Michel Mayer im #jungbleiben Portrait
Seit 30 Jahren entwirft Michel Mayer Mode, die den Körper nicht nur kleidet, sondern mit ihr in Bewegung tritt. Ihre Arbeit ist geprägt von Intuition, Materialgefühl und einem direkten Zugang zur Form – entstanden in Wien, gewachsen mit dem eigenen Atelier und bis heute eng mit handwerklicher Präzision verbunden. Im Gespräch erzählt sie, wie ihr Label über die Jahre mit ihr erwachsen geworden ist, warum sie das Arbeiten mit dem eigenen Archiv gerade neu herausfordert und weshalb Neugier für sie vielleicht die schönste Form von #jungbleiben ist.
Wie würdest du dich in 5 Worten beschreiben?
Intuitiv, kreativ, ungeduldig, neugierig & spontan.
Michel, dein Label feiert dieses Jahr sein 30-jähriges Jubiläum – wie hat sich deine Designphilosophie in dieser Zeit entwickelt?
Eine gute Frage, die ich mir selbst so noch nicht gestellt habe, ich würde mal sagen, ich bin mit meinem Label erwachsen geworden, vielleicht auch ein wenig ruhiger und klassischer als noch vor 30 Jahren. Die Philosophie selbst und der Zugang haben sich allerdings wenig verändert, es ist immer noch ein sehr intuitiver, direkter Prozess, der das Design bestimmt.

Fotos © Michel Mayer
Deine Kollektionen zeichnen sich durch eine besondere Verbindung von Körper und Form aus. Wie gelingt es dir, diese Harmonie immer wieder neu zu interpretieren?
Für mich gibt es nichts Spannenderes als dieses Zusammenspiel. Es ist immer wieder ein neuer Prozess, eine neue Bewegung, die das Material in Beziehung zum Körper setzt. Dabei bestimmt immer der Prozess selbst das finale Ergebnis, es ist ein sehr direkter Weg, intuitiv und völlig frei, manchmal bin ich selbst noch nach so vielen Jahren vom Ergebnis überrascht- das ist es, was den kreativen Prozess so spannend hält.
Manchmal entsteht die Bewegung aus einem Gedanken heraus, oft ist es aber auch das Material selbst, das nach etwas verlangt bzw. den Weg vorzeigt.
Das Material, die Stoffe sind fast immer mein Ausgangspunkt, Intuition ist dabei immer die bewegende Kraft.
Was inspiriert dich aktuell besonders in deiner Arbeit – gibt es neue Themen oder Materialien, die du erkunden möchtest?
Zum ersten Mal seit 30 Jahren setze ich mich mit meinem eigenen Archiv auseinander. Begonnen hat es letztes Jahr damit, erst mal Ordnung in alle Schnitte der letzten Jahre zu bringen. Dabei entdecke und überarbeite ich gerade den ein oder anderen MM Klassiker, eine sehr spannende Reise, vor allem da man so manches nun doch mit anderen Augen betrachtet, nochmal hinterfragen kann und insofern sich wieder ein neuer Ansatz ergibt. Wir planen dzt. Eine Best-Of Kollektion, die viele alte Entwürfe beinhalten wird, so manche allerdings in einem neuen Kleid.

Fotos © Ernst Kainersdorfer
Die Zusammenarbeit mit Monica Ferrari-Krieger verbindet zwei sehr unterschiedliche kreative Ansätze. Wie beeinflusst das eure gemeinsame Arbeit bei Costumes Couture?
Ich arbeite ja nicht nur bei Costumes Couture mit Monica, auch bei Michel Mayer entwickeln wir seit Jahren neue Schnitte und Techniken. Das wirklich Spannende an unserer gemeinsamen Arbeit ist tatsächlich der Gegensatz, der unterschiedliche Blickwinkel- Monica denkt 2-dimensional, das bedeutet in der Umsetzung auf dem Papier, im Schnitt, und ich sehe zuerst mal nur die Bewegung, die 3-dimensionale Form. Diese so unterschiedliche Herangehensweise bedingt natürlich Reibung und manchmal auch kreative Missverständnisse, die wiederum zu neuen Ideen führen.
Du hast auch Kostüme für Film und Theater entworfen – worin unterscheidet sich das Arbeiten für die Bühne oder Kamera vom klassischen Modedesign?
Es sind 2 verschiedene Ansätze. Bei meinen Kollektionen beginne ich völlig frei, oft ganz ohne Erwartungen und schaue, wohin mich die Reise führt, ein sehr offener Prozess. Bei Film oder Theater ist viel mehr im Vorhinein bereits fixiert, es gibt Rahmenbedingungen, in denen man sich bewegen kann, diese sind manchmal sehr eingeengt und manchmal noch relativ flexibel und verhandelbar..

Fotos © Maria Tsakiri
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in deinem Atelier und wie setzt du diesen Anspruch im Alltag um?
Nachhaltigkeit hat in meiner Arbeit wie auch in meinem Leben immer eine sehr große Rolle gespielt. Unser Konzept war von Anfang an mit unserem Haus eigenem Atelier und somit unabhängiger Produktion angelegt und dies ist auch heute nach 30 Jahren so. Bei kurzfristig großer Nachfrage haben wir die Möglichkeit, auf eine kleine Produktion in Wien zurückzugreifen, aber in etwa 95% aller Modelle werden im Haus gefertigt. Dies hat nicht nur den Vorteil einer 100% transparenten Fertigung, sondern auch die Möglichkeit, die Stückzahlen dem Bedarf bzw. der Nachfrage anzupassen und somit jegliche Überproduktion zu vermeiden.
Bei der Materialauswahl versuchen wir sofern möglich mit lokalen Produzenten zusammen zu arbeiten und beziehen unsere Stoffe ausschließlich im europäischen Raum, womit automatisch verschiedene Qualitätsstandards erfüllt werden. Darüber hinaus beziehen wir mittlerweile sehr viele Deadstock Materialien.
Nachhaltigkeit war für uns aufgrund unserer eigenen Produktion und überschaubaren Größe automatisch immer ein Thema, ohne dies zum Thema zu machen.
Bei Nachhaltigkeit geht es bei mir viel auch um eine Verbundenheit. #madeinvienna
Was bedeutet nachhaltig #jungbleiben für dich?
Meine kreative Arbeit hält mich nachhaltig jung, auf jeden Fall mental, auch eine gewisse Neugierde, die man nie verlieren sollte und Offenheit- es gibt noch so viel neues zu entdecken…
Ohne, mild, oder prickelnd?
Immer ohne und am liebsten in der Glasflasche – eigentlich bin ich mit Vöslauer Mineralwasser aufgewachsen…