Tradition trifft Design: Niely Hoetsch kreiert „Goldreifen“

Eine niederösterreichische Tradition wird von Accessoire-Designerin Niely Hoetsch neu interpretiert und alltagstauglich gemacht. Die Rede ist von den Wachauer Goldhauben, die von Hoetsch zu „Goldreifen“ kreiert wurden.
Es ist stundenlange Handarbeit, die Niely Hoetsch in ihre Headpieces einfließen lässt. So auch ihre Goldhauben, die mit Echtgoldborten und Perlen bestickt sind. Besonders für Hochzeits-Headpieces ist die Designerin bekannt: Handveredelte Schleier und exquisite Brautaccessoires sind ihr Metier.

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Wie ist es zur Goldreifen-Idee gekommen?

Niely Hoetsch: Durch eine enge Zusammenarbeit mit Dirndl-Designerin Theresa Hirtzberger aus der Wachau. Wir haben ein Modenschau zusammen gemacht und ich wollte dafür Kopfschmuck entwickeln, die einen besonderen Bezug zu Trachten haben, jedoch weg von den gewöhnlichen Blumenkränzen. Ich habe von Theresa wunderschöne Details über die Wachauer Tradition von Mädchen-und Frauenhauben gehört, habe mich sofort inspirieren lassen und entschieden, dass ich meine Version der Hauben für unsere Modenschau machen würde. Es war sehr spontan und sogar leicht, da ich noch sehr viel Material aus dem Atelier meiner Oma hatte.

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Gibt es einen persönlichen Bezug dazu?

Niely Hoetsch: Ich bin schon immer von Ethnic Fashion fasziniert gewesen. Kimonos, Jelabas, Ponchos, Saris, Quechua – alles was mit Folklore zu tun hat, hat mich immer begeistert, natürlich auch die Vielfalt der österreichischen Trachtentradition. Die Goldhauben und ihre Vielfalt sind mir immer am Herzen gelegen, mit viel Respekt für diese Tradition habe ich immer die Techniken und Formen der Goldhauben bewundert. Mein Respekt für diese Tradition übersetzt sich durch die Tatsache, dass ich meine Kreationen bewusst Goldreifen nenne! Ich fertig keine Goldhauben an, sondern eine moderne und freie Interpretation davon.

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Wie werden die Goldreifen gefertigt?

Niely Hoetsch: Es ist ein sehr aufwendiger Prozess. Zuerst wird eine Basis verstärkt und geformt. Wenn diese trocken ist, wird die Breite entschieden, nachdem ich das Material, bzw. die Borten ausgesucht habe. Die Basis wird auf drei verschiedene Weisen überdeckt, bevor ich mit der tatsächlichen Gestaltung anfange. Sie werden alle in meinem Atelier in Wien angefertigt. Material zu finden, ist eine sehr aufwendige Sache, ich bin jedoch zwei Mal im Jahr auf wichtigen Messen im Ausland, wo ich alles aussuchen kann und wo ich Lieferanten gefunden habe, die mich mit wahren Schätzen beliefern.

Wie und wo kann man die Goldreifen tragen?

Niely Hoetsch: Überall! Was als eine Idee von Kopfschmuck für Trachten angefangen hat, ist schnell zu einem coolen Accessoire geworden. Mittlerweile tragen meine Kundinnen ihre Goldreifen nicht nur mit Dirndl, sondern auch mit Abendkleidern. Die Goldreifen gehen mit absolut allen Looks und sind ein Styling-Statement.

Welche trachtige Kopfbedeckung in Österreich könnte noch ein Niely-Hoetsch-Make-over bekommen?

Niely Hoetsch: Für die Goldhauben schlägt mein Herz besonders stark. Aber auch den traditionellen Blumenschmuck mache ich sehr gerne. Bei mir sind sie eher Blumenreifen als Blumenkränze. Jetzt arbeite ich an einer Kollektion aus Spitze, die ich ursprünglich als Ball-Kopfschmuck gemacht habe. Auf die Idee hat mich eine Kundin gebracht, die damit Philharmonika- und Jägerball besucht hat.

Vielen Dank für das Interview!

Wer sich übrigens ein individuelles Headpiece von Niely Hoetsch wünscht – auch das ist möglich! Alle Accessoires werden detailverliebt handgearbeitet und können angepasst werden. So sind auch die Blumenreifen mit kunstvollen Wiesenblumen, in gedeckten oder knalligen Farben sehr beliebt. „Die floralen Headpieces eignen sich, wie auch die Goldhauben, für offenes aber auch hoch-gestecktes Haar“, so Hoetsch.

Fotos (außer anders gekennzeichnet): Maria Tsakiri

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