Wein in der Bio-logie

Das Weingut Renner & rennersistas ist ein Weinbetrieb in der dritten Generation, das sich mit seinen Bio-Weinen eine Fangemeinde gekeltert hat. Seit 2018 sogar nach den strengen Demeter-Richtlinien, haben sich die Geschwister Stefanie, Susanne und Georg Renner ans Werk gemacht den Trinkgenuss im Glas auf eine neue Ebene zu heben. Aus den Reben der pannonischen Ebene wird „komplexer und nuancenreicher“ Wein gemacht. „Keine Filtration, keine Schönung. Feinhefe statt Schwefel. Weglassen statt Hinzufügen. Begleiten statt Intervenieren“, das ist das Credo des Weinguts.

Das #jungbleiben Magazin hat zum Interview gebeten!

Für alle, die euch nicht kennen: Wie kam es dazu, dass ihr drei ein Weingut führt?

„Wir sind natürlich alle drei (glücklich) am Weingut aufgewachsen und haben das schon immer als selbstverständlich gesehen, dass die Mama im Weingarten ist und der Papa Traktor fährt oder im Keller arbeitet und wir durften als Kinder im Sommer in den leeren Bottichen baden, bevor da die Weintrauben für die Maischegärung reingekommen sind. Das sind immer noch schöne Kindheitserinnerungen. Alle drei hat es uns dann letztlich in eine andere Richtung gezogen, in erster Linie wohl einfach, um sich selbst etwas abzunabeln, eigene Erfahrungen zu machen und zu schauen, was es da draußen noch so an Berufen und Studien gibt.“

Und welche unterschiedlichen Wege kamen da zuvor noch?

„Susanne hat als älteste zuerst den Schritt nach Wien gewagt und Modedesign Michelbeuern studiert, dann war sie Modistin bei Mühlbauer und letztlich Assistentin beim Modelabel Schella Kann. Susanne war auch schon lange Zeit immer wieder auf Weinmessen und hat den Umgang mit KundInnen früh gelernt. Stefanie studierte ein Jahr Technische Mathematik an der TU Wien, wechselte dann aber auf die BOKU. Georg hat schon in der Schule eine Weinbauausbildung gemacht. Nach der Matura hat er sich aber auch erst für ein Studium entschieden, weil er während seiner Studienzeit am Weingut gelebt hat und da ohnehin sehr viel mitarbeiten musste.“

Und seit wann gibt es euch zu dritt? 

„Die Entscheidung fiel Ende 2019, als uns Georg fragte, ob er sich zu uns gesellen kann. Das findet die ganze Familie natürlich großartig! Jetzt wird diese neuerliche Veränderung auch bald an unserem Logo sichtbar, weil zwar die Marke rennersistas bleibt, aber Georg auch am Logo neuen Schwung reinbringt.“

Wir arbeiten mit der Natur und wir lassen auch die Natur arbeiten und das darf man auch schmecken.

Wie kann man als WinzerInnen nachhaltig wirtschaften und agieren?

„Das zieht sich von der Bewirtschaftung bis hin zur Vermarktung: Im Weingarten bedeutet das für uns nicht nur organisch-biologisch, sondern auch biodynamisch. Kreislaufwirtschaft, Rückführung von organischem Material um einen Humusaufbau zu ermöglichen, Vielfalt und Diversität bei den Begrünungspflanzen, damit auch möglichst viel Lebensraum für jegliche Mikroorganismen, Regenwürme, Bienen, etc. geschaffen wird. Viel Handarbeit. Vorwiegend mähen und walzen, den Boden mit Pflanzen bedeckt halten. Das führt auch zu weniger Bodenerhitzung, weil Pflanzen weniger Sonnenlicht absorbieren als braune Erde, es kühlt also den Boden. Außerdem haben wir Photovoltaikanlagen am Dach und eine Luftwärmepumpe, um zumindest einen großen Teil der Energie nachhaltiger zu erzeugen.“

Nachhaltig wirtschaften – assoziativ wirtschaften. Das Bestreben mit Partnern zu arbeiten, die ebenso auf die Umwelt achten, aber auch auf faire Entlohnung.

Was ist euch dabei besonders wichtig?

„Jeder Bereich muss gleich viel wert sein. Es macht keinen Sinn, sich um den Boden gut zu kümmern, wenn es den Angestellten nicht gut geht oder umgekehrt. Ein faires Miteinander und eine positive Beziehung zur Arbeit ist für alle wichtig, Für uns als Arbeitsgeber genauso wie für die Arbeitnehmer. Natürlich ist es wichtig, dass unsere Produkte qualitativ hochwertig sind und auch so schmecken. Wir sind aber überzeugt, dass das ohnehin nur Hand in Hand geht.“

Das Weingut produziert nach den Demeter-Kriterien – was bedeutet das für den Geschmack im Glas?

Wir verwenden den Begriff Rohdiamant sehr gern. Wir arbeiten mit der Natur und wir lassen auch die Natur arbeiten und das darf man auch schmecken. Es soll in einem guten Wein auch ein Stück Freiheit sein. Es kann zu vielen überraschenden noch unbekannten Düften und Geschmäckern kommen, die oft an wilde Kräuter erinnern und viel Saftigkeit in sich tragen. Die Lebendigkeit ist eines der wesentlichen Merkmale bei Produkten, die biodynamisch erzeugt wurden.

Welchen Wein aus dem Haus Renner & rennersistas sollte man kennen?

„Welschriesling. Wir finden diese Sorte ganz großartig. Die Trauben wird seit dem Beginn auf der Maische für etwa eine Woche vergoren. Wir waren selbst völlig überrascht über die unglaubliche Frucht und Kräutrigkeit, die diese Sorte dabei hervorbringen kann. Eine Sorte, die sonst direktgepresst sehr neutral ist, entwickelt durch den Kontakt mit der ganzen Traube eine starken Charakter – Wildkräuter, Zitrus, mit etwas Reife auch Mango- und Maracuja. Unser Welschriesling wächst auf einem kleinen Weingarten gleich neben dem Weingut. Dort gibt es einen sandigen, kargen Boden und ganz kleine, wunderschöne Weintrauben.“

Euer Wein in einem Satz zusammengefasst, ist …

„…eine gute Mischung aus Saftigkeit, Würzigkeit und Komplexität.“

 

Fotos: Ingo Pertramer

 

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