Fotos © supplies supplies

supplies supplies im #jungbleiben Portrait

Mit supplies supplies st in Wien ein Ort entstanden, der Sport nicht nur als Bewegung, sondern als Haltung versteht. Der Store im 2. Bezirk verbindet Apparel, Footwear, Nutrition und Culture mit einer klaren Idee von Community: offen, unabhängig und nah an den Menschen, die ihn mit Leben füllen. Im Gespräch geht es um Sport als sozialen Raum, um neue Formen von Zusammenhalt und darum, warum ein Laden dann am spannendsten wird, wenn er nicht nur verkauft, sondern Begegnung möglich macht.

Wie würdet ihr euch – und supplies supplies – in fünf Worten beschreiben?

UFF, MUSS DAS WIRKLICH SEIN.

Ihr beschreibt supplies supplies als einen Ort „built around movement in every sense“. Was bedeutet Bewegung für euch jenseits von Sport, also auch kulturell, sozial und im Alltag?

Wir kommen aus unterschiedlichen Bereichen und sind natürlich geprägt durch unsere Erfahrungen. Jede:r bringt neben viel Übereinstimmung vor allem auch eigene Vorstellungen und die eigene Biografie mit. Im Sport sehen wir eine Möglichkeit, sich in vielerlei Form zu verbinden. Bewegung kann hier also neben der wörtlichen Bedeutung auf jeden Fall auch kulturell oder politisch gelesen werden. Sport hat schon immer die zentrale Eigenschaft, Menschen zusammenzubringen und Phänomene wie Klassismus, Herkunft und Sozialisierung in den Hintergrund treten zu lassen. Das gibt viel Motivation für einen Ort wie supplies supplies.

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Hinter supplies supplies stehen Erfahrungen aus Skateshops, Fotografie und Performing Arts. Wie fließen diese sehr unterschiedlichen Perspektiven in euer Verständnis von Store, Sortiment und Community ein?

Wichtig war uns, Community groß zu denken. Das heißt, möglichst all unsere Backgrounds in irgendeiner Form zu bedienen. Das schlägt sich im Sortiment, in der Ästhetik, im Konzept und vor allem in unseren geplanten Veranstaltungen nieder. Die sollen sich nämlich nicht nur auf Sportevents beschränken, auch wenn diese zentral sind. Wir planen, eng mit unseren Netzwerken aus Kunst und Kultur zu arbeiten, und sind natürlich auch offen für ganz neue Inputs.

 

Ihr sprecht davon, Sport als Kultur zu denken. Was fehlt aus eurer Sicht oft, wenn man Sport nur als Leistung, Outfit oder Trend betrachtet?

Wie schon erwähnt, gibt es wahrscheinlich nicht viel Vergleichbares, wenn es darum geht, Menschen aus verschiedensten Backgrounds zueinander zu führen. Wir müssen uns nicht in der gleichen Sprache verständigen, um eine Sportart zu teilen. Das ist in einer zunehmend zersprengten Gesellschaft eine ziemlich wertvolle Eigenschaft.

Sport ist kulturprägend, und Menschen verbinden sich über Ästhetik, Teamspirit und natürlich gleiche Interessen. Wir sind da ja nicht so kompliziert. Natürlich stößt man auch in diesem Bereich an strukturelle Grenzen, die man schon aus anderen Lebenswelten kennt. Aber wir haben hier eine Chance, im Kleinen etwas zu entdecken und vielleicht auch Einfluss zu nehmen.

 

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Bei euch geht es nicht nur um Apparel und Footwear, sondern auch um Nutrition, Culture und Begegnung. Wann wird ein Laden für euch zu einem Ort jenseits eines Shops, an dem Menschen bleiben wollen?

Na, ganz klar durch die Menschen, die ihn frequentieren. Und da zählt dann nicht nur die Person, die Ware konsumiert, sondern Menschen, die da sind, um sich auszutauschen, an Events teilzunehmen, sie zu veranstalten oder einfach nur mit einem Grieskirchner abhängen zu wollen. Natürlich sind wir von unserem Verkauf abhängig, aber wir haben in erster Linie einen Laden eröffnet, in dem man gerne Zeit verbringen möchte.

supplies supplies setzt stark auf unabhängige Labels, Inklusivität und Community. Nach welchen Kriterien entscheidet ihr, welche Marken und Produkte wirklich zu euch passen?

Wir sind schon mit einer bestimmten Agenda an die Sportmodewelt herangetreten, haben die Menschen hinter all unseren geführten Brands getroffen und stehen in gutem Kontakt zu ihnen. Wir haben uns genau überlegt, warum welche Brand nach Wien oder zu uns passen könnte und welcher Aspekt uns an der jeweiligen Marke besonders reizt. Das ist manchmal die sehr durchdachte und aufwendige Technologie hinter den Stoffen und der Produktionsweise, manchmal der Background der Marke, der beispielsweise Mental Health in Bezug zu Sport zum Fokus macht, manchmal ist es eine ausgefallene Idee oder einfach die Qualität der Kollektionen. Auf jeden Fall versuchen wir durch eine möglichst gewissenhafte Kuration, der einen oder anderen Person einen Schritt entgegenzugehen oder eben etwas ganz Neues entdecken zu lassen. Das Sortiment darf und soll natürlich wachsen.

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Wien ist nicht die erste Stadt, an die viele bei Sportswear und Bewegungskultur denken. Was reizt euch gerade daran, so einen Ort genau hier im 2. Bezirk aufzubauen?

Genau das. Man kann es unsexy USP, also Unique Selling Point, nennen oder einfach eine Lücke, die sich jetzt hoffentlich schließen darf. Aber es ist natürlich eine Chance, eine Idee in eine Stadt zu tragen, in der sie gänzlich neu ist. Das Potenzial ist da, daran glauben wir, auch in Wien.

Wenn ihr auf 2026 blickt: Welche Entwicklungen in Sport, Stil und Community findet ihr gerade spannend – und was sollte sich aus eurer Sicht noch stärker verändern?

Wir erwarten, dass Sportmode und Fashion noch weiter zusammenwachsen werden. Das kann eine sehr schöne Entwicklung sein, die Sport zugänglicher macht und noch stärker ins Zentrum der Gesellschaft rückt. Konsum ist und kann definitiv politisch sein.

Wir wollen außerdem weiterhin Frauen und non-binäre Personen im Sport gezielter fördern und freuen uns über jede Sichtbarkeit und Teilnahme. Generell würden wir gerne das Zusammenwachsen der Sportarten unterstützen, damit nicht jede Gruppe immer nur unter sich bleibt.

Es gibt genügend Pläne.

#jungbleiben heißt für uns auch, offen zu bleiben für neue Szenen, Menschen und Formen von Bewegung. Was würdet ihr in der Welt von Sport und Lifestyle gerade gerne stärker hinterfragen?

Dafür, dass viele Sportarten sich aus einer relativ progressiven Szene speisen, gibt es genauso wie im Rest der Gesellschaft auch hier noch genug Aufholbedarf, was Gleichstellung und Role Models angeht. Ob das die Kollektionen oder die Sportidentitäten selbst betrifft: Die weibliche Selbstverständlichkeit ist meistens nicht die gleiche wie die männliche. Da gibt es genügend Handlungsbedarf.

Wichtig muss Offenheit bleiben. Es passiert schnell, wenn Leistung ins Spiel kommt, dass Menschen ausgeschlossen werden oder Zugänge verstellt erscheinen. Es ist vollkommen okay und gut, dass es das Leistungssegment sowie das Freizeitsegment im Sport gibt. Wir möchten beide bedienen und glauben, dass beide gut nebeneinander und auch miteinander existieren können.

Es passiert schnell, wenn Leistung ins Spiel kommt, dass Menschen ausgeschlossen werden oder Zugänge verstellt erscheinen.

Was bedeutet #jungbleiben für euch?

Da ist viel Assoziationsraum, puh. Grundsätzlich würden wir sagen: mutig bleiben, aktiv bleiben, smart sein und auf sich und seinen Körper hören.

Für einen Ort ganz ähnlich. Zusätzlich wichtig ist hier wahrscheinlich, sich nicht zu lange auf einer Idee auszuruhen, wach zu bleiben, Menschen zuzuhören und sich selbst nicht zu vergessen. 

Und zum Schluss: Ohne, mild oder prickelnd?
Ohne oder prickelnd, nur nicht mild.

12. Mai 2026
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