Michaela Schwarz-Weismann im #jungbleiben Portrait
Was passiert, wenn akademische Präzision auf die Suche nach dem Unaussprechlichen trifft? Michaela Schwarz-Weismann liefert die Antwort. Die in Innsbruck geborene und in Wien lebende Künstlerin zeigt uns, dass Reduktion nichts mit Verzicht zu tun hat – sondern mit der Konzentration auf das Wesentliche.
Nach Stationen an der Universität für angewandte Kunst in Wien und dem Royal College of Art in London hat Michaela eine Bildsprache entwickelt, die so präzise wie poetisch ist. Ihre Arbeiten – von der Malerei über Performance bis hin zu raumgreifenden Installationen – sind weit mehr als ästhetische Momentaufnahmen. In Serien wie „Second Thoughts“setzt sie sich mit den Gedanken großer Philosophinnen wie Hannah Arendt auseinander, während sie in „Sleeping Men“den Schlaf als radikalen Gegenentwurf zum Hyperkapitalismus inszeniert.
Ihre Farbpalette mag auf den ersten Blick reduziert wirken, doch wer genauer hinsieht, entdeckt das volle Spektrum des Lebens. Diese feine Nuancierung spiegelt auch ihre Haltung wider: Michaela ist eine Beobachterin des Zwischenmenschlichen. Ob sie die Magie einer Begegnung in „Momentum Us“ einfängt oder gesellschaftliche Rollenbilder in ihren „Inverted Women“ auf den Kopf stellt – ihre Kunst ist immer auch ein politisches Statement. Privatheit ist bei ihr kein Rückzug, sondern der Ort, an dem Veränderung beginnt.
Im Interview spricht sie darüber, warum sie trotz internationaler Erfolge die Neugier einer Suchenden bewahrt hat, warum sie den Blick für das „rosa Plastiksackerl auf grauem Beton“ niemals verlieren möchte und was es bedeutet, in einer lauten Welt die Kraft der Stille zu feiern.
Wie würdest du dich in 5 Worten beschreiben?
Neugierig, offen, Tänzerin, esse immer zuviel Solletti, liebvoll, begeisterungsfähig, Leseratte, kritisch, klar, Familienmensch.
Deine künstlerische Praxis wirkt sehr vielschichtig: Wie würdest du in einem Satz beschreiben, worum es dir in deiner Kunst geht?
Ich möchte schöne Bilder malen.
Deine Werke bewegen sich zwischen figurativer Malerei, Abstraktion, performativen Elementen und Installationen – wie entscheidest du, welche Form die passende für ein Thema ist?
Ich stürze mich rein und wenn ich vergesse, etwas zu wollen, passiert irgendwann etwas Gutes.
Wie erlebst du die Reaktion von Menschen, wenn sie zum ersten Mal deine Werke sehen? Was würdest du gerne auslösen?
Gefühle. Und die sind immer sehr persönlich. Ein und dasselbe Bild löst bei manchen Trost, bei anderen Wut aus.
Die Augen entscheiden, nicht das Werk, das fasziniert mich.
Wie beeinflusst dein Alltag als Künstlerin deine Kreativität und deinen Blick auf die Welt?
Alles beeeinflusst meine Kunst. Meine Sehnsüchte, meine Wut, ein rosa Plastiksackerl auf grauen Beton auf dem Weg zum Atelier.
Gibt es ein neues Projekt an dem du gerade arbeitest oder ein Thema dass dich zur Zeit stark bewegt?
Connection, der Raum zwischen uns, die Energie, die uns verbindet, die Magie versuche ich einzufangen. Wir dürfen uns nicht spalten lassen!!
Was bedeutet nachhaltig #jungbleiben für dich?
Ich fühle mich jung, weil ich immer noch suche und träume und unendlich viele Wünsche habe.
Ohne, mild oder prickelnd?
Immer prickelnd.