Featured by Forward >> Stefan Sagmeisters Geheimnis für gute Ideen.

Stefan Sagmeister ist sicher einer der innovativsten und inspirierendsten Designer und Graphiker. Als „Philosoph unter den Designern“ bekannt,  gestaltet er nicht nur Covers für The Rolling Stones, Jay Z, David Byrne und OK Go, sondern initiiert immer wieder spannende Kommunikationsprojekte. Mit seiner beruflichen Partnerin Jessica Walsh ist er als SAGMEISTER & WALSH Kreativ-Fixstern unter den Agenturen.

Wenn der Wahl-New Yorker Stefan Sagmeister nicht gerade neue Impulse in der Werbewelt setzt, beantwortet er in der „Featured by Forward“-Serie auch Fragen über seine Kindheit in einem Modehaus, über die Frage, wie man auffällt und wieso sogar Bettdecken zur Inspiration taugen. Aber beginnen wir das Interview mal mit einem kurzen Word-Rap zum Aufwärmen:

 

Touchscreen oder Stift?

Bleistift.

Photoshop oder InDesign?

Bleistift.

Bildschirm oder Print?

Bleistift.

 

Ihre Familie betreibt seit mehreren Generationen das Modehaus SAGMEISTER in Bregenz. Wie sind Sie aufgewachsen?

Ich habe mit drei Schwestern und zwei Brüdern direkt über dem Geschäft gewohnt. Meistens ging es dann auch am Mittags- und Abendtisch um die Firma. Das mochte ich nie. Ich hab mich eher an meinen Großvater gehalten, er hat mich stärker geprägt und inspiriert: Er war Schildermaler, seine Entwürfe und Zeichnungen hingen überall in der Wohnung rum.

Mode hat viel mit Schönheit zu tun. Hat ihre Familie Wert darauf gelegt, wie Sie als Kind angezogen waren?

Auf jeden Fall; und natürlich habe ich dagegen rebelliert. Ich war halb Hippie, halb Grunge, habe alte Pullis und noch ältere Jacken getragen. Meine Mutter war darüber nicht besonders glücklich.

 

Ihre Vorarlbergerischte Eigenschaft?

Dinge zu verbessern nur um des Spaßes willen, den das Verbessern bereitet.

 

Als Teenager sind Sie nach Wien gezogen um eine Grafikdesign-Ausbildung zu beginnen. Wieso haben Sie sich für diesen Weg entschieden?

Zu dieser Zeit faszinierten mich die Cover von Musikalben. Ich dachte: Das wäre doch eine tolle Sache, daraus einen Beruf zu machen. Da meine beiden älteren Brüder bereits im Modehaus tätig waren, war es leichter, meine Eltern davon zu überzeugen, dass ich etwas anderes mache.

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie besser sind als die Kollegen?

Nie.

 

 

Die beste Reaktion auf ein Kompliment: “Ich weiß.”?

“Vielen Dank, das ist nett von Ihnen.”

 

Hat Sie ihre Jugend in Österreich gut auf das vorbereitet, was dann kommen sollte?

Obwohl ich New York liebe und seit 20 Jahren hier lebe, bin ich immer noch Österreicher und – vielleicht noch wichtiger – fühle mich sehr österreichisch.

Ich habe den größten Teil meiner Ausbildung, bis ich 24 war, hier erhalten. Während dieser Zeit war mein Gehirn noch nicht ausgewachsen; ich glaube, deshalb war es die prägendste meines Lebens. Viele meiner besten Freundschaften sind damals entstanden.

 

Was macht gutes Grafikdesign aus?

Es funktioniert und erfreut den Nutzer.

 

Nach dem Studium haben Sie für Design- und Werbeagenturen in New York und Hongkong gearbeitet. Mit 30 machten Sie ihr eigenes Ding in New York auf.

Wir starteten das Studio mit der klaren Absicht, Design für Musik zu entwerfen.

 

 

 

Ihr größter unerwarteter Erfolg?

Der Happy Film.

Wir schafften es mit unserem allerersten Werk ins Tribeca Film Festival, in viele Kinos in vielen Ländern und bekamen tolle Kritiken.

 

Ihr größter unerwarteter Misserfolg?

Der Happy Film.

Kein Auftrag hat mir je solch profunde Perioden voll Verzweiflung bereitet wie das Machen dieses Films.

Die sieben zermürbenden Jahre, die er gebraucht hat, waren so viel härter, teurer und zeitaufwändiger, als wir uns vorgestellt haben.

 

Gutes Design sollte Trends überleben.

 

Das schlimmste Logo, das je irgendwo in Österreich gehangen ist?

Mich interessiert mehr das schönste. Ich habe immer schon das Logo der Wiener Textilfirma Gans geliebt.

 

 

Wie kommen Sie auf Ideen?

Die Technik, die ich am Häufigsten anwende, stammt vom Maltesischen Philosophen Edward DeBono: Er rät, von einem zufälligen Objekt auszugehen, um eine Idee zu finden. Sagen wir, ich soll einen Stift designen. Ich könnte mir jetzt alle anderen Stifte anschauen und darüber nachzudenken, wie Stifte verwendet werden und wer meine Zielgruppe ist. Stattdessen verwende ich aber – was gibt es hier im Hotelzimmer? – sagen wir: Bettdecken…

 

…um über Stifte nachzudenken?

Genau. Also, Bettdecken in Hotels sind … nicht die saubersten, sie sind voll mit Bakterien … Ahh, wäre es möglich, einen schwarzen Stift zu designen, der thermo-sensitiv ist? Der die Farbe dort ändert, wo ich ihn berühre? Das könnte doch ganz cool sein – nicht so schlecht, dafür, dass ich gerade nur 30 Sekunden nachgedacht habe.

 

Wieso funktioniert DeBonos Methode so effektiv?

Das Gehirn muss von einem anderen, neuen Punkt zu denken beginnen. Dadurch kann es nicht in übliche Muster fallen.

 

Woher wissen Sie, dass ein Entwurf fertig ist?

Wenn der Bote schon unten am Empfang auf deinen Entwurf wartet.

 

Eine Idee ist gut, wenn sie mein Herz berührt.

 

Ihr kreativster Moment im Laufe des Tages?

Wenn es passiert, dass die Ideen fließen, dann ist das wahrscheinlich:

morgens.

 

Ich kuratiere mein Leben nicht. Ich versuche es zu leben.

 

Zuerst haben Sie eine einen Film dann eine Ausstellung über Glück gemacht, dann noch eine, über Schönheit. Was kommt jetzt?

Ich werde bei der Schönheit bleiben. Es fühlt sich so an, als wäre das genau die Sache, die ich gerade machen sollte.

 

Illustration von Daniel Triendl 

 

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