Purpose Travel – Reisen, die dich verändern #jungbleiben
Reisen war lange Zeit eine Flucht aus dem Alltag: Abschalten, Ausblenden, Eindrücke und Fotos sammeln. Heute rückt zunehmendeine andere Idee in den Fokus. Purpose Travel steht für Reisen mit Sinn und Zweck – jenseits von reiner Entspannung und klassischem Sightseeing.
Dieser Ansatz markiert einen klaren Gegenentwurf zum traditionellen Ferienverständnis. Nicht mehr nur das Reiseziel zählt, sondern die Motivation dahinter: Warum wir reisen, was wir bewirken und was wir davon mitnehmen – innerlich wie äußerlich. Purpose Travel beschreibt also Reiseformen, bei denen Sinn, Verantwortung und persönliche Entwicklung im Mittelpunkt stehen – für Reisende und in den meisten Fällen ebenso für die Menschen vor Ort.
Entstanden ist dieser Ansatz aus mehreren Strömungen: dem wachsenden Umweltbewusstsein, der Kritik an Overtourism, der Sinnsuche einer postmateriellen Gesellschaft und dem Wunsch, den Urlaub wieder als echten Austausch zu erleben. Die Gen Z und auch erfahrene Vielreisende hinterfragen zunehmend den ökologischen und sozialen Fußabdruck ihrer Mobilität – und wollen stattdessen Teil einer positiven Veränderung sein.
Jung bleiben durch sinnvolles Reisen
Purpose Travel ist kein einheitliches Produkt, sondern ein Dachbegriff. Darunter versammeln sich unterschiedliche Formen: ökologisch verantwortungsvolles Reisen, freiwillige Mitarbeit, Bildungs- und Lernreisen sowie spirituelle und transformative Erfahrungen. Gemeinsam ist der Anspruch, Reisen bewusster zu gestalten – mit echtem Mehrwert über den Urlaub hinaus. Ob Mithilfe bei einer Olivenernte, ein Schweigeretreat in den Alpen, ein Forschungsaufenthalt oder eine Eco-Lodge-Auszeit in entlegenen Regionen: Purpose Travel verbindet persönliches Wachstum mit globaler Verantwortung. Reisen wird so zum Perspektivenwechsel – und im besten Fall zu einem Impuls, der lange darüberhinaus wirkt. Wir helfen euch beim Überblick:
Eco Travel
Die tragende Säule des Purpose Travel steht für Reiseformen, die Umwelt, Klima und lokale Ressourcen bewusst berücksichtigen. Im Fokus stehen Reiseformen, die ökologische Verantwortung, soziale Fairness und wirtschaftliche Tragfähigkeit miteinander verbinden. Reisende bewegen sich langsamer, wählen kleinere Strukturen und setzen auf Qualität statt Quantität. Statt schneller Ortswechsel und standardisierter Unterkünfte setzt Eco Travel auf kleine Strukturen, ressourcenschonendes Wirtschaften und eine enge Einbindung lokaler Gemeinschaften. Reisen wird so zu einer bewussten Entscheidung.
Ein international prägendes Beispiel ist The Long Run, initiiert vom ehemaligen Puma-CEO Jochen Zeitz. Die Plattform vereint weltweit über 50 außergewöhnliche Reiseziele – von Eco-Lodges bis zu Safari-Camps –, die sich verbindlichen Kriterien in den Bereichen Naturschutz, Kultur, Community und nachhaltiges Wirtschaften verpflichten.
An der Schnittstelle von Nachhaltigkeit und innerer Entwicklung positioniert sich 700’000 heures impact, gegründet vom Franzosen Thierry Tessier. Die Plattform kuratiert Unterkünfte und Reiseerfahrungen, die ökologisches Handeln mit bewusster Lebensführung verbinden – von naturnahen Rückzugsorten bis zu Orten des Dialogs und der Transformation.
Auswahl im deutschsprachigen Raum bieten die Change Maker Hotels –eine wachsende Plattform für nachhaltig wirtschaftende Beherbergungsbetriebe mit klarer Vision: Reisen soll achtsam, respektvoll und zukunftsfähig sein. Change Maker Hotels vernetzen Pionierbetriebe, die sich an den Zielen einer „enkeltauglichen Zukunft“ orientieren. Dabei geht es nicht nur um ökologische Maßnahmen, sondern auch um soziale Verantwortung, faire Arbeitsbedingungen und kreative Ideen, die Gäste gerne mit nach Hause nehmen sollen und die damit über klassischen Tourismus hinauswirken.
Voluntourism
Freiwilliges Engagement und Reisen – das wird durch Voluntourism verbunden. Reisende bringen Zeit, Arbeit oder Wissen ein und werden Teil eines Projekts oder einer Gemeinschaft. Ziel ist ein Austausch auf Augenhöhe, der über kurzfristige Hilfe hinausgeht. Entscheidend sind Transparenz, Sinnhaftigkeit und ein realer Bedarf vor Ort.
Richtig umgesetzt, eröffnet Voluntourism tiefe Einblicke in soziale, ökologische und kulturelle Zusammenhänge – und verändert oft auch den Blick auf das eigene Leben. Trauben lesen in einem kleinen Weingut, bei der Olivenernte in Italien mithelfen, einige Wochen auf einem Bergbauernhof aushelfen oder in einem ökologischen Betrieb bei der täglichen Arbeit unterstützen: Voluntourism beginnt oft ganz praktisch: WWOOFing – „World Wide Opportunities on Organic Farms“ – etwa bringt Reisende auf Bio-Höfe, wo sie im Tausch gegen Kost und Logis bei der Ernte, mit der Viehhaltung, im Garten oder bei Bau- und Erhaltungsarbeiten mithelfen.
In Österreich ermöglicht WWOOF Österreich genau solche Aufenthalte auf ökologisch wirtschaftenden Bauernhöfen und Höfen mit Permakultur: kein bezahlter Job, sondern ein gemeinsames Arbeiten und Lernen. Diese Form des Mitmachens schafft Nähe zur Natur, zur Jahreszeit und zu den Menschen, die dort leben.
Auch klassische Work-&-Travel-Formate ermöglichen längere Aufenthalte, bei denen Arbeiten und Leben eng miteinander verbunden sind. Ihr habt länger Zeit? Anbieter wie wayers oder TravelWorks vermitteln Programme, bei denen Reisende über mehrere Wochen oder Monate in landwirtschaftlichen Betrieben, nachhaltigen Unterkünften, sozialen Projekten oder im Tourismus mitarbeiten. Im Unterschied zu kurzfristigen Volunteer-Einsätzen stehen hier Kontinuität, Integration in den Alltag und persönliches Lernen im Vordergrund. Arbeiten wird Teil des Reiseerlebnisses – und der Aufenthalt entwickelt sich vom Besuch zur temporären Zugehörigkeit.
In Österreich zeigt sich Voluntourism zunehmend in hybriden Hotel- und Hofkonzepten. Das Glashaus am Pogusch lädt Gäste ein, im Betrieb mitzuarbeiten – sei es in der Landwirtschaft oder bei einfachen Tätigkeiten – und reduziert dafür den Übernachtungspreis. Ähnlich funktioniert das Haus des Schweigens in Puregg, wo Mitarbeit Teil eines gemeinschaftlichen, kontemplativen Alltags ist, auch wenn das Angebot dort eher in die nächste Kategorie fällt:
Spiritual Travel
richtet den Blick nach innen. Diese Reiseform schafft Räume für Stille, Achtsamkeit und Selbstreflexion, meist eingebettet in eine bewusste Tagesstruktur aus Meditation, Bewegung, Schweigen oder kontemplativer Arbeit. Im Zentrum stehen innere Klärung, Sinnsuche und persönliche Transformation – unabhängig von religiöser Zugehörigkeit, mehr als Jungbrunnen für die Seele. Der Ortswechsel dient weniger dem äußeren Erlebnis als der bewussten Entschleunigung und inneren Erfahrung.
Eine wichtige Rolle spielen dabei Retreat-Zentren, die Spiritualität zeitgemäß und offen vermitteln. Plattformen wie retreaturlaub.de bündeln europa- und weltweit Angebote – von Schweigeretreats über Achtsamkeits- und Meditationswochen bis zu Yoga- und Selbsterfahrungsformaten. Sie machen Spiritual Travel zugänglich für Menschen, die Orientierung suchen, ohne sich fest zu binden.
Im Alpenraum haben sich mehrere Orte als spirituelle Rückzugsräume etabliert. Neben dem erwähnten Haus des Schweigens in Puregg zählen dazu etwa das Benediktushof-Zentrum für Meditation und Achtsamkeit in Deutschland, eines der größten spirituellen Zentren Europas, oder das Kloster Neustift in Südtirol, das Achtsamkeit mit Einkehr mit Kultur und Landschaft verbindet. Und Das ZENtrum Mondsee in Oberösterreich ist eine Schule für Meditation, Achtsamkeit und Bewusstsein mit realen Retreat-, Schweige- und Meditationsangeboten vor Ort. Die Leitung übernehmen Marion und Bernhard Hötzel, die seit vielen Jahren Anleitungen und Kurse zur Meditation, Vipassana-Praxis, Achtsamkeit und Bewusstseinsentwicklung anbieten. Besonders beliebt sind die mehrtägigen Schweige-Retreats, MBSR-Kurse (Mindfulness-Based Stress Reduction) und Achtsamkeits-Retreats sowohl für Einsteiger:innen als auch für Geübte – mit strukturierten Tagen, Atem- und Bewusstseinsarbeit sowie Zeiten der Stille.
Ihr wollt weiter weg? International reicht das Spektrum von klassischen Vipassana-Retreat-Zentren – etwa Dhamma-Zentren mit strukturierten zehn-tägigen Schweige-Meditationen in Europa, Amerika oder Asien – bis zu spirituellen Gemeinschaften wie Plum Village in Frankreich oder dem Spirit Rock Meditation Center in den USA. In Indien und Südostasien gehören etablierte Ashrams und Meditationsorte wie Dhamma Giri nahe Mumbai oder traditionelle Klöster in Thailand, wo Meditation, Yoga und gemeinschaftliches Leben Teil des Alltags sind.
Bildungsreisen
Bildungsreisen stellen Lernen und persönliche Weiterentwicklung in den Mittelpunkt und richten sich an Menschen, die Reisen als intellektuellen und kulturellen Prozess verstehen – nicht nur als Auszeit. Denn Wissen entsteht durch Erfahrung, Begegnung und aktive Auseinandersetzung mit Sprache, Kultur, Natur, Geschichte oder gesellschaftlichen Themen Der Reiseort wird zum Lernraum, der Perspektiven erweitert, Denkmuster hinterfragt und Horizonte öffnet – immerhin: wer ständig wächst, bleibt länger jung.
Ein besonders breites Spektrum deckt EF Education First ab, ein weltweit tätiger Anbieter für Sprachkurse, Auslandssemester, Gap-Year-Programme und kulturelle Studienreisen. EF kombiniert intensiven Sprachunterricht im Ausland mit kulturellen und sozialen Aktivitäten in über 20 Ländern – ob Europa, Nordamerika oder Asien. Für klassische Studien- und Kulturreisen ist Rüfa Kultur- & Studienreisen ein etabliertes Beispiel im deutschsprachigen Raum. Die Programme richten sich an Erwachsene und kombinieren Reiseleitung mit historisch-kulturellen, gesellschaftlichen oder kunsthistorischen Inhalten – von Europa über Afrika bis Asien.
Im Bereich schulischer Bildungsreisen bieten spezialisierte Veranstalter wie Going Europe maßgeschneiderte Klassenfahrten und Lernreisen an, bei denen Lehrplan bezogene Inhalte, thematische Workshops oder naturwissenschaftliche Schwerpunkte im Mittelpunkt stehen. Zudem gibt es Gruppenanbieter wie Cooltours oder WorldStrides, einer der größten Bildungsreise-Anbieter weltweit. Ihr seid längst erwachsen? Intrepid Travel ist ein international tätiger Reiseveranstalter mit Fokus auf kleine Gruppen, lokale Begegnungen und authentische Erfahrungen. Es strukturiert Reisen nach Themen („Trip Themes“) wie Food & Culture, Urban Adventures (lokale Stadt- und Kulturerlebnisse) oder Explorer- und Expedition-Trips. Jede dieser Kategorien schafft Kontextwissen, nicht nur Besichtigungspunkte. Auch G Adventures organisiert weltweite Kleingruppenreisen, die bewusst auf lokale Begegnungen, Community-Projekte und gesellschaftliche Themen ausgerichtet sind. Einen stärker wissenschaftlich geprägten Zugang bieten die National Geographic Expeditions, bei denen Expert:innen aus den Bereichen Naturwissenschaft, Geschichte oder Fotografie die Reisen begleiten. Vorträge, Exkursionen und Gespräche mit Fachleuten machen diese Reisen zu mobilen Lernräumen, in denen Wissen unmittelbar erlebbar wird.
Speziell auf Bildungsreisende Ü50 ausgerichtet ist Road Scholar, eine der weltweit größten Organisationen für nicht-schulische Bildungsreisen. Die Programme kombinieren akademisch fundierte Inhalte, Vorträge und Diskussionen mit Ortsbegehungen und kulturellen Begegnungen. Klüger ist man danach also allemal.