„Schwimmender Salon“: Intendantin Angelika Hager über den „idealen, theatralischen Ort“

Das Thermalbad Vöslau als Sommerfrische-Oase vor den Toren Wiens ist aber nicht nur durch sein historisches Ambiente, sondern auch durch illustre Gäste aus der Theater- und Filmwelt bekannt, die jedes Jahr in lauen Sommernächten beim „Schwimmenden Salon“ ausgewählte Schätze der Literaturwelt lesen. 

Journalistin und Autorin Angelika Hager hatte an einem Badetag die Idee das Thermalbad zur Bühne eines besonderen Festivals zu lassen. Heute ist sie Intendantin des „Schwimmenden Salons“ und holt die bekannte Gesichter in den Sommermonaten auf die Bühne im Grünen Becken.

Wie ist es zum Schwimmenden Salon gekommen?

Angelika Hager: Ich bekam von Vöslauer die Einladung, in meiner Funktion als Polly Adler einen Roman zu schreiben, der im Thermalbad spielt. Einen Sommer lang durfte ich mich vor Ort inspirieren lassen. Bei der Arbeit an „Wer jung bleiben will, muss früh damit anfangen” erlag ich komplett der Magie dieses Ortes. Beim täglichen Schwimmen hatte ich dann die Idee, hier vielleicht ein Festival vorzuschlagen. Die Insel im Quellbecken erschien mir als der ideale theatralische Ort. Wir begannen mit kleinen, kuscheligen Lesungen. Das Publikum ist von Anfang an extrem toll mitgegangen

Angelika Hager (Foto: Rafaela Pröll)

Welche Schwerpunkte gibt es 2017? Worauf dürfen wir uns besonders freuen? Und vor allem: Worauf freuen Sie sich?

Angelika Hager: Ich freue mich auf jeden einzelnen Künstler. Die Abende mit Salon-Veteranen wie Maria Happel, Robert Palfrader, Christoph Grissemann und Philipp Hochmaier sind inzwischen quasi für uns schon Familienveranstaltungen – das sind Freunde des Hauses geworden. Spannend und auch provokativ ist sicher der Auftritt von Harald Schmidt, der aus Michel Houellebecqs „Unterwerfung“ lesen wird. Maria Bills Hommage an Paris und seine Künstler wird sicherlich emotional so bewegend wie ihr letzter Auftritt mit „Goodybe Berlin“. Das Duo Petra von Morzé und Manuel Rubey wird Arthur Schnitzler auf eine besondere Art erfahrbar machen.

Die kleine Insel inmitten des Thermalbads wird beim Schwimmenden Salon auch eingebaut. Wie kam es zur Idee die Bühne genau dort zu platzieren?

Angelika Hager: Da war die Natur der Dramaturg, das drängte sich nahezu auf. Aber inzwischen sitzt dort das Publikum, das inzwischen so gewachsen ist, dass wir die Bühne ins Wasser verlegen mussten.

Claus Peymann hat 2016 aus Thomas Bernhards „Holzfällen“ gelesen, Sunnyi Melles aus den Memoiren der Schauspielerin Sarah Bernhardts. Das sind große Namen der Theaterwelt. Was gefällt dieser so besonders am Thermalbad?

Angelika Hager: Es ist die Kombination von magischer Atmosphäre, einem ungewöhnlichen Ort und einem künstlerischen Programm, das ich wie einen Maßanzug für den jeweiligen Künstler schneidere. Wir arbeiten nicht mit Fertigkost. Festivals, wo fertige Programme eingekauft werden, gibt es bereits genügend. Aber ich überlege mir sehr lang, welcher Text und welche Art von Literatur auf welchen Menschen exakt passen. Das heißt, im Schwimmenden Salon erlebt das Publikum Unikate. Und die Künstler schätzen die Leidenschaft und die Liebe, die die gesamte Crew (von Thermalbad Marketingleiterin Birgit Aichinger und PR-Leiterin Sandra Bascha von Vöslauer, die das Festival überhaupt ermöglichen, über die Leiterin des Thermalbads Carina Eichberger bis zu jedem einzelnen Bademeister, der mithilft) erfasst. Das ist spürbar, dass wir da alle an einem Strang ziehen und uns die Arbeit großen Spaß macht.

Wie kann man den Schwimmenden Salon jemandem beschreiben, der ihn noch nie besucht hat?

Angelika Hager: Jahrhundertwende-Flair an einem magischen Platz, wo die besten darstellenden  Künstler des Landes maßgemachte Texte performen. Und vorher kann man noch seine Runden im Quellbecken ziehen und einen Drink in der Kabane 21 nehmen, um sich auf die Literatur einzustimmen.

 

Das genaue Programm und die Ticket-Buchungsmöglichkeiten, findet man auf der Website des Thermalbads.

Titelfoto: Katharina Schiffl

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