FOTO: © Chris Abatzis
Designerin Lea Roesch im Interview
Sie hat LKW-Planen in eine kultige It-Tasche verwandelt: Lea Roesch designt ressourcenbewusst und farbenfroh in ihrem Studio in Berlin.
Die Shopper sind aber nicht alles, was das Herz von lockeren und stilbewussten Menschen höher schlagen lässt. Auch gemütliche, aufgewertete Vintage-Pullover gehören ins Sortiment. Im Interview verrät uns Lea, was sich an der Modeindustrie dringend ändern soll und wie viel Berlin eigentlich in ihren Pieces steckt.
Dein Designstil in drei Worten?
Zeitlos, praktisch, cool.
Welche Stilregel brichst du liebend gerne?
Die Idee, dass Silhouetten vorteilhaft sein sollten.
Wie sieht dein Arbeitsprozess im Studio aus? Eher chaotisch oder
strukturiert?
Witzigerweise bin ich zwar Jungfrau, in meinem Schaffensprozess jedoch total chaotisch.
Was trägst du, wenn dir mal so gar nicht Mode zumute ist?
Mir ist eigentlich immer noch Mode zumute! Aber ich liebe auch ganz schlichte Outfits, zum Beispiel Jeans und einen Strickpullover.
Deine Taschen aus LKW-Planen sind mittlerweile schon ziemlich kultig. Wie bist du
auf die Idee gekommen?
Die erste Tasche in diesem Stil hatte ich mir 2014 für eine Reise nach Japan gemacht. Als ich dann einige Jahre später beschloss, mein eigenes Label zu gründen, ist sie mir wieder in die Hände gekommen. Die Idee war, eine Tasche zu haben, die so prägnant ist, dass sie schon beinahe Teil des Oberteils sein könnte. Gleichzeitig wollte ich etwas robustes, langlebiges und erschwingliches erschaffen. Ich habe viel getestet und bin am Ende auf die Plane gekommen.
Wie viel Berlin steckt in deinen Pieces?
Das ist schwierig zu sagen. Eigentlich würde ich sogar behaupten, dass mein Stil gar nicht so sehr dem Berliner Style entspricht, aber ich liebe die Stadt. Sie ist mittlerweile meine Heimat und vermutlich schon deshalb ein Teil meines Labels.
Welche Rolle spielt verantwortungsvolles Arbeiten in deinem Designprozess?
Ich hoffe, dass verantwortungsvolles Designen mit Fokus auf Langlebigkeit mittlerweile für alle Brands ein zentraler Faktor ist. Ich sehe jedenfalls eine große Verantwortung bei mir, der ich nicht immer gerecht werde. Ich versuche es aber kontinuierlich. Die LKW Plane, die ich gerne wiederverwenden würde, wozu mir aber die Infrastruktur fehlt, wird in Deutschland hergestellt. Die Taschen werden primär in unserem Studio in Berlin oder in Brandenburg genäht. Die Textilien und das Leder sind Deadstock, die Pullover und Schals Vintage. Kordeln und Kordelstopper sind aus Deutschland, die Labels aus Italien.
FOTOS: © Sofia Wienecke, Jannis Uffrecht,Mateo Cidras
Was muss sich am dringendsten ändern an der Modeindustrie?
Die Überproduktion, das Greenwashing, die Produktions-Konditionen, die Intransparenz – und so viel mehr.
Wer oder was hat dich dazu inspiriert, in der Modeindustrie Fuß zu fassen?
Ich wollte schon seit ich denken kann Modedesign studieren. Meine Mutter hat einen wunderschönen Stil und großes Interesse an Mode, beide meiner Omas waren Schneider:innen, ich war wohl schon prädisponiert
Wo siehst du dein Label in den nächsten Jahren?
Am liebsten eigentlich da, wo ich jetzt bin, nur mit mehr Raum (lacht)
Mit welchen Materialien arbeitest du am liebsten und warum?
Ich mag eigentlich gerne möglichst viele verschiedene Materialien, weil alle so ihre Vorzüge und Schwierigkeiten haben.
Wie hat sich das Konsumverhalten in der Mode entwickelt? Beobachtest du ein bewussteres Umgehen mit Konsum oder eher nicht?
Ich befürchte leider, dass die „Bubble", in der ich mich bewege, nicht so repräsentativ ist. Hier wird zwar auch konsumiert, aber schon hauptsächlich Second-Hand und auch sonst sehr ausgesucht, bei der breiten Masse ist das glaube ich schon anders. Gerade seitdem der Markt auch so überschwemmt wird von Shein und ähnlichem fällt es vielen Menschen schwer zu verstehen, dass es eigentlich komplett unmöglich ist, ein T-Shirt unter 60 Euro zu verkaufen, wenn es einigermaßen ethisch und nachhaltig hergestellt sein soll. Gleichzeitig geht es natürlich auch darum zu sehen, dass es nicht für jeden Menschen möglich ist, ein T-Shirt für 60 Euro oder mehr zu kaufen. Es ist ein schwieriges Thema, über das man so viel mehr sprechen könnte und sollte.
Was möchtest du unbedingt mal designen, bist aber bisher noch nicht dazu
gekommen?
Ich will unbedingt einmal Schuhe designen.
Was kann man mit Mode ausdrücken, was man sonst nicht ausdrücken kann?
Zugehörigkeit und Kreativität.
Wann und wo kommen dir die besten Designideen?
Meistens dann, wenn ich am wenigsten damit rechne.
Wann hast du das letzte Mal etwas gesehen, das dich so inspiriert hat, dass du
tagelang daran denken musstest?
Die Diane Arbus Ausstellung im Gropius Bau und die Menschen, die sie porträtiert hat.
Was steht so auf deiner Bucket List?
Aktuell nur: Dringend mal wieder im Meer schwimmen!



