Chiara Kozich und Anna Rubner von Afterhour Furniture im #jungbleiben Portrait
Wie würdet ihr euch – und Afterhour Furniture – in fünf Worten beschreiben?
Chiara: organisiert, loyal, pragmatisch, emphatisch, verkopft
Anna: verlässlich, ungeduldig, aufmerksam, perfektionistisch, offen
Afterhour Furniture: selektiert, nachhaltig, interdisziplinär, durchlebt, zeitlos
Angefangen hat alles mit ein paar Space-Age-Lampen und Bauhaus-Stühlen in eurer Wohnung. Wann war der Moment, in dem ihr gemerkt habt: Das ist nicht mehr nur Sammlung, das wird ein eigener Space?
Unsere Sammlung hat zwar mit Space Age Lampen und Bauhaus Stühlen begonnen, allerdings war die Idee von einem eigenen Space bereits davor geboren. 2021 hatten wir erstmals ganz konkret die Vision, einen Ort für sorgfältig kuratierte Vintage Möbel zu schaffen. Also haben wir angefangen, Möbel anzukaufen und bei uns in der Wohnung zu lagern, es hat irgendwann wirklich komplett absurd ausgesehen. Nach langem Hustle, einer Zwischennutzung und intensiver Suche nach der richtigen Location haben wir im März 2025 schließlich unseren Space in der Liniengasse 18 gefunden.
Ihr fahrt mit dem Van durch Europa und wählt jedes Stück persönlich aus. Woran erkennt ihr, dass ein Fund wirklich ein „Afterhour“-Piece ist?
Das was ein AHF-Piece letztendlich wirklich ausmacht, ist Qualität und unser eigener Geschmack, ganz unabhängig von Trends. Natürlich bekommt man mit, was gerade gefragt ist, das lässt sich nicht vermeiden. Aber wenn ein Möbelstück total gehypt ist und uns persönlich nicht überzeugt, dann kommt es auch nicht mit. Das gilt sowohl für Vintage- als auch zeitgenössische Stücke. Wenn man sich unsere aktuelle Vintage Auswahl ansieht, spielen italienisches Design, Bauhaus und Space Age definitiv eine große Rolle.
Viele eurer Möbel tragen Spuren früherer Leben. Gab es ein Stück, dessen Geschichte euch besonders berührt oder überrascht hat?
Einmal haben wir ein Daybed von Tito Agnoli in La Spezia, nahe Genua, abgeholt. Es gehörte einem älteren Ehepaar, und die Frau erzählte uns auf Italienisch, dass sie schon als Kind darauf geschlafen hat. Die Matratze war noch original, und sie meinte, wir müssten uns keine Sorgen machen, sie hätte nie ins Bett gepinkelt.
Euer Showroom ist auch Creative Space für Pop-ups, Ausstellungen und Fotoshoots. Was passiert mit einem Ort, wenn Möbel, Kunst und Community so eng zusammenkommen?
Bei so einem Zusammentreffen entsteht eine gewisse Dynamik. Der Raum ist dann nicht nur Showroom oder Verkaufsfläche, sondern auch ein Ort für Austausch und Inspiration. Er verändert sich durch die Menschen, die hereinkommen, die Kunst, die gezeigt wird, und durch Ideen, die entstehen. Wichtig ist uns, dass sich der Space nicht statisch anfühlt, sondern lebendig bleibt und ein Ort ist, an dem man sich gern aufhält.
Ihr gebt Vintage-Designs ein zweites Leben und kombiniert sie mit zeitgenössischen Objekten. Wie verändert dieser Ansatz euren Blick darauf, wie wir heute einrichten und konsumieren?
Durch die Arbeit mit Vintage Stücken verändert sich der Blick auf Einrichtung und Konsum. Man merkt schnell, dass gutes Design kein Verfallsdatum hat. Ein Stück kann Jahrzehnte alt sein und trotzdem völlig zeitgemäß. Gerade in der Kombination mit zeitgenössischen Objekten lässt sich bei uns oft gar nicht sagen, was neu ist und was nicht.
Für uns geht es darum, Dinge bewusst auszuwählen und gut mit ihnen umzugehen. Wenn die Qualität passt und man auf die Sachen achtet, begleiten sie einen lange. Genau das sehen wir bei Vintage Möbeln. Viele davon sind seit Jahrzehnten in Gebrauch und funktionieren heute noch genauso gut.
Wenn ihr an euren eigenen Feierabend denkt: Wie sieht ein perfekter „after hour“-Moment bei euch zu Hause aus und welches Möbelstück spielt dabei immer eine Rolle?
Maximal entspannt, vor allem jetzt im Winter. Unser Bett spielt dabei eine zentrale Rolle. Nach der täglichen Frage, was wir am Abend essen sollen, kommen wir nach Hause, kochen und gehen dann direkt ins Bett. Mit dem Essen natürlich. Dazu läuft entweder eine True Crime Doku oder irgendein Trash TV.
#jungbleiben bedeutet für uns: weiterdenken, auch wenn’s unbequem wird. Was würdest du gerne öfter hinterfragen – in der Designwelt, im Alltag oder bei dir selbst?
Anna: „Brauch ich das wirklich?“
Chiara: Meine Person, Intentionen, Erwartungen. Aber auch Systeme, Strukturen und Muster.
Was bedeutet #nachhaltig jungbleiben für dich?
Anna: Nie aufhören neugierig zu sein, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, mich inspirieren zu lassen und offen zu sein neues auszuprobieren.
Chiara: Mich mit neuen Themen zu befassen, mehr zu hinterfragen und weniger zu urteilen. Aus Routinen auszubrechen und nicht alles so ernst zu nehmen.
Ohne, mild, oder prickelnd?
Beide prickelnd.