POPCHOP: Inspirationsquelle Wochenmarkt

Zwischen Marktständen, vielen Begegnungen und dem Potpourri frischer Zutaten entsteht eine besondere Form belebender Inspiration – kulinarisch wie ästhetisch. Für das #jungbleiben Magazin haben wir Miri Cervantes, Co-Gründerin von Calienna, auf einen Streifzug durch den Wiener Naschmarkt und die direkte Umgebung begleitet: vom wöchentlich stattfindenden Bauernmarkt über die neue Markthalle bis hin zu ausgewählten Lieblingsorten wie dem Meinklang Hofladen und der Patisserie Cremé de la Cremé.

Während Fotograf Yannik Steer den Vormittag analog festhielt, sprachen wir mit Miri über gesamtheitliche Design-Ansprüche, verbindende Elemente, das Zusammenkommen am Esstisch, die besondere Energie von Märkten – und darüber, wie sich Natur, Genuss und Gestaltung zum perfect fit zusammenfügen.

Die Begrünung von Innenräumen durch Zimmerpflanzen ist ein wichtiger Teil eures Shops – gleichzeitig betreibt ihr aber mit Calienna auch ein Café und beschäftigt euch stark mit Design. Die Natur wird so Teil eines kuratierten Interiors. Ist das ein gesamtheitlicher Ansatz, den ihr hier verfolgt?

Wir haben Calienna mit der Intention gestartet, Menschen die Natur näherzubringen. Gerade in der Stadt sind wir oft distanziert vom Grünen und verbringen viel Zeit vor Screens. Ich glaube, wir spüren alle, dass wir manchmal eine Auszeit brauchen. Die Verbindung mit lebendem Grün, vor allem in Innenräumen, tut unserer Seele gut, beruhigt uns und erdet uns. Deshalb stellen wir Pflanzen im metaphorischen und praktischen Sinn auf ein Podest und zeigen, wie schön Natur wirklich ist. Gleichzeitig wollten wir mit dem Store und dem Café einen Raum schaffen, in dem man diesen Effekt spüren kann. Innenraumbegrünungen sind für uns eine erfüllende Möglichkeit, Räume zu verändern, im Kleinen durch gezielte Akzente oder im Großen durch komplette Transformationen. Ob Büros, Hotels oder private Wohnungen, der Effekt ist immer besonders. Wichtig ist uns dabei, fundiertes Pflanzenwissen mit einem visuell durchdachten Konzept zu verbinden, das den Raum unterstützt und aufwertet.

Welche Rolle spielt das gemeinsame Kochen und das Zusammenkommen am Tisch in deinem privaten Alltag mit Arbeit und Familie?

Für mich ist das gemeinsame Kochen und Zusammenkommen am Tisch als Familie extrem wichtig. Ich möchte meinem Sohn vorleben, dass es wertvoll ist, sich Zeit füreinander zu nehmen und bewusst gemeinsam zu essen. Durch das Elternsein haben wir auch eine neue Wertschätzung fürs Kochen entwickelt. Da wir viel vor Bildschirmen arbeiten, bekommen Kinder gerade Zuhause oft wenig echtes Handwerk mit. Kochen ist für mich ein schöner Weg zu zeigen, wie wir mit unseren Händen etwas schaffen und es danach gemeinsam genießen. Auch im sozialen Kontext spielt Essen eine große Rolle für uns. Viele unserer Freunde sind Foodies, und es ist immer ein besonderer Genuss, gemeinsam Neues auszuprobieren.

Wir treffen uns hier am Bauernmarkt des Wiener Naschmarkts und der direkten Umgebung – deiner Lieblings Einkaufsgegend. Inwiefern ist der Markt für dich eine kreative Quelle – beeinflusst er, wie du über Saisonalität, Regionalität und Rezepte nachdenkst?

Ich liebe den Markt aus mehreren Gründen. Die Vielfalt an Menschen, die Energie, aber auch die Qualität der Produkte. Österreich hat eine starke Beziehung zu Regionalität, und das spürt man dort sehr deutlich. Was ich besonders schätze, ist das Persönliche. Man kommt ins Gespräch, bekommt Empfehlungen und entdeckt Dinge, die man sonst vielleicht übersehen hätte. Am Markt kaufe ich freier ein und bin offener Neues zu entdecken, im Supermarkt läuft alles eher auf Autopilot.

Was ist deine Lieblingssaison und deine damit verbundenen liebsten Obst- oder Gemüsesorten?

Ich habe lange im Ausland gelebt, und es war spannend, nach vielen Jahren wieder nach Österreich zurückzukommen und die eigene Heimat neu zu sehen. Besonders schön finde ich, wie stark hier Saisonalität gelebt wird. Bärlauch im Frühling, Spargel, Marillen im Sommer oder das Martini-Gansl im Herbst prägen sich ein. Man begegnet diesen Dingen überall, bis man sich irgendwann wieder auf die nächste Saison freut. Diese Saisonalität erdet einen im Jahr und gibt einen Rhythmus vor, der einen bewusster durchs Leben gehen lässt.

Wie wichtig ist dir Table Setting mit Blumen und Interieur für das Gesamterlebnis eines Essens – bzw. was macht für dich eine wirklich stimmige Atmosphäre aus?

Der visuelle Aspekt spielt eine große Rolle. Das Auge isst mit, und oft sind es die einfachen Dinge, die den Unterschied machen. Gutes Licht, etwas Farbe am Teller, keine unnötigen Verpackungen am Tisch. Dazu ein paar Blumen vom Markt und es entsteht ganz schnell eine Atmosphäre, die sich stimmig anfühlt.

Was bedeuten für dich Qualität, Herkunft und Wertschätzung in der Küche – und spiegeln sich diese Werte in deiner Arbeit mit Calienna wider?

Mit der Zeit habe ich gelernt, Qualität stärker zu priorisieren. Weniger, dafür besser. Dinge, die bleiben und einen echten Wert haben. Das spiegelt sich auch in unserer Arbeit bei Calienna wider. Wir legen großen Wert auf Qualität, sowohl bei unseren Pflanzen als auch in der Beratung. Uns ist es wichtig Produkte und Wissen anzubieten, auf die man sich verlassen kann.

 

Welche Restaurants und Cafés gefallen dir aktuell besonders gut?

Wien hat eine überraschend vielfältige Gastroszene. Von neueren Konzepten wie Bistro Fantasy, Rosebar Centrala oder dem neu interpretierten Asia Pavillon bis hin zu Klassikern wie Skopik & Lohn. Genauso gerne mag ich aber auch die einfacheren, fast nostalgischen Orte wie den Garten vom Alten Fassl oder die Heurigen am Kahlenberg. Und für Süßes ist Crème de la Crème unschlagbar.

Was dürfen wir von Calienna in der Zukunft erwarten? Habt ihr neue Projekte, von denen ihr erzählen möchtet?

Wir versuchen uns weniger über Neuheit zu definieren, sondern darüber, Dinge konsequent weiterzuentwickeln. Calienna war von Anfang an als Ort gedacht, der wächst, nicht nur im botanischen Sinn, sondern auch in dem, was wir daraus machen. Im Moment schärfen wir vor allem unsere eigene Handschrift. Das zeigt sich in neuen Projekten im Bereich Innenraumbegrünung und in engerer Zusammenarbeit mit Architekt:innen und Brands. Parallel arbeiten wir an eigenen Produkten und Formaten, die unsere Welt weitertragen. Wichtig ist uns dabei, dass alles stimmig bleibt. Lieber weniger, dafür Dinge mit Substanz und einer gewissen Langlebigkeit.

Zum Kaffee: Nach welchen Kriterien sucht ihr eure Bohnen aus? Habt ihr ein wechselndes Angebot?

Neben dem Geschmack achten wir stark auf Herkunft, Nachhaltigkeit und faire Produktion. Unsere Bohnen beziehen wir von Süssmund, die ganz in unserer Nähe sind. Wir schätzen die Zusammenarbeit sehr und vertrauen auf ihre Expertise.

Abschlussfrage: Still oder prickelnd?

Prickelnd, natürlich. Und am liebsten in der Form eines Soda Zitrons! 

 

Autor: Matthias Balgavy

Fotos: Yannik Steer

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