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Foto © Dora Denerak 

“Vienna is burning”: Karin Cheng über Voguing und die Magie des Runways

Die Dokumentation “Paris is burning” ist bis heute Kult, hob es doch die Voguing-Kultur der schwarzen und Latino Queer Community New Yorks zum ersten Mal ins Rampenlicht und auf die Leinwand. Seit damals sind über 30 Jahre vergangen. Mittlerweile ist Voguing – oder auch Vogue genannt – im Mainstream angekommen. Seitdem die Serie “Pose” bei sämtlichen Award-Shows abgeräumt hat, interessieren sich immer mehr für den ausdrucksvollen Freestyle-Tanz.

Dieser begründet nicht nur sein ganz eigenes Genre, seine Moves sind auch seit Jahrzehnten bereits in Choreographien von Popstars zu finden. Doch zurück zu “Pose“. Dieses versetzt uns zurück in die 80er Jahre und begleitet ein “House” (dazu später mehr) durch die New Yorker Ballroom Szene und den Alltag, der mit der  Glamourwelt der nächtlichen Tanz-Competitions kontrastiert. Andere Serien wie “Legendary” oder auch die Reality Show “My House” beschäftigen sich ebenfalls mit Voguing und lassen uns näher in das Genre eintauchen.

Voguing ist schon seit Jahren in Wien angekommen. Wir haben mit Karin Cheng von Kiki House of Dive gesprochen, die uns mehr über ihren Zugang zu dem expressiven Tanzstil erzählt.

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Karin Cheng ist Gründerin ihres eigenen “House”: Kiki House of Dive. Foto © Damian Holod

 

Wie ist diese besondere Form von Tanz entstanden?

Karin Cheng: “Voguing ist eine expressive und äußerst stilisierte Form des Tanzes und der Performance, die in den 1980er Jahren in der New Yorker Ballroom-Kultur entstand. In der Ballroom-Kultur gibt es neben Tanz auch andere Formen von Ausdruck, wie zB. ‘Runway’ (Präsentation von Fashion und Eleganz am Laufsteg) und ‘Realness’ [Die Fähigkeit, eine bestimmte Identität oder soziale Rolle authentisch zu verkörpern und darzustellen., Anm.]. Die Wurzeln von Voguing und Ballroom-Kultur liegen in der queeren Black und Latinx Community – ganz spezifisch bei schwarzen Transfrauen. Ausgegrenzt, unterdrückt und diskriminiert von der weißen, heteronormativen Gesellschaft, kam die Community auf sogenannten Bällen zusammen und gründete ‘Häuser’, die als Ersatzfamilien galten. Voguing ist ein sehr ausdrucksstarker und körperpositiver Tanz, bei dem es darum geht, gesehen zu werden und sich gegenseitig zu feiern.”

 

Welche Rolle spielt Voguing und die dazugehörigen Ballroom-Events in der LGBTIQ+ Community?

Karin Cheng: “Die Energie und Leidenschaft, die beim Praktizieren von dieser Kunstform zu spüren sind, sind mitreißend und berührend. Es ist eine Form der Selbstinszenierung, bei der Performer:innen ihre Persönlichkeit und Geschichte, unabhänglig von den vorherrschenden Stereotypen, neu schreiben können. Voguing hat im Laufe der Jahre Einfluss auf die Popkultur gehabt und ist zu einem Symbol der LGBTQIA+-Gemeinschaft und des Empowerments geworden.”

 

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Foto © Damian Holod

Wie kann man Voguing jemandem beschreiben, der es noch nicht gesehen hat?

Karin Cheng: “Um das vollständige Erlebnis zu verstehen, ist es am besten, einen Ball zu besuchen oder ein Video anzuschauen, da die visuellen Elemente und die Energie schwer in Worte zu fassen sind.”

Wie sieht die Voguing/Ballroom-Szene in Wien aus?

Karin Cheng: “Die Ballroom-Szene in Wien ist eine lebendige und wachsende Gemeinschaft, die in den letzten Jahren an Präsenz zugenommen hat. Obwohl Wien weit entfernt vom traditionellen Ursprung ist, gibt es eine engagierte kleine Gruppe von Interessierten Personen, die die Kunst und Kulturform in der Stadt etabliert haben. Zurzeit gibt es zwei Kiki Häuser in Wien ‘Kiki House of Dive’ und ‘Kiki House of Moonlight’. Die ‘Mothers & Fathers’ von diesen Häusern sind sogenannte Trailblazer, also Menschen, die einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung und Sichtbarkeit der lokalen Ballroom Szene und der damit verbundenen Kultur geleistet und somit auch den Weg für andere in der Gemeinschaft geebnet haben.”

Und wo soll man in Wien unbedingt für in Voguing Event hin? 

Karin Cheng: “In Wien finden regelmäßige Classes, Veranstaltungen, Workshops und Bälle statt, bei denen sich die Teilnehmer:innen versammeln, einerseits um ihre Fähigkeiten zu zeigen, ihre Kreativität auszuleben und miteinander in Wettbewerb zu treten, andererseits ist es auch ein Zusammenkommen unterschiedlicher Gemeinschaften und ein gegenseitiges Kennenlernen, unterstützen und feiern.”

 

Titelfoto: Dora Denerak

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