FOTO: © Neda Rajabi
Lina Kling von Matcha Routine im #jungbleiben Portrait
Matcha trinken war gestern? Lina Kling bringt das grüne Pulver ins Badezimmer. Mit Matcha Routine verbindet sie Beauty, Ernährung und Wellbeing und denkt Kosmetik als Ritual. Im #jungbleiben Portrait spricht sie über essbare Kosmetik, Beauty aus Südkorea und darüber, warum ihre Produkte auch für Hunde gedacht sind.
Matcha, der traditionsreiche japanische Tee, ist längst im Mainstream und somit in fast jedem Café angekommen. Wo sich das grüne Superpulver noch nicht so breit gemacht hat: In der Kosmetik. Lina Kling, Gründerin von Matcha Routine, hat die Kraft des Matcha für Haut und Haar schon vor einigen Jahren erkannt. Darum gibt es bei Matcha Routine Shampoo, Conditioner und mehr, angereichert mit Matcha und weiteren kraftvollen Zutaten aus der Natur. Im Interview verrät sie uns, warum ihre Produkte auch für unsere flauschigen Mitbewohner geeignet sind, auf welche Inhaltsstoffe sie schwört und natürlich – wo es den besten Matcha zu finden gibt.
Du kommst ursprünglich aus der Welt der Luxusmode. Wann hast du gemerkt, dass du in die Beautywelt wechseln möchtest?
Lina Kling: Ich habe die Welt der Luxusmode immer geliebt – ihre Ästhetik, ihre Designsprache und die Fähigkeit, Emotionen über Produkte zu transportieren. Gleichzeitig haben mich Inhaltsstoffe, Gesundheit und neue Innovationen schon immer fasziniert. Beauty vereint für mich genau diese Welten: Ästhetik, Wissenschaft, Ernährung und Wohlbefinden.
Wie bist du auf die Idee gekommen, Matcha nicht nur zu trinken, sondern als Inhaltsstoff für Kosmetik zu nutzen?
LK: Ich bin vor einigen Jahren von Kaffee auf Matcha umgestiegen, weil ich aufgrund von Magenproblemen keinen Kaffee mehr vertragen habe. Dabei habe ich mich intensiv mit Matcha beschäftigt und fand es faszinierend, dass Matcha aufgrund seiner antioxidativen Eigenschaften und seines Potenzials im Zusammenhang mit entzündlichen Prozessen wissenschaftlich erforscht wird. Das brachte mich zu der Frage: Warum sollte ein Inhaltsstoff, der in der Ernährung so geschätzt wird, nicht auch seinen Platz in moderner Hautpflege finden? Mich hat die Idee begeistert, Superfoods nicht nur für die
Ernährung, sondern auch für Haut- und Haarpflege einzusetzen. Genau daraus entstand der Grundgedanke von Matcha Routine – die Idee, Superfoods neu zu denken und Inhaltsstoffe aus der Lebensmittelwelt in moderne Hautpflege zu übersetzen.
Für mich ist seine größte Superkraft, dass Matcha weit mehr ist als ein Getränk. Er steht für ein bewusstes Ritual.
Deine Produkte eignen sich auch für unsere flauschigen Freunde. Wie bist du auf die Idee gekommen, Produkte für Hund und Mensch anzubieten? Hast du da eine spezifische Marktlücke gesehen?
LK: Zeitgleich mit meinen eigenen gesundheitlichen Beschwerden hatte unsere Labradorhündin Mila große Probleme mit offenen Pfoten. Wir waren bei verschiedenen Tierärzten, haben ihre Ernährung umgestellt – doch nichts hat nachhaltig geholfen.
Daraufhin habe ich zunächst eine einfache Formulierung aus Sheabutter, Kokosöl und Matcha entwickelt. Der Balm wurde schnell zu einem festen Bestandteil unserer täglichen Pflegeroutine. Genau aus dieser persönlichen Erfahrung entstand später Matcha Routine.
Mit der Zeit entwickelte sich daraus auch die Idee, Produkte zu schaffen, die sowohl für Mensch als auch für Hund geeignet sind. Viele wissen gar nicht, dass Hunde einen leicht alkalischen pH-Wert besitzen. Gleichzeitig werden empfindliche Haut und Sensitiv-Produkte für Menschen heute ebenfalls häufig leicht alkalisch formuliert. Dadurch lassen sich beide Welten wunderbar verbinden. Und ehrlich gesagt fand ich auch den Gedanken schön, mit dem Klischee zu spielen, dass Hund und Besitzer sich mit der Zeit immer ähnlicher werden.
Was ist die am meisten unterschätzte Superkraft von Matchapulver?
LK: Für mich ist seine größte Superkraft, dass Matcha weit mehr ist als ein Getränk. Er steht für ein bewusstes Ritual. In Japan wird Matcha seit Jahrhunderten zelebriert – diese Achtsamkeit und dieser Moment für sich selbst haben mich mindestens genauso inspiriert wie der Inhaltsstoff selbst. Gleichzeitig fasziniert mich, dass Matcha aufgrund seiner besonderen Zusammensetzung und seines hohen Gehalts an Antioxidantien bis heute Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Forschung ist.
Auf welchen Inhaltsstoff – nebst Matcha – schwörst du?
LK: Definitiv Fermente. Sie sind vor allem aus fermentierten Lebensmitteln bekannt und funktionieren in der Kosmetik ähnlich wie Probiotika. Deshalb habe ich sie bewusst in unserem Shampoo eingesetzt. Besonders spannend finde ich, dass Fermente dazu beitragen können, das natürliche Gleichgewicht des Mikrobioms der Kopfhaut zu
unterstützen und gleichzeitig als natürliches Konservierungssystem dienen. Ich liebe Inhaltsstoffe, die mehrere Funktionen auf natürliche Weise miteinander verbinden.
Mich begeistert alles, was die Grenzen zwischen Beauty, Ernährung, Wellbeing und Ritualen verschwimmen lässt.
Was ist das Überraschendste, das du während des Entwicklungsprozesses gelernt hast?
LK: Meine Reisen nach Asien haben mich nachhaltig geprägt. Besonders Südkorea ist uns in der Beautyentwicklung und bei neuen Technologien viele Jahre voraus. Was mich dort am meisten beeindruckt hat, ist die Selbstverständlichkeit, mit der Beauty als Ritual verstanden wird. Haut- und Haarpflege sind dort feste Bestandteile eines bewussten Lebensstils. Ein
intensives, mehrstufiges Scalp Treatment gehört dort genauso selbstverständlich dazu wie eine Gesichtsroutine. Lange Zeit lag der Fokus bei uns vor allem auf der Pflege der Haarlängen und Spitzen. Dabei beginnt gesundes Haar an der Wurzel – und genau dort sollte Pflege auch ansetzen.
Steckst du immer noch ganz alleine hinter Matcha Routine?
LK: Ja. Natürlich arbeite ich mit großartigen Expert:innen zusammen. Trotzdem war es mir wichtig, dass die Vision der Marke vollständig aus mir heraus entsteht. Von der Produktentwicklung über den Aufbau unseres eigenen Labors und der Manufaktur in Deutschland bis hin zum Produktdesign und den Kampagnen – alles trägt meine persönliche Handschrift. Heute freue ich mich darauf, Schritt für Schritt ein Team aufzubauen, das diese Vision gemeinsam mit mir weiterträgt.
Was ist das Schwierigste und was das Schönste daran, eine eigene Marke von Grund auf aufzubauen?
LK: Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass Regulatorien und Bürokratie einen nicht manchmal an die eigenen Grenzen bringen. Das Schönste ist dagegen unbezahlbar: Ich werde nie vergessen, wie ich zum ersten Mal eines meiner fertigen Produkte in den Händen gehalten habe. In diesem Moment wurde aus einer Idee Realität.
Du bewegst dich auch mit Matcha Routine im High-End-Lifestylebereich. Wie möchtest du, dass die Marke wahrgenommen wird und welches ist deine ideale Zielgruppe?
LK: Von Anfang an war meine Vision, mehr als nur eine klassische Kosmetikmarke aufzubauen. Ich wollte eine Community für Menschen schaffen, die Trendbewusstsein, Ästhetik und Design genauso schätzen wie Natürlichkeit, bewussten Konsum und einen ganzheitlichen Blick auf Beauty und Wellbeing.
Wie lange dauert der Entwicklungsprozess eines Produktes?
LK: Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Ich vergleiche Produktentwicklung gerne mit dem Entwickeln eines Lieblingsrezepts. Oft entscheiden kleinste Nuancen über das Ergebnis – die Reihenfolge der Inhaltsstoffe, Temperaturen oder minimale Veränderungen in der Rezeptur. Ich teste jede Formel immer wieder unter unterschiedlichsten Bedingungen, bis sie sich genau richtig anfühlt. Besonders stolz bin ich auf unser Shampoo. Viele konnten sich anfangs nicht vorstellen, dass Fermente als natürliches Konservierungssystem funktionieren würden. Umso schöner war es, dass das Produkt den Konservierungsbelastungstest direkt beim ersten Versuch bestanden hat.
Und wie lange dauert die Herstellung und Produktion?
LK: Alle Produkte entstehen in unserem eigenen Labor in Deutschland. So begleiten wir jede Formulierung von der Entwicklung bis zur Herstellung selbst und können unseren hohen Qualitätsanspruch in jedem Schritt sicherstellen.
Alles, was wir auf unsere Haut auftragen, sollte genauso rein sein wie das, was wir essen.
Welches ist dein Lieblingsprodukt?
LK: Ganz klar MCT-Öl. Ich war nie ein Fan klassischer Bodylotions. Deshalb wollte ich ein Körperöl entwickeln, das reichhaltige Öle wie Argan-, Chia- und Kokosöl enthält, sich aber dennoch angenehm leicht auf der Haut anfühlt. Yuzu, eine asiatische Zitrusfrucht, verleiht dem Öl seine angenehm leichte Textur und ein samtiges Finish. Morgens liebe ich es, meinen Gua Sha aus dem Eisfach zu holen und das Öl für meine Gesichtsmassage zu verwenden. Abends massiere ich das Öl in meine Kopfhaut ein, während ich den Matcha Vanilla Shea Balm gerne als letzten Schritt meiner Gesichtsroutine verwende. Für mich fühlt sich meine Haut am nächsten Morgen besonders gepflegt und geschmeidig an. Genau diese vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten waren von Anfang an Teil meiner Vision.
Welche Produkte schweben dir für Matcha Routine in Zukunft noch vor?
LK: Mich begeistert alles, was die Grenzen zwischen Beauty, Ernährung, Wellbeing und Ritualen verschwimmen lässt. Der Gedanke der essbaren Kosmetik wird deshalb künftig noch stärker im Mittelpunkt stehen. Ich möchte Produkte entwickeln, die Schönheit noch ganzheitlicher denken und unsere Philosophie konsequent weiterführen.
Wenn du eine bekannte Persönlichkeit – und deren Hund – mit Matcha Routine eindecken könntest, wen würdest du wählen und warum?
LK: Ich würde Sofia Richie Grainge und ihren Dackel Hershula wählen. Ich mag ihre natürliche Ausstrahlung und ihren zeitlosen Stil. Für mich verkörpert sie eine moderne Form von Natürlichkeit, die ich sehr inspirierend finde.
Wenn man selbst Kosmetik herstellt, wie verändert sich der Blick auf Produkte und Konsum?
LK: Sehr. Ich hatte selbst mit perioraler Dermatitis zu kämpfen. Damals habe ich aus Interesse unzählige Produkte ausprobiert. Rückblickend wurde mir klar, dass meine Haut nicht zu wenig, sondern zu viel Pflege bekam. Diese Erfahrung hat meinen Blick auf Hautpflege grundlegend verändert. Gleichzeitig wurde mir bewusst, wie häufig Naturkosmetik mit Natürlichkeit wirbt, obwohl ein Blick auf die INCI-Liste oft etwas anderes
zeigt. Deshalb entstand die Idee der edible cosmetics. Alles, was wir auf unsere Haut auftragen, sollte genauso rein sein wie das, was wir essen. Für mich muss jeder Inhaltsstoff einen echten Mehrwert bieten. Deshalb bestehen unsere Formulierungen aus 100 % natürlichen Inhaltsstoffen – ohne Füllstoffe und ohne unnötige Zusätze. Stattdessen setzen wir auf wenige, durchdachte Produkte, die vielseitig eingesetzt werden können.
Wie trinkst du deinen Matcha am liebsten?
LK: Am liebsten eisgekühlt mit Kokos-Reis-Drink und einem cremigen Matcha Cold Foam.
Und wo gibt's den allerbesten Matcha?
LK: Ganz klar: in Japan. Dort trinke ich Matcha oft ganz pur – nur mit heißem Wasser. Genau deshalb war mir auch bei Matcha Routine wichtig, dass unser Matcha diese Qualität besitzt. Mir war wichtig, dass unsere Community genau den hochwertigen Matcha erleben und genießen kann, den wir auch für unsere Formulierungen verwenden.



