Vera Grillmaier
Fotos © Michael Schulte

Vera Grillmaier von NeverAtHome im #jungbleiben Portrait

Zwischen leerstehenden Funkhäusern, Festivalprogrammen und der Drehscheibe im Keramikatelier: Vera Grillmaier und ihr Team von NeverAtHome denken Stadt immer als Möglichkeitsraum. Die Kulturinitiative bespielt seit 2021 besondere Gebäude temporär neu – aktuell das ehemalige ORF-Funkhaus – und verbindet Ateliers, Ausstellungen und Community unter einem Dach. Im Gespräch erzählt sie, wie aus Leerstand gelebte Urban Culture wird, warum gute Zwischennutzung viel Vertrauen braucht und was ihr die Arbeit mit Keramik über Zeit, Tempo und Nachhaltigkeit beigebracht hat.

Wie würdest du NeverAtHome in 5 Worten beschreiben?

Ein mutiges, kreatives (und) herzliches Team. 

Du bewegst dich zwischen Kulturmanagement, akademischer Arbeit, Stadtforschung, und künstlerischer Praxis als Keramikerin. Inwiefern bietet NeverAtHome dir die Möglichkeit, diese verschiedenen Felder zu verbinden?

Die Interdisziplinarität von NeverAtHome ist ein Grund, warum ich mich mit dem Projekt so gut identifizieren kann. Von kreativer Konzeption eines Kulturfestivals und Programmgestaltung über Teamkoordination bis hin zu Finanzierungsmodellen ist alles dabei. Diese Vielfältigkeit schätze ich sehr.

 

Vera Grillmaier

Fotos © Clara Grillmaier

 

Ihr bespielt architektonisch besondere Leerstände – aktuell das ehemalige Funkhaus. Woran erkennst du, dass ein Gebäude NeverAtHome-Potenzial hat?

Beim Betreten des Raumes ergibt sich ein intuitives Gefühl, ein Raum resoniert mit dir, oder nicht. Inspiration und Ideen zur Nutzung kommen dann von allein. Sowas kann eine KI (noch) nicht generieren. Von Garagen über Sound Studios, Büros, Wohnungen bis hin zu Produktionshallen hatten wir schon alles dabei. Wir lieben es einfach, Konzepte zu entwickeln, um Räume und Gebäude lebendig nutzen zu können.

Gebäude erzählen oft die Geschichte ihrer Nutzung. Das ist konzeptuell spannend aufzugreifen. Dazu kommen dann organisatorische Aspekte wie Strom, Wasser, Heizbarkeit, Raumaufteilung, die für die Nutzung natürlich relevant sind. Zwischen- und Umnutzungen funktionieren vielseitiger, als man glaubt. Für viele scheinbare Dead-Ends kann man tolle Lösungen finden.

 

Vera Grillmaier

Fotos © Lea Sonderegger

 

Never At Home ist Projektspace, Atelierhaus und urbane Initiative. Wie hältst du die Balance zwischen kuratorischer Vision, organisatorischem Alltag und den vielen individuellen Bedürfnissen der Community?

Wir müssen ständig zwischen Management & Organisation und kreativer, konzeptueller Arbeit balancieren. Der Schlüssel ist ein starkes, wachsames Team und eine gute Beziehung zu meinem Bauchgefühl. Dabei müssen wir stetig das eigene Konzept hinterfragen; kritisch bleiben mit der eigenen Arbeit. Wir challengen uns immer wieder neu.

 

Was hast du in den letzten Jahren über die Rolle von Leerstand in der Stadt gelernt und was würdest du dir von Städten im Umgang damit wünschen?

Jedes Gebäude hat seinen eigenen Charakter und Vorzüge, die man herausarbeiten und unterstreichen kann und die man auch gesellschaftlich, wirtschaftlich, kulturell und sozial toll nutzen kann. Es gibt viel Leerstand mit großartigem Potenzial, da wäre mehr Sichtbarmachung toll und auch mehr Vertrauen in junge Projekte. 

 

Vera Grillmaier

Fotos © Michael Schulte

 

Gibt es einen Alltagsgegenstand aus deiner Kindheit, der dir bis heute im Gedächtnis geblieben ist und deine Arbeit beeinflusst?

Mehr als ein Gegenstand ist es vielleicht ein Ort, der mich bis heute inspiriert und meine Arbeit prägt: Als Kind verbrachte ich viele Sommer mit meiner Familie an einem kleinen See. Manchmal denke ich, dass ich mit meiner Arbeit als Keramikerin das Gefühl dieses Ortes einfangen will. 

Neben all dem hast du deine Meisterprüfung als Keramikerin abgeschlossen. Was nimmst du von deiner Arbeit an der Drehscheibe in den Alltag und deine vielfältigen Projekte mit?

Meine Arbeit mit NeverAtHome ist sehr schnelllebig, bunt, auch oft hektisch und ein ständiges Gewusel mit vielen tollen Menschen. Das Schöne an der Keramik ist die Ruhe und die Arbeit mit den Händen. Keramik fordert Zeit ein. Ein keramisches Objekt dauert in der Herstellung zumindest zwei Wochen und den Prozess kann man auch nicht beschleunigen. Davon nehme ich mir viel mit.

Das Schöne an der Keramik ist die Ruhe und die Arbeit mit den Händen.

Was wäre für dich das schönste Kompliment, das man NeverAtHome machen kann?

Wenn die Interaktion mit dem Projekt, beispielsweise ein Ausstellungsbesuch oder die Teilnahme an einem Workshop einen Impact oder Inspiration hinterlässt. 

Was steht bei NeverAtHome als Nächstes an? Gibt es schon Ideen oder Pläne, die du (schon) teilen kannst?

Wir launchen demnächst ein Bildungs- und Dialogprogramm, worauf ich mich persönlich sehr freue.

Was bedeutet nachhaltig #jungbleiben für dich – persönlich und im Blick auf eine Stadt, die sich ständig verändert?

– Veränderungen stets mit Freude und Vertrauen gegenübertreten
– Angst in eine kritische Stimme umwandeln, aber im Hintergrund belassen
– Meetings zum richtigen Zeitpunkt beenden  

Ohne, mild, oder prickelnd?

Superprickelnd.

NeverAtHome ist eine urbane Initiative, die aktuell von Vera Grillmaier, Clara Grillmaier, Nina Zips, Fabiola Noll, Stefan Altenriederer und weiteren Teamsupportern getragen wird.

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