Alleine Reisen
Foto © edisashahini.com

Wie man die Welt und sich selbst entdeckt

Allein zu verreisen bedeutet für viele Menschen zunächst einmal eine Überwindung. Kein vertrautes Gegenüber beim Frühstück, niemand, der mitentscheidet, wohin es als Nächstes geht, und keine Begleitung, die im Zweifelsfall die Orientierung übernimmt. Für Edisa Shahini liegt genau darin der Reiz. Die in Wien lebende Unternehmerin, Content Creatorin und Influencerin reist seit vielen Jahren allein um die Welt und hat dabei fast alle Kontinente kennengelernt.

Geboren in Prizren im Kosovo, kam Edisa Shahini mit 17 Jahren zum Studieren nach Wien. Die Stadt wurde zu ihrer neuen Heimat, von der aus sie ihre digitale Karriere aufbaute. Ihre aktuell gestartete YouTube Journey knüpft daran an: Edisa erzählt dort nicht nur von unterwegs, sondern auch von Wien, ihrer “chosen home city”. Dabei zeigt sie die Stadt aus der Perspektive der Menschen, die hier leben, ankommen, arbeiten und Wien noch einmal anders erzählen.

Für Jungbleiben.com spricht Edisa Shahini darüber, warum Solo-Travel für sie mit Freiheit zu tun hat, welche Rolle die Vorbereitung spielt und warum man nicht immer weit wegfahren muss, um die Welt neu zu sehen.

Edisa Shahini

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Kannst du dich noch an deine erste Reise alleine erinnern?

Meine erste große Reise alleine war im Grunde mein Umzug nach Wien. Ich war 17, kam zum Studieren in eine neue Stadt und in ein neues Land. Damals habe ich das nicht als Solo Travel gesehen, aber rückblickend war es genau das: Ich musste mich orientieren, neue Routinen finden und lernen, mir selbst zu vertrauen. Nach meinem Studium begann ich dann auch im klassischen Sinn alleine zu reisen. Meine erste richtige Solo-Reise führte mich nach Paris.

Was bedeutet für dich das Alleinereisen?

Für mich bedeutet es Freiheit. Ich kann spontan entscheiden, was ich sehen möchte, wann ich eine Pause brauche und wie ich einen Tag gestalten möchte. Man nimmt eine Stadt anders wahr, wenn man alleine unterwegs ist. Man hört mehr, schaut genauer hin und ist stärker bei sich. Gleichzeitig wird man unabhängiger. Man lernt, Entscheidungen zu treffen und auf das eigene Gefühl zu hören. Ich habe gelernt, dass ich mutiger bin, als ich manchmal glaube. Man lernt, intuitiver zu handeln, Verantwortung zu übernehmen und auch kleine Herausforderungen zu bewältigen. Dieses Vertrauen nimmt man mit nach Hause. Es bleibt nicht nur auf Reisen.

Was würdest du Frauen sagen, die gerne alleine reisen würden, sich aber noch nicht trauen?

Man muss nicht gleich ans andere Ende der Welt fliegen. Man kann mit einem Wochenende in einer gut erreichbaren Stadt beginnen. Wichtig ist, sich gut vorzubereiten und auf das eigene Gefühl zu hören. Alleine zu reisen bedeutet nicht, alles perfekt zu machen. Es bedeutet, sich selbst zuzutrauen, unterwegs Lösungen zu finden. Genau darin liegt sehr viel Kraft.

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Welche Destinationen empfiehlst du für Alleinreisen? 

Für den Anfang finde ich europäische Städte sehr gut. Wichtig sind eine gute Infrastruktur, öffentliche Verkehrsmittel und ein Umfeld, in dem man sich wohlfühlt. Städte wie Rom, Lissabon, Paris oder London eignen sich gut, weil man dort viel unternehmen kann und sich relativ leicht zurechtfindet. Auch Istanbul, Marrakesch, die Malediven oder Bali können schöne Ziele sein, wenn man sich gut vorbereitet und auf die eigene Sicherheit achtet.

Was gehört für dich zu einer guten Reisevorbereitung?

Ich recherchiere immer, in welcher Gegend ich wohnen werde, wie ich vom Flughafen oder Bahnhof zur Unterkunft komme und welche Viertel ich lieber meide. Meinen Reiseplan teile ich mit Familie oder Freund:innen. Außerdem achte ich darauf, dass mein Handy stets geladen ist, wichtige Kontakte gespeichert sind und ich im Notfall schnell reagieren kann. Vorbereitung nimmt viel Unsicherheit weg.

Was nimmst du immer mit, wenn du alleine unterwegs bist?

Mein Handy mit Ladegerät, eine Powerbank, meine Kamera, eine kleine Reiseapotheke, ein Notfall-Kit, Ohrstöpsel, Sonnencreme, Mückenschutz, etwas Bargeld und einen Pass-Safe. Außerdem achte ich auf Kleidung, die zur Destination passt. Und Bücher nehme ich fast immer mit. Sie sind für mich eine schöne Begleitung unterwegs.

Edisa Shahini

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Du hast deine YouTube Journey neu gestartet. Welche Rolle spielt Reisen dort?

Reisen bleibt ein großer Teil meiner Inhalte. Aber ich möchte nicht nur zeigen, wohin man fahren kann. Mich interessiert, wie sich ein Ort anfühlt, wer dort lebt und welche Geschichten hinter einer Stadt stehen. Deshalb ist Wien für mich gerade besonders spannend. Es ist meine “chosen home city”. Ich kenne die Stadt seit vielen Jahren, aber durch Gespräche mit anderen Menschen entdecke ich sie immer wieder neu. Ich möchte Wien aus der Sicht von Locals und Expats zeigen. Viele Menschen kennen die klassischen Bilder: Kaffeehäuser, Museen, Oper, schöne Architektur. Das gehört natürlich dazu. Aber Wien ist auch eine Stadt der Menschen, die hierherkommen, bleiben, sich etwas aufbauen oder zwischen Kulturen leben. Diese Perspektive interessiert mich sehr. Ich möchte zeigen, wie unterschiedlich man Wien erleben kann, je nachdem, woher man kommt und was man hier sucht.

Warum passt dieses Thema so gut zu dir?

Weil ich selbst als junge Frau nach Wien gekommen bin und mir hier ein Leben aufgebaut habe. Ich kenne dieses Gefühl, neu anzufangen und eine Stadt Schritt für Schritt zur eigenen zu machen. Vielleicht sehe ich Wien deshalb nicht nur als schöne Stadt, sondern auch als Ort, der Biografien prägt. Genau das möchte ich auf YouTube erzählen: Reisen bedeutet nicht immer, weit wegzufahren. Manchmal bedeutet es auch, die eigene Stadt mit anderen Augen zu sehen.

16. Juni 2026
Studio Visit: Maruša Sagadin

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