Freie Kiosk Kultur mit Felix Hohagen und Philippe-Maurice Hällmayer im #jungbleiben Portrait
Mit Freie Kioskkultur Wien wird ein vertrautes Stadtmöbel zum offenen Möglichkeitsraum: für Begegnung, Austausch und temporäre Ideen mitten im öffentlichen Raum. Im Zentrum steht ein restaurierter Kiosk, der je nach Ort und Zusammenarbeit immer wieder neue Rollen annimmt – mal als Treffpunkt, mal als kulturelle Schnittstelle, mal als kleine Intervention mit großer Wirkung. Im Gespräch erzählt FKK, wie aus einem ehemaligen Alltagsobjekt eine mobile Plattform für urbane Experimente wurde, warum gerade kleine Räume eine Stadt verändern können und weshalb Kioskkultur 2026 aktueller ist denn je.

Foto © Felix Hohagen
Wie würdet ihr euch – und Freie Kioskkultur Wien – in fünf Worten beschreiben?
Modularer Raum für urbane Begegnungen.
Am Anfang stand ein leerer Kiosk, heute ist daraus eine Plattform für Experimente im Stadtraum geworden. Was war für euch der Moment, an dem klar war: Das ist mehr als ein schönes Objekt?
Am Anfang stand eigentlich nicht die Idee einer Plattform, sondern eigentlich die Suche nach einem Raum für eine eigene Projektidee. Bei unserer Recherche haben wir uns an den Kiosk K67 und sein besonderes Design erinnert, das schon Jahre zuvor unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Im Laufe der Recherche hat sich dann relativ schnell herausgestellt, wie vielseitig der Kiosk ist und dass er sich nicht nur für unsere ursprüngliche Projektidee, sondern für unterschiedlichste Bespielungsformen eignet. So hat sich nach und nach der Gedanke gefestigt, den Kiosk zu öffnen und als Raum für Experimente, Austausch und temporäre Nutzungen im Stadtraum zu verstehen.
Kioske waren in Wien immer Alltagsorte – Trafik, Imbiss, Treffpunkt. Was bedeutet Kioskkultur für euch im Jahr 2026?
Für uns bedeutet Kioskkultur vor allem einen niedrigschwelligen Ort der Begegnung im öffentlichen Raum. Anders als viele kulturelle Räume findet ein Kiosk nicht hinter Türen, sondern mitten im alltäglichen Leben der Stadt statt. Genau diese Offenheit macht ihn für uns spannend: ein sichtbarer, öffentlicher Ort für spontanen Austausch, Kultur und Gemeinschaft.
Euer Kiosk wandert: unterschiedliche Bezirke, Festivals, Kooperationen. Was lernt ihr über eine Stadt, wenn ihr denselben Raum immer wieder woanders aufstellt?
Dadurch, dass der Kiosk mobil ist, merken wir sehr schnell, wie unterschiedlich Stadträume funktionieren und wie stark Orte das Verhalten von Menschen beeinflussen. Obwohl der Raum immer derselbe bleibt, entstehen je nach Umgebung komplett andere Dynamiken, Begegnungen und Nutzungen. Gleichzeitig lernen wir, dass oft schon ein kleiner öffentlicher Ort reicht, um Menschen zusammenzubringen und eine neue Atmosphäre im Stadtraum zu schaffen.

Fotos © Hongwei Tang & Felix Hohagen
Beim Perspektiven Festival 2025 wurde der Kiosk gemeinsam mit Mode-Labels bespielt. Wie wichtig sind solche Brücken – zwischen Kunst, Design, Musik, Food – für das, was ihr mit FKK erzählen wollt?
Solche Brücken sind eigentlich zentral für FKK. Uns interessiert weniger die klare Trennung zwischen Kunst, Design, Musik oder Food, sondern vielmehr, wie diese Bereiche im öffentlichen Raum miteinander in Austausch treten können. Der Kiosk funktioniert dabei wie eine offene Schnittstelle, die unterschiedlichste Menschen, Szenen und Formate zusammenbringt. Gerade diese Mischung macht die Projekte lebendig und schafft oft Begegnungen, die in klassischen Kulturkontexten so nicht entstehen würden. Diesen Sommer bespielen wir mit dem Kiosk eine kleine Grünfläche auf dem Vorplatz des MuseumsQuartiers zwischen Haupteingang und Volkstheater.
Welche Rolle könnten kleine, mobile Räume wie euer Kiosk in einer Stadt spielen, in der vieles größer, schneller und digitaler wird?
Eine zentrale Rolle. Das Leben in der Stadt spielt sich auf den Straßen und im öffentlichen Raum ab. Gleichzeitig geben wir viele dieser Räume immer weiter ab, ohne uns der Auswirkungen wirklich bewusst zu sein. Wir glauben, dass gerade kleine, mobile Orte wie unser Kiosk dabei helfen können, neue Nischen zu schaffen – Orte zum Verweilen, für spontane Begegnungen und Kreativität. Während vieles größer, schneller und digitaler wird, schaffen solche Räume unmittelbare, physische Erfahrungen und machen Stadt wieder direkter erlebbar.
Ihr arbeitet viel mit Zwischennutzungen und temporären Setups. Welche Rahmenbedingungen wünscht ihr euch von Stadt oder Institutionen, damit Kioskkultur freier und selbstverständlicher Teil des öffentlichen Raums werden kann?
Wir würden uns vor allem mehr Offenheit und Mut im Umgang mit öffentlichem Raum wünschen. Gerade temporäre und kreative Nutzungen scheitern oft daran, überhaupt geeignete Flächen zu finden oder an komplexen Themen wie Widmungen und Genehmigungen. Dabei braucht es aus unserer Sicht mehr Verständnis dafür, welchen Wert solche kleinen, kulturellen Interventionen für eine Stadt haben können. Oft reichen schon einfache, flexible Möglichkeiten, um öffentlichen Raum lebendiger, zugänglicher und gemeinschaftlicher zu gestalten.

Foto © ErickKnight
Wie hat euch FKK persönlich verändert: Seht ihr Wien anders, seid ihr ständig auf der Suche nach Orten, Andockpunkten und neuen Nachbarschaften seid?
Durch FKK schauen wir viel bewusster auf die Stadt und ihre Zwischenräume. Wir sehen in Wien irrsinnig viel Potenzial – es gibt so viele Orte, Plätze und Situationen, die mit kleinen Interventionen ganz neue Qualitäten entwickeln könnten. Man beginnt ständig darüber nachzudenken, wo Begegnungen entstehen könnten oder wie sich ein Ort durch eine temporäre Nutzung verändern kann. Gleichzeitig haben wir durch das Projekt viele neue Nachbarschaften, Initiativen und Menschen kennengelernt, mit denen wir sonst wahrscheinlich nie in Kontakt gekommen wären.
Was bedeutet jungbleiben für euch – im Kontext von Wiederverwendung, langer Lebensdauer eines einzigen Kiosks und einer Stadt, die sich ständig neu erfinden muss?
Für uns bedeutet jungbleiben, bestehende Dinge weiterzudenken, anstatt ständig Neues zu produzieren. Der Kiosk ist dafür ein gutes Beispiel: Ein Objekt aus den 1960er-Jahren bekommt durch neue Nutzungen, neue Orte und neue Menschen immer wieder ein neues Leben. Gleichzeitig glauben wir, dass Städte nachhaltig jung bleiben, wenn sie Räume für Kreativität, Begegnung und neue Ideen offenhalten und Menschen die Möglichkeit geben, diese aktiv mitzugestalten.

Fotos © Erick Knight
Und zum Schluss: Ohne, mild oder prickelnd?
Superprickelnd und gerne auch gespritzt!
Freie Kioskkultur Wien (FKK) ist eine mobile Plattform für kulturelle und kreative Experimente im öffentlichen Raum. Im Zentrum steht ein restaurierter K67-Kiosk des slowenischen Designers Saša Mächtig, der als offene Infrastruktur für temporäre Nutzungen und unterschiedlichste kollaborative Formate dient. Durch wechselnde Kooperationen und Bespielungen schafft FKK niedrigschwellige Orte für Begegnung, Austausch und neue Perspektiven auf den Stadtraum.
Von 10. Juni bis 13. September 2026 bespielt FKK in Kollaboration mit Estudio Schumi eine kleine Grünfläche am Vorplatz des MuseumsQuartiers Wien – mit Snacks, Drinks und wechselndem musikalischem Programm. Alle Infos findet ihr auf @fkk_wien.