Christoph Oberlechner, 24HDROP
Fotos © Simon Oberhofer

Das Spiel um Kunst: Ein Interview über die Demokratisierung des Kunstmarktes mit Christoph Oberlechner, Gründer 24HDROP

Von Wien aus betreibt der Südtiroler Christoph Oberlechner 24HDROP, ein Format, das den Kauf von Kunst niedrigschwelliger gestalten will. Statt langer Listen oder persönlicher Kontakte gibt es ein kuratiertes Werk pro Woche, das für 24 Stunden per Lotterie zugänglich ist. Im Gespräch geht es um Zugang und Vertrauen, um die Rolle digitaler Plattformen und darum, wie sich Sammeln und Entdecken gerade verändern.

Welche Beobachtung im Kunstmarkt hat dich am stärksten getriggert, um 24HDROP zu gründen?

Als jemand, der nicht Teil der klassischen Kunstbubble ist, habe ich gemerkt, wie schwer es ist, an Arbeiten von stark gefragten Künstler:innen zu kommen. Gleichzeitig gibt es ein enormes Überangebot an Kunst, was es besonders für neue Sammlerinnen schwierig macht, Qualität zu erkennen und spannende Positionen zu finden.

 

Christoph Oberlechner, 24HDROP

Fotos © Simon Oberhofer

 

Wie kuratierst du: Was muss ein Werk haben, damit es ein Drop wird?

Ich versuche, eine Balance zwischen bereits gehypten Künstler:innen und jungen, aufstrebenden Positionen zu finden, wie etwa Studierende von Akademien oder Kunsthochschulen. Oder aber auch Autodidakt:innen.

Wichtig ist mir, dass die Arbeiten aus unserer Generation stammen, weil ich glaube, dass Sammeln besonders spannend ist, wenn man gemeinsam mit den Künstler:innen wächst.

Wie viel ist dein persönlicher Geschmack?

Mein persönlicher Geschmack spielt natürlich eine große Rolle, gleichzeitig denke ich jedes Werk immer im Gesamtkontext der Plattform. Mich interessiert, was neu ist: wie gearbeitet wird, welche Themen behandelt werden und welche Bildsprache dadurch entsteht. Gleichzeitig schaue ich, wie gut die Arbeit ins bestehende Programm passt.

Wie nimmst du die Anziehungskraft von Kunst online wahr? Kann ein digitaler Kontakt denselben Impuls auslösen wie eine physische Begegnung?

Kunst real zu sehen ist natürlich immer besonders. Gleichzeitig sehe ich online Künstler:innen aus Brüssel, New York oder anderen Städten, die in Wien vielleicht nie ausgestellt werden.

Über 24HDROP entsteht trotzdem die Möglichkeit, mit ihrer Arbeit in Kontakt zu kommen und sie zu erwerben. Mein Fokus liegt fast ausschließlich auf Malerei, da sie sich über den Handyscreen am besten vermitteln lässt. Entscheidend ist dabei eine gute Vermittlung: hochwertige Bilder, Kontext, Klarheit und natürlich Vertrauen.

 

Christoph Oberlechner, 24HDROP

Welche Vorteile haben Künstler:innen durch 24HDROP, die sie allein oder über klassische Kanäle schwerer bekommen würden?

24HDROP ist ein zusätzlicher Vertriebskanal, der Sichtbarkeit mit einem klaren, fixen Zeitpunkt verbindet, an dem eine Arbeit angeboten wird. Durch das Lotterie Prinzip wird Kunstkaufen ein bisschen zum Spiel und genau das macht es für mehr Menschen zugänglich und kann auch für Künstler:innen gut funktionieren, weil neue Leute überhaupt erst einsteigen.

Wer sind die typischen User:innen: Kunst-Neulinge oder erfahrene Sammler:innen?

Beides. Es gibt viele erfahrene Sammler:innen, die 24HDROP nutzen, um neue Positionen zu entdecken, weil wir sehr viel recherchieren und immer auf der Suche nach Neuem sind. Gleichzeitig sind viele User:innen Menschen, die zum ersten Mal ein Kunstwerk kaufen oder gerade erst beginnen zu sammeln und die die klare Struktur, also ein Werk pro Woche, sowie die einfache User-Experience schätzen.

Was verändert sich gerade im Kunstmarkt?

In den letzten zwei Jahren haben leider viele Galerien geschlossen, der Markt ist insgesamt langsamer geworden als noch vor drei bis vier Jahren. Auch bedingt durch die weltwirtschaftliche Lage. Das Überangebot bleibt ein großes Thema: Weniger, dafür besser kuratierte Angebote gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig werden digitale Formate immer relevanter, da neue Sammler:innen selbstverständlich online unterwegs sind und Kunst global kaufen.

 

Christoph Oberlechner, 24HDROP

Fotos © Simon Oberhofer

 

Gibt es Dinge, die du mit 24HDROP bewusst nicht machst – oder bewusst anders machst?

Wir arbeiten bewusst digital-first, legen aber trotzdem Wert auf reale Begegnungen. Am 7. Mai wird es für eine Woche eine größere Gruppenausstellung mit einem Best-of-24HDROP geben, inklusive Rahmenprogramm, Pop-up mit Lukas Mraz, Listening Sessions und mehr. Bisschen was für die Wiener Community. Seid gespannt!

Welche drei Tipps gibst du jemandem, der mit kleinem Budget Kunst in den Alltag bringen will?

  1. Lass dich inspirieren. In Museen oder Galerien in deiner Stadt. Und ganz wichtig: Nimm dir dafür genug Zeit.
  2. Lass dich nicht vom Kunstjargon abschrecken. Kunst ist für alle da.
  3. 24HDROP runterladen und die Notifications aktivieren. Es gibt regelmäßig spannende Arbeiten im Bereich von 1.000 bis 2.000 Euro. 

Was kuratierst du in deinem Kühlschrank? Mild, prickelnd oder ohne?

Prickelnd.
Sonderedition!

 

Text, Interview: Stefan Kalvoda

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