‘ zu nehmen. Dadurch waren wir gut gerüstet für eine rasche Umsetzung.“

Doing Circular recycelt alte Stoffe und fertigt aus diesen neue Produkte. Welche Unternehmen und Institutionen sollten eine Recycling Maschine haben?

Sören Lex: „Die unterschiedlichsten. Öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Universitäten, Bürgerzentren etc. um das Bewusstsein zu schaffen. Aus ‚Abfall‘ sollen schließlich neue Produkte entstehen, somit Jobs und selbsttragende Projekte und Unternehmen geschaffen werden. Der simple, dezentrale Produktionsgedanke spielt hier eine große Rolle.“

Doing Circular ist in 28 Ländern vertreten, fertigt unter anderem in Uganda Rechenschieber für Schulen: Welche Projekte stehen als nächstes an?

Sören Lex: „Mittlerweile sind wir wahrscheinlich in über 35 Ländern vertreten, was einfach cool ist, weil es die Mischung zwischen Globalisierung und globalen Vernetztsein kombiniert. Die nächsten Projekte sind weiter sinnvolle Produktanwendungen zu entwickeln, wie beispielsweise kleine Windturbinen und Wasserräder zur Stromerzeugung. Dazu kommen Prothesen, etc. Der Communityaufbau ist uns besonders wichtig. Es ist auch unser Ziel in Österreich mehr Fuß zu fassen. Wir haben immerhin einen Exportanteil von ca. 98 Prozent.“

 

 

 

Fotos: Plasticpreneur, Doing Circular

 

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