Christian Metzner im #jungbleiben Portrait
Der Designer Christian Metzner denkt in Formen, Materialien und Alltagsritualen – zwischen Brandenburg, Berlin und den Werkstätten, mit denen er seit vielen Jahren zusammenarbeitet. Im Gespräch erzählt er, wie aus Neugier auf die dritte Dimension eine Sprache aus Glas und Porzellan wurde, was ihn an diesem fragilen Material fasziniert und welche Rolle kleine Rituale und Langlebigkeit in seiner Arbeit spielen.
Wie würdest du dich in fünf Worten beschreiben?
Neugierig, dickköpfig, scharfsinnig, zielstrebig und gleichzeitig manchmal etwas bequem (Kaffeepausen müssen sein!) 🙂

Fotos © Ina Niehoff
Du kommst aus Brandenburg, hast Architektur und Produktdesign studiert – wann hattest du zum ersten Mal das Gefühl: „Material und Form, das ist wirklich meine Sprache“?
Über die Fotografie, quasi mit dem eigenen Auge, bin ich eher zur Form und zum Material gekommen. Ich habe als Jugendlicher sehr viel mit der alten Kamera meiner Mutter fotografiert. Damals um 2000 gab es nur Filmkameras und analog der Standard.
Irgendwann hat mir die Zweidimensionalität nicht mehr wirklich gereicht und ich wollte in die 3. Dimension eintauchen und diese mit gestalten.
Seit über 13 Jahren arbeitest du mit Borosilikatglas, dem sogenannten Jenaer Glas. Was hat dich an diesem Material so gepackt, dass du dabeigeblieben bist?
Es ist ein wunderbares Material: leicht, stabil, hitzebeständig und zu dem wird es bis heute in Deutschland von Schott hergestellt.
Glas allgemein hat mich immer an gefrorenes Wasser erinnert und es hat für mich nie seinen Reiz verloren: Transparent, formbar und auch zerbrechlich, es hat etwas menschliches finde ich, gerade weil es auch so verletzlich ist.

Fotos © Jonas Unger (rechts oben); alle anderen von Ina Niehoff
Deine Entwürfe sind sehr klar, und dann gibt es diese kleinen, spielerischen Brüche. Wie viel Christian steckt in diesen Details?
Sehr viel, es gibt immer diese zwei Seiten: die formale Strenge und den kleinen, spielereischen Bruch, die Härte und die Fragilität des Materials. Der Kontrast ist mir immer wichtig.
Mit dem Trinkbecher NYX bist du zum Porzellan zurückgekehrt. Erinnerst du dich an ein Porzellan-Stück, das dich früh geprägt hat?
Früh hat mich ein kleines Kaffeekännchen aus der DDR geprägt. Es war eine schlichte Porzellankanne, die es vielfach in Mensen, Firmenkantinen und Gaststätten gab.
Wenn wir meine Mutter auf der Arbeit besucht haben, gab es immer diese Kanne in der Kantine, und später im Studentenwohnheim standen sie dann zu verschenken im Flur. Über die Jahre bin ich immer wieder über dieses kleine, robuste Kännchen von Margarete Jahny gestoßen; wie ein Leitmotiv sozusagen.
In der Vase AETHER treffen Wasser, Glas und Licht aufeinander. An welchen Moment denkst du, wenn du solche Stücke entwirfst – an den Alltag oder an ein besonderes Ritual?
Das ist eine gute Frage! Das kann ich gar nicht mehr so genau im Nachhinein sagen, aber bei der AETHER-Vase war es vermutlich eher eine Umgebung wie eine Bar oder ein Restaurant, an die ich gedacht habe.
… und an Blumen und Wasser und an das Zusammenspiel dieser beiden in der Vase.
Wasser ist eine generelles Thema in meinen Arbeiten, sei es als Hintergrund für meine Produktfotos oder als Trinkwasser für Karaffen und Gläser.

Fotos © Amos Fricke
Deine Produkte entstehen in Manufakturen in Tschechien und Deutschland. Was bedeutet dir dieses gemeinsame Arbeiten mit den Teams vor Ort?
Das fertige Produkt in Glas, Porzellan oder Leder in der Hand zu halten, ist immer noch das schönste Gefühl an meiner Arbeit.
Wie sehen deine eigenen Rituale mit deinen Objekten aus, gibt es ein Stück, das du wirklich jeden Tag benutzt?
Da gibt es natürlich das Geschirr und dabei immer welchsende Tassen und Gläser. Ich sammle Gläser und Tassen und daher gibt es alle paar Woche mal wieder ein neues Teil für den Kaffee oder das Glas Tee oder Wasser bei der Arbeit.
Ich trinke selten aus meinen eigenen Entwürfen, das langweilt mich und erinnert mich an Arbeit, beim Trinken möchte ich lieber an ein Cafe, Strand oder einen Park erinnert werden.

Fotos © Noshe (li); Amos Fricke (Mitte, re)
Was bringt dich immer wieder zurück an den Werktisch?
Dieselben, wie seit Jahrhunderten: Neugier, Fantasie und offene Augen.
Was bedeutet #nachhaltig jungbleiben für dich?
Als Designer sehe ich meine Rolle darin, mit meinem Label Christian Metzner und dem Pressecafé Berlin langlebige, formschöne Produkte für unterschiedliche Zielgruppen und soziale Milieus anzubieten – ganz im Geist des ursprünglichen Bauhaus-Gedankens, der gutes Design für alle zugänglich machen wollte und dabei Funktionalität, Qualität und Nachhaltigkeit vereinte. Produkte wie ein Trinkglas, das über viele Jahre im Gebrauch ist, zeigen, wie zeitlose und produktgerechte Gestaltung Ressourcen schont, Verbrauch reduziert und Verantwortung für die Zukunft übernimmt.
Ich glaube, dass jeder Mensch, ob als Selbstständiger oder angestellt in einer Firma, seinen persönlichen Einfluss ausüben kann. Jeder hat die Möglichkeit, im Großen oder Kleinen, sich für eine lebenswerte Gesellschaft und Umwelt einzusetzen und als Vorbild für andere – seine Familie, die Nachbarn oder im Beruf – voranzugehen.
Als Selbstständiger kann und muss man natürlich gleichzeitig in mehreren Feldern, von Produktion, Personal, Energie und Marketing, agieren.
Wir produzieren all unsere Produkte, vom Glas, Porzellan bis zum Silberverschluss, alles im Umkreis von 350km von Berlin und nehmen auch gerne die Bahn um die Produktion zu besuchen, mit der wir mehr als 15 Jahre zusammenarbeiten.

Fotos © Amos Fricke (Gläser Studio), Ina Niehoff (Gläser Strand)
Ohne, mild, oder prickelnd?
Bitte prickelnd!