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Invader: Wenn Kunst 4000-mal den öffentlichen Raum erobert

Invader’s Figuren erinnern an jene Computerspiele, die man im letzten Jahrhundert auf großen, klobigen Kisten spielte – meistens noch mit Zweitonmusik und ebenso vielen Farben. Die Zeiten sind zwar lange vorbei und längst haben sich in unsere Haushalte 4K-Bildschirme gewagt, wir kommunizieren nicht über, sondern auch mit unseren Handys und künstliche Intelligenz kann auf (fast) alles eine Antwort geben – doch die Ästhetik von damals, ist immer noch präsent.

Damit stellt sich seine Kunst visuell markant in den Vordergrund und verschafft sich so “Gehör” im öffentlichen Raum.

In einem Zeitalter, in dem Privatsphäre zu einem Fremdwort geworden ist, erlaubt sich der Künstler diesen Luxus und lässt seine Mosaike für sich sprechen. Sie im urbanen Dschungel zu entdecken, war bereits en vogue noch bevor es Geo-based Spiele, wie Pokemon Go gab, denn bereits seit 1998 ist das Projekt am Laufen. Statt Punkte oder Herzchen am Display gibt es dafür Dopamin und ein Lächeln.

Wie Invader’s Synonym bereits verrät, “erobert” seine Kunst die Straße ohne lange zu fragen, schleicht sich an Häuserfassaden hoch, setzt sich mit Fliesenkleber und Fugenmasse fest und macht Graffitis zu Statisten. Das “Rohmaterial”: Kleine, einfärbige Fliesen, wie man sie in jedem Baumarkt findet. Die Ästhetik ist “Pixel Art”, die von Videospielen wie Tetris, Pac-Man oder dem japanischen Videospiel Space Invaders, das auch namensgebende Inspiration war, geprägt wurde.

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Der französische Künstler, der rund um die Welt – und ja, auch in Wien – seine Kunstwerke verbreitet, macht den öffentlichen Raum der Metropolen zu seinen Galerien. Dabei sind seine Werke unscheinbar und doch ins Auge stechend. Andere Streetart-Größen wie Banksy sind zwar wesentlich bekannter, doch Invader lässt sich dafür Zeit, setzt auf eher auf Schmunzeln als politisches und ist vom Hollywood-Zeichen bis zum Pariser Louvre überall vertreten, wo er Platz findet.

In Wien ist er 56 Mal vertreten und so gestaltete er die berühmte Brücke des Hintereingangs des MuseumsQuartiers. Mini-Versionen seiner Space-Invaders finden sich unter anderem im 6. Wiener Gemeindebezirk, wie etwa an der Fassade des berühmten Café Ritter. Diese Anzahl ist allerdings eine kleine Menge gegen Paris, der Heimatstadt von Invader: Hier finden sich über 1.500 Kunstwerke an Wänden und Fassaden, welche das Stadtbild prägen und zum Teil der Millionenmetropole geworden sind.

Was Invader mit seinen Space Invasions plant? Die (künstlerische) Weltherrschaft!

Erst kürzlich präsentierte der Invader in der angesagten Pariser Galerie “Over the Influence” seine Einzelausstellung ‘4000’. Dabei wurde der Meilenstein von 4000 Space Invaders gefeiert, die mittlerweile auf der ganzen Welt installiert wurden. In der Ausstellung befinden sich hingegen Repliken von Straßenstücken, die für den Kunstmarkt bestimmt sind. Eine Aktion, die mittlerweile auch notwendig geworden ist, denn immer öfter wurden die Mosaike gestohlen und verkauft.

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Wahrscheinlich sind Invaders Kunstwerke auch deswegen so populär, weil sie das kollektive Gedächtnis rund um Pop-Art zitieren und sie damit – und das ist in der Kunst ein böses Wort – massentauglich sind. Aber genau das macht seine Kunst so wunderbar. Sie ist bunt, man braucht kein Kunstgeschichtestudium, um sie zu verstehen und hinterlässt im oft tristen, öffentlichen Raum eine Botschaft, die wie ein Stück Schokolade wirkt. 

“Mein Projekt Space Invaders ist mehr als nur eine einfache künstlerische Praxis, es ist seit über zwanzig Jahren ein wichtiger Teil meines Lebens. Manche würden es sogar als Lebensstil bezeichnen. Jede Invasion einer Stadt ist eine völlig neue Erfahrung, ein geografischer und kultureller Tapetenwechsel, eine einzigartige Reise durch eine noch zu erobernde Terra incognita”, so Invader zu ‘4000’. Den 4.000 Space Invader installierte er übrigens in Potosí, eine Stadt im Herzen Boliviens, die noch dazu eine der höchstgelegenen der Welt ist. Diese ist vom Silberabbau geprägt und so ließ er sich, passend zum Stadtbild, Kunstwerke einfallen, die es von ihm wohl so noch nie gegeben hat. Eine kurze Doku auf YouTube zeigt die Reise und die Montagen seiner Space Invaders vor Ort.

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Eine Ausstellung 2020 von Invader in Los Angeles.

 

 

 

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