Selfmade Woman: Interior-Designerin Kristina Steinmetz

DIY-Bloggerin und Interior-Designerin Kristina Steinmetz hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Ihre Hacks sind Pinterest-Gold, ihr Haus, das sie in Kanada gerade renoviert eine Inspirationsquelle für viele, die das Optimum aus ihrem Heim machen möchten. Und wenn sie nicht gerade selbst andere inspiriert, ist sie selbst auf Social Media Portalen unterwegs. Das #jungbleiben Magazin hat einen Blick über den großen Teich geworfen. Mehr dazu gibt es in unserem Interview zu lesen!

Du hast zahlreiche DIYs auf deinem Blog ICHDESIGNER bereits umgesetzt. Welches ist dein Favorit und an welchem arbeitest du gerade bzw. ist in Planung?

Kristina Steinmetz: Einen Liebling rauszupicken ist echt schwierig. Ich bin stolz auf meine komplexeren DIYs, wie die Leuchten, die ich gebaut habe oder auch mein Hocker, für den ich mit Bauschaum experimentiert habe. Interessanterweise sind aber die einfachsten DIYs die beliebtesten und wurden tatsächlich schon millionenfach geteilt und in Magazinen auf der ganzen Welt veröffentlicht. Drei meiner IKEA Hacks sind mit Abstand die meistgelesensten Posts auf meinem Blog. In einem habe ich einfach nur ein Lattenrost an die Wand gehängt und als Aufbewahrung genutzt. Ist schon fast peinlich, dass überhaupt ein „DIY“ zu nennen. Die Architectural Digest hat es jedenfalls als einen der besten IKEA-Hacks aller Zeiten bezeichnet. Aktuell renovieren wir unser Haus in Kanada, deswegen gibt es viele DIY-Renovierungsbeiträge mit Einbaumöbeln und Wandverkleidungen.

Was würdest du all jenen raten, die noch nie selber zu Säge und Pinsel gegriffen haben? Mit welchem Projekt sollte man anfangen?

Kristina Steinmetz: Viele Projekte lassen sich auch mit zwei linken Händen und ohne viel Werkzeug oder Maschinen verwirklichen. Solange man Spaß dabei hat, ist es wurscht wie es aussieht und auf welchem Weg man es kreiert hat. DIY bedeutet auch nicht, dass Du etwas von Grund auf selbst bauen musst. Ich finde es spannend mit Dingen zu arbeiten, die man da hat. Das kann ein alter Stuhl sein, dem man einen neuen Bezug verpassen könnte oder eine olle Vase, die man mit Sprühfarbe verändern kann.

„In Gebrauchtwarenkaufhäusern, dem Sperrmüll oder auf Flohmärkten findet man Schätze, die es Wert sind, ihnen ein neues Leben einzuhauchen. Das schont nicht nur den Geldbeutel, sondern ist auch noch nachhaltig.“

Du bist von Deutschland nach Kanada umgezogen, hast mit deinem Mann ein Haus gekauft und renovierst es gerade. Welche Herausforderungen hattet ihr bis jetzt dabei?

Kristina Steinmetz: Häuser in Nordamerika sind komplett anders als in Deutschland. Ich habe ja in Deutschland Architektur studiert und wir haben dort auch schon Häuser renoviert, also kann ich den Unterschied wirklich sehr gut einschätzen. Ich sage immer spaßeshalber, dass hier in Nordamerika die Wände aus Pappe sind. Das stimmt so natürlich nicht, aber Stein auf Stein, Beton und Dachziegel sind hier eine GANZ große Seltenheit. Alles ist aus Holz oder Gipskarton. Es gibt ein „formal dining room“, ein „formal living room“ und dann noch einen extra „family room“. Und am besten hat jedes Schlafzimmer auch noch sein eigenes Bad. Schlafzimmer darf sich auch nur nennen, was einen Einbauschrank hat.

Was gibt es noch für Unterschiede in puncto Wohnen zwischen „Deutschland vs. Kanada“? 

Kristina Steinmetz: Die DIY-Kultur ist hier viel stärker ausgeprägt und die Menschen geben viel mehr Geld aus für Dinge wie Einbauten, Maßanfertigungen und andere Extras. Ich muss sagen, dadurch dass hier eben alles aus Holz und Gipskarton ist, lassen sich Projekte auch viel einfacher und schneller selbst umsetzen. In meinem ganzen Leben habe ich noch nicht so viel lackiert und gestrichen wie hier. Wir haben beispielsweise unsere Küche selbst umlackiert. Hat uns „nur“ knappe 170 Stunden Arbeit gekostet, aber die Küche sieht aus wie neu. Außerdem habe ich eine Küchenarbeitsplatte aus Marmor anfertigen lassen und werde im Master Bathroom vielleicht auch Waschtische mit Marmor einbauen. Sowas hätten wir in Deutschland nie gemacht!
Für uns ist es hier wie im Paradies! Das Renovieren ist anstrengend und wir lernen täglich dazu, aber wir haben uns schnell angepasst und im Kopf plane ich schon wie unser nächstes Haus aussehen könnte.

Welches Zimmer steht in deinem Haus als nächstes an?

Kristina Steinmetz: Wir sind im Endspurt und zum ersten Mal nach gut eineinhalb Jahren können wir die Ziellinie sehen. Da wir alles selbst machen, dauert es eben etwas länger. Wir renovieren Raum für Raum und haben noch den „Powder Room“ (das Gäste WC), das Treppenhaus, den Eingangsbereich, den Flur im Obergeschoss und das Master Bathroom auf der Liste. Wir haben uns vorgenommen bis Ende des Jahres alles fertig zu kriegen. Im Sommer waren wir etwas faul, da wir lieber die kanadische Wildnis beim Kanufahren erkundet haben, anstatt drinnen zu renovieren. Das müssen wir jetzt wieder aufholen. Wir sitzen gerade an dem Schlachtplan, mit welchem Raum wir weitermachen.

Was würdest du all jenen raten, die in der Interior-Branche arbeiten möchten?

Kristina Steinmetz: Für mich ist es der schönste Beruf der Welt. Ich bin wirklich dankbar dafür, mit so viel Spaß und Liebe zum Beruf Geld zu verdienen. Aber die Konkurrenz ist groß, hier noch viel mehr als in Deutschland. Ich kann jedem nur raten, so viel praktische Erfahrung wie möglich zu sammeln und sich auch mal die Hände dreckig zu machen. Ich habe monatelang auf Baustellen mitgearbeitet: Als Maurer, Stahlbetonarbeiter, Zimmermann, Dachdecker. Interior Designer werden auf Baustellen oft belächelt. Gerade als Frau muss man sich leider auf Baustellen immer beweisen und sich Respekt verschaffen. Da kann es nicht schaden, wenn man weiß, wie der Hase läuft. Außerdem kann ich raten, an Wettbewerben teilzunehmen. Das habe ich von Anfang an gemacht und auch die meisten Wettbewerbe gewonnen. Sowas öffnet einem viele Türen.

Kristinas Tischchen ist ein DIY.

Wie hast du deine Karriere begonnen?

Kristina Steinmetz: Schon während dem Studium habe ich mich selbständig machen können und bin es seitdem auch geblieben. Natürlich sollte man als Interior Designer eine kreative Ader aber auch ein technisches Verständnis haben. Zu den wichtigsten Eigenschaften zählen außerdem Empathie, Durchsetzungsfähigkeit, Beharrlichkeit, Selbstbewusstsein und Disziplin. Auf meinem Blog habe ich die Rubrik „Business Tips“, die schon vielen geholfen hat, ihren Weg zu finden. Bevor ich ausgewandert bin, habe ich an der Architektenkammer Berlin Existenzgründerseminare für andere Architekten, Innenarchitekten und Interior Designer gegeben. Das kam so gut an, dass ich gerade dabei bin, dieses Seminar so aufzubereiten, dass man es online machen kann. Ich plane außerdem auch, mit jedem Teilnehmer persönlich über Skype zu sprechen und zu beraten. Ich habe so viel gelernt und möchte das gerne weiter geben.

Welcher Interior-Designer oder -Designerin ist Inspirationsquelle für dich?

Kristina Steinmetz: Ich hatte noch nie Vorbilder. Aber als ganz große Inspirationsquelle dienen mir Pinterest und Interior Magazine. Ich kann Stunden mit Schmöckern und Pinnen verbringen, was wiederum nicht förderlich für unsere Renovierung ist!

 

Fotos: Kristina Steinmetz
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