Anna Zimmermann im #jungbleiben Magazin

Anna Zimmermann schafft Objekte, die sich bewusst der Kategorisierung entziehen. Ihre Arbeiten bewegen sich irgendwo zwischen Design und Skulptur – und genau dort fühlt sie sich wohl. Aufgewachsen mit viel Natur und Freiraum, lässt sie bis heute Intuition und Experimentierlust in ihre Projekte einfließen.

Wie würdest du dich in 5 Worten beschreiben?

Neugierig, intuitiv, spielerisch, widerständig, materialverliebt.

Was hat dich als Kind besonders geprägt und wie wirkt das heute noch in deiner Arbeit nach?


Ich habe als Kind einen Waldkindergarten und später eine Waldschule besucht – fast jeden Tag war ich draußen im Wald. Diese Freiheit, ständig in der Natur zu sein, hat meine Kreativität enorm gefördert. Lesen, Schreiben und Rechnen habe ich dort auch gelernt, aber es fühlte sich nie wie klassisches Lernen an, sondern wie spielerisches Entdecken. Genau dieses Prinzip begleitet mich bis heute: eine offene, experimentelle Herangehensweise, die mir erlaubt, Neues auszuprobieren und Ideen frei zu entwickeln.

Deine Arbeiten bewegen sich zwischen Objekt und Skulptur. Was reizt dich an dieser Grenzfläche?


Bei Objekten denke ich häufig an Funktionalität, während Skulpturen für mich freier sein können – sie müssen nicht im klassischen Sinne funktionieren. Mich interessiert genau dieser fließende Übergang: das Spiel zwischen Funktion und Freiheit. Gleichzeitig reizen mich auch Dinge, die irritieren, die für sich sprechen oder nicht sofort einzuordnen sind. In meinen Arbeiten versuche ich, diese Grenzen bewusst aufzuweichen.

 

Wie sieht für dich ein guter Tag im Atelier aus oder braucht es manchmal genau das Gegenteil?


Meinen Tag im Atelier finde ich dann gut, wenn ich nicht nur am Computer sitze, sondern auch Zeit in der Werkstatt verbringe. An einem Objekt weiterzuarbeiten oder ein inspirierender Austausch mit jemandem – das sind die Momente, die den Tag bereichern. Dieses Gleichgewicht zwischen Denken, Machen und Begegnen ist mir wichtig.

Was passiert, wenn du dich in einem Material irrst oder es sich deiner Kontrolle entzieht?


Ich bin ein eher ungeduldiger Mensch: früher habe ich öfter mit Keramik gearbeitet, aber das Material verzeiht wenig und hat mich deshalb oft frustriert. Metall dagegen ist sehr versöhnlich: man kann schleifen, schweißen, polieren, reparieren. Gleichzeitig entstehen durch Irrtümer spannende Möglichkeiten. Wenn ein Material sich anders verhält als geplant, kann genau das als Ausgangspunkt für eine neue Recherche oder sogar ein ganzes Projekt dienen.

Welche Rolle spielen Nähe, Gemeinschaft oder Kollaboration in deiner Praxis?


Früher habe ich sehr unabhängig gearbeitet, aber je älter ich werde, desto wichtiger werden diese Themen für mich. Die Zusammenarbeit mit anderen bringt eine Tiefe in den Prozess – man inspiriert und hinterfragt sich gegenseitig und findet Wege, die man allein nicht eingeschlagen hätte.

Wenn du eine Pause von der Kunst brauchst, wohin zieht es dich, um wieder bei dir anzukommen?


In die Natur oder zu Freund:innen. Beides gibt mir Ruhe, neue Energie und Abstand zu meinen Projekten.

Was bedeutet dir der Begriff „Unvollkommenheit“  beruflich wie privat?


Ein Projekt von mir heißt Vessels of Imperfection, darin habe ich mich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Im Aluminiumguss entstehen Nähte und Spuren, die man normalerweise entfernt, um Perfektion zu erreichen. Ich habe sie bewusst sichtbar gemacht und in den Mittelpunkt gerückt. Für mich ist ein „unvollkommenes“ Objekt oft spannender, weil es den Herstellungsprozess erzählt.
Auch privat habe ich nicht den Anspruch, vollkommen zu sein. Ich versuche, mich meinem Umfeld verletzlich zu zeigen und auch meine Schwächen zu teilen. Mir ist das wichtig, weil ich finde, dass Verletzlichkeit ein zentraler Teil unseres Miteinanders sein sollte.

Was bedeutet #nachhaltig jungbleiben für dich?


Für mich heißt das, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, die kleinen Momente zu genießen und im Kopf flexibel zu bleiben. Immer wieder Neues auszuprobieren, Dinge zu wagen und nicht stillzustehen.

Ohne, mild, oder prickelnd?

Prickelnd.

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