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Schafe im Weingarten: Fred Loimer über Biodynamik

Im Kamptal gelegen, ist das Weingut Loimer einer der ersten Österreichs gewesen, die sich dem biodynamischen Weinbau verschrieben haben. Hier reifen die Weine noch in Holzfässern und in den Weingärten darf sich die Natur ausbreiten. Eine Rarität, die man auch schmeckt, wie Fred Loimer uns im Interview erzählt.

 

Worin unterscheidet sich ein Weingarten des Weinguts Loimer von einem „üblichen“ Weingarten?

Fred Loimer: „Ausgeglichenes Wachstum, sichtbare Jahreszeiten, wie die Farben der Blätter im Frühjahr-Sommer-Herbst, eine blühende Rebgasse durch vielfältige Begrünung in die nur wenig eingegriffen wird, Kompost unter den Rebstöcken im Herbst, wuchernde Raine und Böschungen als wichtige Lebensräume von Insekten, immer wieder Brachflächen zur Nützlingsförderung und bei jedem Weingarten mindestens ein Baum.“

Welchen Herausforderungen stellt man sich im Weinbau, wenn man ganzheitlich und nachhaltig arbeiten möchte?

Fred Loimer: „Zuerst muss man sich seiner Ressourcen bewusst werden. Die Idee der biologisch-dynamischen Landwirtschaft ist ja die sogenannte Hofindividualität. Also seinen ‚Bauernhof‘ als lebendigen Organismus zu betrachten der all das produziert, was für eine gesunde Landwirtschaft benötigt wird. Eine Kreislaufwirtschaft in einer modernen Ökonomie aufzubauen, ist nicht immer einfach. Alles am eigenen Hof vorzufinden in einem ’spezialisierten‘ Weingut auch eine große Herausforderung. Aber der Weg ist das Ziel und so verbessern wir uns Schritt für Schritt und Jahr für Jahr.“

Fred Loimer

Dieser Respekt vor dem Boden ist sicher der größte Unterschied zur klassischen Landwirtschaft.

Wie sieht konkret das biodynamische Arbeiten im Weingut aus? 

Fred Loimer: „Die beiden großen Bereiche Düngung und Pflanzenpflege sind die augenscheinlichsten Unterschiede im Weingarten. Eigener Kompost zur Düngung und Aufbau eines gesunden lebendigen Bodenlebens durch vielfältige Begrünungen. Der Boden als lebendiger Organismus, der fühlt und denkt. Er ist die wichtigste Ressource nicht nur in der Landwirtschaft, sondern für die Menschheit an sich. Dieser Respekt vor dem Boden ist sicher der größte Unterschied zur klassischen Landwirtschaft. Weniger schwere Maschinen, kein tiefes ‚Umgraben‘, Schutz durch Bedeckung. Die Handarbeit am Rebstock ist dabei auch ein wichtiger Bestandteil zur Erhaltung der Pflanzengesundheit. Es gilt alles zu unternehmen, bevor mit Schwefel und Kupfer die Reben vor Mehltau geschützt werden müssen, denn Pestizide sind verboten! Zeit ist im biologisch-dynamischen Weingarten ein kritischer Faktor, Vieles muss ‚on time‘ passieren.“

Der Wein wird mit so wenig Intervention wie nur denkbar ausgebaut. So erhält er seine Ursprünglichkeit und entwickelt seine Individualität.

Darüber hinaus ist das Arbeiten auf einem biodynamischen Hof von der Idee der Hofindividualität geprägt. Reduce – Reuse – Recycle steht über allen Überlegungen.

Fred Loimer: „Im Keller vertraut man dann auf die vorhandenen Mikroorganismen. Hefen werden nicht zugekauft, sondern es wird mit den eigenen gearbeitet. Schönungen und andere Technologien werden nicht verwendet. Der Wein wird mit sowenig Intervention wie nur denkbar ausgebaut. So erhält er seine Ursprünglichkeit und entwickelt seine Individualität. Nicht Technik- und Technologiegläubigkeit, sondern Vertrauen in die eigenen Ressourcen bestimmen die Arbeitsweise. So eine Art von Weinmachen braucht Zeit. Zeit wird somit im Keller zum wichtigsten Helfer.“

Worauf darf man sich bei einem biodynamischen Wein freuen?

Fred Loimer: „Für Ausgleich sorgen, ist die wichtigste Aufgabe im Weingarten und Keller. Diese Balance ist in den Weinen riech-, schmeck- und spürbar. Biodynamische Weine berühren durch Lebendigkeit, Ursprünglichkeit und Individualität. Sie entfalten sich mit Luft und entwickeln sich positiv im Glas. Nicht primäre Duftigkeit sondern vielschichtige Aromen, Tiefe und langanhaltender Geschmack zeichnen sie aus.“

Wie sollte die Zukunft des Weinbaus aussehen, um einen umweltfreundlichen Beitrag zu gewährleisten?

Fred Loimer: „Ökologischer Landbau muss die Landwirtschaft der Zukunft sein. Es ist zwar nicht allumfassendes Allheilmittel aber sie wird der zukünftige Mindeststandard sein müssen. Natürlich soll diese Form der Landwirtschaft weiterentwickelt werden und die Erkenntnisse einer modernen Agrarökologie einfließen. Aber Nachhaltigkeit, wie sie derzeit in vielen Bereichen beschrieben und zertifiziert wird, ist mit Sicherheit viel zu wenig und leider sehr oft nur Greenwashing. So wie die Schulmedizin einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt, muss auch die Landwirtschaft alle natürlichen Ressourcen zuerst ausschöpfen, bevor in die natürlichen Systeme eingegriffen wird. Österreich könnte mit einer noch immer vorhandenen, bäuerlichen Struktur zum Vorreiter einer modernen Landwirtschaft im Sinne der Ökologie und Nachhaltigkeit werden.“

 

Fotos: Weingut Loimer GmbH

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